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26.01.2012

15:52 Uhr

Zwischenlager Gorleben

30 Jahre Kartoffelscheune

Vor 30 Jahren begannen die Arbeiten am Atommüll-Zwischenlager Gorleben. Kernkraftgegner nennen die Halle nur „Kartoffelscheune“. Doch sie dürfte noch eine ganze Weile Castor-Behälter beherbergen.

Vor 30 Jahren wurde mit dem Bau der "Kartoffelscheune" in Gorleben begonnen. dpa

Vor 30 Jahren wurde mit dem Bau der "Kartoffelscheune" in Gorleben begonnen.

Gorleben„Kartoffelscheune“ nennen die Atomkraftgegner die schlichte Halle südlich des niedersächsischen Gorleben. Doch in dem fensterlosen Betonbau warten mittlerweile 113 Behälter mit hoch radioaktivem Atommüll auf den Weitertransport ihres strahlenden Inhalts in ein Endlager, das noch nicht gefunden ist. Dabei währt die Suche schon eine gefühlte Ewigkeit: Vor 30 Jahren begann der Bau der „Kartoffelscheune“.

Vom Zwischenlager nur wenige hundert Meter entfernt liegt der schlagzeilenträchtige Salzstock, der seit Jahrzehnten auf seine Eignung als letzte Lagerstätte untersucht wird. Bund und Länder haben im vergangenen November beschlossen, 2012 mit der Suche nach einem Endlager neu zu beginnen - also werden die bunten Stahlbehälter weiter in der gelben Halle auf dem Gelände stehen bleiben.

Am 26. Januar 1982 sicherten Polizei und Bundesgrenzschutz das zehn Hektar große Baugelände für das geplante Lager mit Stacheldrahtrollen, die Rodungsarbeiten in dem tellerflachen Waldgelände starteten noch am selben Tag. Damit wurde Gorleben als bundesweit erstes Zwischenlager für abgebrannte Brennelemente und schwach radioaktive Abfälle in Angriff genommen, auch wenn bis heute meist nur von den Castor-Behältern mit ihrer hoch radioaktiven Last die Rede ist - und das westfälische Ahaus schließlich 1992 fast drei Jahre vor Gorleben in Betrieb genommen wurde. Erste Probebohrungen zur Erkundung des Baugrundes in Gorleben hatte es bereits im März 1979 gegeben, auch sie wurden schon von Protesten aufgebrachter Atomkraftgegner begleitet.

„Der Name Kartoffelscheune ist damals schnell entstanden“, erinnert sich Wolfgang Ehmke von der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg an den späteren Bau der Hallenkonstruktion. „Die Halle heißt so, weil sie lediglich Schutz vor schlechtem Wetter bietet. Nur die Castor-Behälter sollen bislang den Schutz vor der Strahlung oder etwa Flugzeugabstürzen und Terroranschlägen garantieren.“ Andere Wendländer erklären, dass der Bau wie eine Scheune ohne atomrechtliches Verfahren oder Bürgerbeteiligung genehmigt worden sei. Die Wände seien zum Teil dünner als 50 Zentimeter, kritisierte einst Mathias Edler, mittlerweile Atom-Experte bei Greenpeace.

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