Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

26.01.2015

17:42 Uhr

Euro in der Zukunft

Griechenland, na und?

VonStefan Menzel

In Athen regiert nun die radikale Linke. Trotzdem hat der Euro Chancen auf ein langes Leben. Handelsblatt.com startet eine Serie zu Zukunftsthemen – und verändert sich selbst: Am Mittwoch erleben Sie ein neues Design.

Getty Images

DüsseldorfBleibt er oder wird er uns bald schon wieder verlassen? Gut 15 Jahre ist er erst alt, der Euro, die europäische Gemeinschaftswährung. Die Griechen haben gerade gewählt. Deshalb interessiert sich jetzt erst recht jeder brennend dafür, ob wir in Europa auch in Zukunft mit dem Euro bezahlen werden. 15 Jahre sind noch nicht besonders viel für eine Währung. Doch wir alle haben es buchstäblich selbst in der Hand, ob wir diesem Euro weiterhin das Vertrauen schenken und damit sein Überleben sichern. Trotz aller aktuellen Endzeitszenarien: Es gibt eine gute Chance, dass uns der Euro noch lange Zeit erhalten bleibt.

Ist der Euro denn wirklich so schlecht und schwach, wie er derzeit von vielen gesehen wird? Die klare Antwort darauf heißt: nein. Als Währung funktioniert der Euro hervorragend. Wirtschaftswissenschaftler haben ein theoretisches Konzept („Funktionen des Geldes“) entwickelt, mit dem sich die Leistungsfähigkeit einer Währung messen lässt. Im Mittelpunkt stehen dabei die drei Funktionen als Zahlungsmittel, als Recheneinheit und als Mittel der Wertaufbewahrung.

Alle drei Funktionen erfüllt der Euro mit Bravour. Überall in der Eurozone ist er anerkanntes und bewährtes Zahlungsmittel, ja sogar in Ländern über den Euroraum hinaus. Damit ist auch seine Funktion als Recheneinheit gesichert. Kaum noch jemand denkt in den alten europäischen Währungen, in Mark, Pesete oder Lira. Preise sind so von Lissabon bis ins Baltikum vergleichbar geworden.

Die Euro-Familie und der Rest der EU

Nachwuchs

Die Euro-Familie hat Nachwuchs bekommen: Mit Litauen sind von 2015 an 19 der 28 EU-Staaten Mitglied der Eurozone. Wie geht es weiter? Die meisten der anderen neun Länder haben keine Wahl. Fast alle müssen aufgrund der EU-Verträge der Währungsunion beitreten, sobald sie dafür reif sind.

Rumänien

Das Land will den Euro nach letztem Stand 2019 einführen. Dies hatte die Regierung Anfang Mai in Brüssel angemeldet. Allerdings ist die Zustimmung in der Bevölkerung kontinuierlich gesunken.

Tschechien

Der deutsche Nachbar ist nach Ansicht der Regierung noch längst nicht bereit für den Euro. Als möglichen Termin hat sie zuletzt das Jahr 2020 genannt.

Ungarn

Die rechts-konservative Regierung des Landes strebt in absehbarer Zeit nicht an, den Forint durch den Euro zu ersetzen: „Wir sprechen da nicht vom nächsten Jahr, sondern vom nächsten Jahrzehnt oder den nächsten zwei oder drei Jahrzehnten.“ In der Bevölkerung ist eine knappe Mehrheit der Bevölkerung für die Einführung des Euro.

Bulgarien

In dem Land ist der Euro derzeit kein Thema. Das Land werde den Euro einführen, „allerdings nicht um jeden Preis“, lautet das Credo der Regierung. Rund zwei Drittel der Bulgaren wollen die heimische Währung Lew nicht durch den Euro ersetzen.

Kroatien

Auch für Kroatien ist der Abschied von der Landeswährung Kuna kein Thema, zumal die Wirtschaft des jüngsten EU-Mitgliedslandes faktisch schon intensiv mit dem Euro arbeitet. So werden viele Preise auch in Euro angegeben. Notenbankchef Boris Vujcic hält einen Beitritt vor 2019 für unmöglich; die Öffentlichkeit ist gegen den Euro.

Vereinigtes Königreich

Die Briten haben das vertraglich zugesicherte Recht, das Pfund zu behalten, auch wenn sie für den Euro qualifiziert wären. Sie gehören nicht zum Europäischen Wechselkursmechanismus, der als „Vorzimmer“ zum Euro gilt. Bei den euroskeptischen Briten ist keine Abkehr von diesem Sonderweg in Sicht.

Dänemark

Auch die Dänen hat das Recht, sich gegen die Euro-Einführung zu sperren. Im Jahr 2000 entschieden sich die Dänen in einer Volksabstimmung dagegen, die eigene Krone zugunsten der Gemeinschaftswährung aufzugeben. Dänemark gehört zum Europäischen Wechselkursmechanismus.

Schweden

Die Schweden hatten sich in einer Volksentscheidung 2003 gegen eine Ablösung ihrer Krone durch den Euro ausgesprochen. Aktuell verhindert das Land einen Euro-Beitritt, indem es kein Mitglied des Wechselkursmechanismus ist. Vertraglich ist aber geregelt, dass Schweden beitreten muss, sobald es reif für den Euro ist.

Polen

Die Polen haben es mit dem Beitritt zur Eurozone nicht eilig. Die Regierung will sich noch nicht auf ein Datum für die Einführung des Euro festlegen. Es sei zu früh, einen Zeitpunkt zu nennen, heißt es in Warschau.

Am allerwichtigsten ist allerdings die Funktion als Wertaufbewahrungsmittel. Eine Währung wird nur dann voll und ganz von einer Bevölkerung akzeptiert, wenn der Wert einer Banknote dauerhaft erhalten bleibt und sich damit auch noch morgen, in einem Monat oder in einem Jahr bezahlen lässt. Auch diese Funktion erfüllt der Euro. Es gibt keine Flucht in andere Währungen, die Bevölkerung in den Euro-Ländern hält – auch ganz wörtlich genommen – an ihrer Gemeinschaftswährung fest.

Inflation wäre eine Ursache, die an der Werthaltigkeit zweifeln ließe. Nur: Innerhalb der Eurozone ist Inflation überhaupt kein Thema. Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank während der vergangenen 15 Jahre kann sich in diesem Punkt wahrlich sehen lassen. Die Euro-Zone gehört zu den stabilsten (Geld-)Regionen der Welt. Während sich viele Länder ständig mit Abwertungssorgen herumplagen müssen, erfreuen sich die Europäer ihrer Geldwertstabilität.

Kommentare (4)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Olek Smirnow

26.01.2015, 18:26 Uhr

Faktenscheck Aus T€uro wird Ramscho

Am 23./24.3.2000 trat der Europäische Rat in Lissabon zu einer Sondertagung mit dem Thema „Beschäftigung, Wirtschaftsreform und sozialer Zusammenhalt als Bestandteil einer wis-sensbasierten Wirtschaft“ zusammen. In den entsprechenden Schlussfolgerungen des Vorsitzes dieses Europäischen Rats wurde ein auf zehn Jahre (bis 2010) angelegtes Strategieprogramm vorgestellt, dass schon bald als Lissabon-Strategie bezeichnet wurde. Dabei gab der Europäische Rat ein ehrgeiziges neues strategisches Ziel vor: Die EU müsse bis zum Jahre 2010 „zum wettbewerbfähigsten und dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftsraum der Welt werden – einem Wirtschaftsraum, der fähig ist, ein dauerhaftes Wirtschaftswachstum mit mehr und besseren Arbeitsplätzen und einem größeren sozialen Zusammenhalt zu erzielen“. Davon umfasst waren als quantitative Zielvorgaben Vollbeschäftigung und eine durch-schnittliche wirtschaftliche Wachstumsrate von 3%.

Was ist daraus geworden? 15 verlorene Jahre und man hört immer weiter so, weiter so, gesundbeten bis der Arzt kommt und den Tod des Patienten patentiert. Toll, diese Sprücheklopferei kann ich langsam nicht mehr hören.
MfG

Herr Marco Gundel

26.01.2015, 18:29 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Ich und Ich

26.01.2015, 20:44 Uhr

Ich habe die Chance auf ein langes Leben mit HARTZIV. Kannst mir auch in Golddublonen auszahlen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×