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10.06.2015

09:42 Uhr

Fensterputzroboter Winbot 930 im Test

Der Fensterflüsterer

VonJoachim Hofer

Der Vorgänger war noch dazu geeignet, die ganze Nachbarschaft wachzurütteln – der neue Fensterputzroboter von Ecovacs ist leiser und schneller. Auch wenn er das Säubern erleichtert: Ohne Handarbeit geht es nicht.

Handelsblatt-Redakteur Joachim Hofer mit dem Winbot 930: Das Gerät arbeitet im Flüsterton.

Der Roboter und der Redakteur

Handelsblatt-Redakteur Joachim Hofer mit dem Winbot 930: Das Gerät arbeitet im Flüsterton.

München„Cool“, ruft meine Frau, als ich abends mit dem Fensterputzroboter unterm Arm nach Hause komme. Der Freudenschrei ist nicht weiter überraschend. Die Sonne steht tief und ein Blick durchs Glas lässt keinen Zweifel aufkommen: Die Scheiben sehen aus wie in einem Regionalexpress nach einer Orgie von Fußballfans.

Vor zwei Jahren haben wir schon einmal ein solches Gerät ausprobiert, das für mehr Sauberkeit sorgte, aber einige Schwächen hatte. Was also kann der Winbot 930, den der chinesische Hersteller Ecovacs nun verkauft?

Der Apparat wird nach dem Abendessen sofort ausgepackt. Es dauert keine fünf Minuten, ehe die Maschine einsatzbereit ist. Beim Druck auf den Einschaltknopf dann gleich die erste Überraschung: Der neue Roboter zieht seine Bahnen im Flüsterton. Das Vorgängermodell war noch dazu geeignet, Nachbars Baby aus dem Tiefschlaf zu reißen.

Jetzt bemerkt nur der die Putzorgie, der unmittelbar daneben steht. So geräuschlos krabbelt der Winbot über die Scheibe, dass mein Sohn ein paar Mal fast übers Kabel gestolpert wäre – er hat den Apparat einfach nicht wahrgenommen. In dieser Hinsicht haben die Ingenieure des chinesischen Produzenten Ecovacs also ganze Arbeit geleistet. Wer will, der kann jetzt zu jeder Tages- und Nachtzeit seine Fenster auf Hochglanz polieren.

Haushaltsroboter: Spielzeug oder echte Hilfe?

Bekannt aus Industrie und Medizin

Roboter kommen schon seit Jahrzehnten in der Industrie zum Einsatz, etwa in Autofabriken, wo sie Bleche zusammenschweißen. Auch in der Medizin gibt es viele Einsatzszenarien.

Ein wachsender Markt

Haushaltsroboter sind ein relativ junger Trend – erste Geräte kamen in den 1990er Jahren auf den Massenmarkt. Die elektronischen Haushaltshelfer könnten aber ein lukratives Geschäft werden: Mehr als die Hälfte (54 Prozent) aller Bundesbürger kann sich laut einer Umfrage des Hightech-Verbandes Bitkom vorstellen, einen Roboter zur Unterstützung bei der Haus- oder Gartenarbeit einzusetzen.

Staubsaugroboter

Wohl am beliebtesten sind Staubsaugroboter – erste Geräte kamen in den 1990er Jahren auf den Markt. Mittlerweile sind die elektronischen Helfer erschwinglich geworden, die günstigsten Modelle gibt es ab rund 200 Euro. Zu den bekanntesten Geräten zählt der Roomba, den die US-Firma iRobot herstellt.

Rasenmähroboter

Im Sommer hört man sie in Nachbars Garten: Immer mehr Hobbygärtner lassen Roboter den Rasen mähen. Weil diese nicht so leistungsfähig sind wie ein großer Mäher, kreiseln sie permanent, sofern sie nicht gerade an der Ladestation sind. Die meisten Geräte orientiert sich anhand von Begrenzungsdrähten, Gartenstühle entdecken und umfahren sie mithilfe Sensoren. Erste Gartenhelfer kamen in den 90er Jahren auf den Markt. Geräte kosten ab rund 1000 Euro.

Alleskönner für den Haushalt

Forscher arbeiten bereits an selbstlernenden Robotern, die nicht nur staubsaugen, sondern auch kochen und waschen können. Bis solche Geräte erschwinglich sind und in den Haushalt einziehen, dürften aber noch Jahrzehnte vergehen.

Ein Roboter zum Kuscheln

In Japan kommen in Alten- und Pflegeheimen schon seit Jahren eine Roboter-Robbe zum Einsatz. Mit Bewegungen und Lauten soll das Plüschtier bei den Bewohnern positive Gefühle wecken. Auch immer mehr Einrichtungen in Deutschland arbeiten mit dem Gerät. Wichtig: Es darf nicht als Ersatz für menschliche Zuwendung dienen.

Gleichwohl: Der neue Winbot ist zwar besser als sein Vorgänger, ohne Macken ist der elektronische Helfer aber nicht. Ecovacs verspricht in seiner Werbung vollmundig: „Die Reinigungsroboter nehmen ihren Benutzern die Hausarbeit ab und helfen dabei, wertvolle Zeit für die angenehmen Dinge im Leben zu gewinnen.“ Das stimmt, aber nicht ganz. Natürlich macht es mehr Spaß, den Staub auf den Fenstern von einem Roboter wegwischen zu lassen. Aber einfach im Liegestuhl zurück lehnen? So ist es mitnichten.

Doch von Anfang an: Den Winbot in Gang zu setzen ist nicht schwer. Ein paar Spritzer Putzmittel auf das Mikrofasertuch, das Gerät eingesteckt und ans Fenster gedrückt, los geht’s. In wenigen Minuten hat die Maschine jedes Fenster bei uns geputzt, und zwar schneller als das alte Modell. Ist der Winbot 710 mit seinen Kunststoffketten noch wild über die Fläche gerattert, beackert sein Nachfolger die Scheiben ganz systematisch, lässt keine Ecke aus und umfährt gekonnt auch die Griffe.

Unsere Fenster sind nicht besonders groß. Kaum hat sich der Winbot fest gesaugt und die Arbeit aufgenommen, ist er auch schon fertig. Dann ertönt ein kurzes Piepsen und er will abgenommen werden. So bleibt der Nutzer immer in Bewegung. Ist ein Fenster fertig, geht’s zum nächsten. Dazwischen empfiehlt es sich freilich, ab und an das Putztuch auszuwaschen. Aber Achtung: Nicht zu nass machen, dann funktioniert der Roboter nicht, weil seine Ketten durchdrehen.

Der Roboter ist binnen weniger Minuten einsatzbereit.

Winbot 930

Der Roboter ist binnen weniger Minuten einsatzbereit.

„Sehr gut auch auf kleinen Fenstern“, heißt es bei Ecovacs über den Winbot 930. Bei uns sind viele Fenster aber zu klein; dort heißt es manuell putzen, mit Spiritus und Eimer, so wie schon immer. Das ist frustrierend.

Schade auch: Es muss fleißig nachgewischt werden. Denn die größte Schwäche des Vorgängers haben die Forscher von Ecovacs auch beim neuen Roboter nicht behoben: Vogelkacke verschmiert das Gerät lustvoll über die ganze Scheibe. Wer also abstrakte Kunst auf dem Fenster vermeiden will, der sollte vorher allzu hartnäckigen Dreck per Hand beseitigen. Der Winbot hasst auch die Reste von Tesafilm. Die verwandelt er in schmierige Schlieren.

Ach ja, die Rahmen darf selbstverständlich weiterhin jeder selbst abwischen. Andererseits lässt sich das Gerät im Gegensatz zu älteren Modellen auch auf rahmenlosen Fenstern und Türen verwenden, selbst Spiegel seien kein Problem, versichert der Hersteller.´

Der Winbot 930 ist mit 2,35 Kilogramm Gewicht etwas schwerer als sein Vorgänger und damit beileibe kein Fliegengewicht. Wer nicht im Erdgeschoss wohnt, sollte also das mitgelieferte Sicherungsseil anbringen. Abstürzen kann der Apparate auch ohne Schnur und doppelten Boden nicht, zumindest in der Theorie. Denn bei einem Stromausfall nutzt die Maschine eingebaute Batterien, die das Vakuum aufrechterhalten. Wir haben es nicht ausprobiert.

Fazit: Die Sauberkeit hat ihren Preis

Lohnt es sich also, für den Winbot 930 satte 399 Euro auszugeben? Wer wenig Stauraum zuhause hat, der wird die Frage schnell für sich mit einem „Nein“ beantworten. Denn der Roboter braucht viel Platz in der Abstellkammer, und wird ja doch nur ein paar Mal im Jahr angeworfen. Doch auch wer einen großen Keller hat, dürfte angesichts des Preises ins Grübeln kommen.  Dass auch mit Roboter viel Handarbeit nötig ist, macht die Kaufentscheidung nicht leichter. Eins bleibt aber festzuhalten: Der Winbot ist zwar nicht perfekt, doch unsere Fenster sind jetzt viel sauberer als ohne Fensterputzroboter.

Daten und FaktenWinbot 930
Gewicht2,35 Kilogramm
Arbeitsgeschwindigkeit0,08 Meter/Sekunde
Abmessungen

30,2 x 30,2 x 12,5 Zentimeter

Leistung11,1 Watt
Preis399 Euro

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