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15.08.2014

20:22 Uhr

100 Jahre Wasserstraße

Düstere Zukunft für den Panamakanal

VonKlaus Ehringfeld
Quelle:Handelsblatt Live

Einst galt der Panamakanal als Triumph der Technik über die Natur. 100 Jahre nach seiner Entstehung steht er vor einer ungewisse Zukunft: An vielen Stellen ist er veraltet, und bald könnte er Konkurrenz bekommen.

Unsichere Zukunft

Panamakanal wird 100 Jahre alt

Unsichere Zukunft: Panamakanal wird 100 Jahre alt

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Panama-StadtEin historisches Bauwerk feiert Geburtstag: 100 Jahre, eine Million Schiffe, viele Milliarden Tonnen Waren und Container und eine unzählbare Ersparnis an Zeit und Energie für Schiffe und Reedereien. Der Panamakanal, die zweitwichtigste Wasserstraße der Welt nach dem Suez-Kanal, blickt zum Geburtstag auf Superlative zurück. Aber dennoch liegt über dem Fest ein großer Schatten. Denn die Gegenwart der Ozeanverbindung zwischen Atlantik und Pazifik ist grau und die Zukunft trübe.

Als die „SS Ancon“ am 15. August 1914 als erstes Schiff den Panamakanal durchfuhr, wurde ein Jahrhunderte alter Menschheitstraum Wirklichkeit. Bereits im 16. Jahrhundert ließ der spanische Kaiser Karl V. Baupläne für eine Wasserstraße zwischen Atlantik und Pazifik entwerfen. Auch der deutsche Forschungsreisende Alexander von Humboldt träumte von einem Kanal über den Isthmus. Doch es sollte bis Anfang des 20. Jahrhunderts dauern sowie Tausende Menschenleben und Millionen Dollar kosten, bis die interozeanische Wasserstraße Realität wurde.

Die Geschichte des Panamakanals

Der Kanal

Vor 100 Jahren passierte zum ersten Mal ein Schiff offiziell den Panamakanal. 85 Jahre lang kontrollierten die USA die Wasserstraße zwischen Atlantik und Pazifik. Seit 2000 steht der Kanal unter panamaischer Verwaltung. Derzeit wird er für eine neue Generation von Frachtschiffen ausgebaut.

23. Februar 1903

Der US-Senat billigt das Abkommen zum Panamakanal.

1904

Das Ingenieurscorps des US-Heeres beginnt mit dem Bau des Kanals.

15. August 1914

Die „SS Ancon“ passiert als erstes Schiff offiziell den Panamakanal. Wegen des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs werden die Eröffnungsfeierlichkeiten allerdings abgesagt.

14. - 23. August 1928

US-Abenteurer Richard Halliburton schwimmt durch den Panamakanal und zahlt mit 36 Cent die niedrigste jemals entrichtete Passage-Gebühr.

12. Mai 1963

Nach der Installation von Lampen am Culebra Cut und den Schleusen nimmt der Kanal den 24-Stunden-Betrieb auf.

9. Januar 1964

Bei Protesten gegen die US-Verwaltung des Kanals kommen 22 Panamaer und vier US-Bürger ums Leben.

7. September 1977

Unterzeichnung des Torrijos-Carter-Vertrags. Das Abkommen sieht die Gründung einer binationalen Kanal-Verwaltung vor und schreibt die endgültige Übergabe des Kanals an Panama für Ende 1999 fest.

1. Oktober 1979

Der Torrijos-Carter-Vertrag tritt in Kraft. Panama erlangt die Souveränität über sein gesamtes Staatsgebiet zurück.

20. Dezember 1989

Um den in Drogengeschäfte verwickelten Machthaber Manuel Noriega zu stürzen, marschieren US-Truppen in Panama ein. Erstmals in der Geschichte des Kanals wird der Verkehr für über 29 Stunden eingestellt.

1994

Per Verfassungszusatz wird die heutige Kanalverwaltung (ACP) geschaffen. Die Behörde ist unabhängig, überweist aber einen großen Teil der Einnahmen an die Staatskasse.

31. Dezember 1999

Die USA übergeben die Kanalverwaltung an Panama.

22. Oktober 2006

Ein Volksentscheid zur Erweiterung des Kanals wird mit großer Mehrheit angenommen.

3. September 2007

Beginn des Kanalausbaus.

Februar 2014

Wegen eines Streits zwischen der Kanalverwaltung und dem Baukonsortium Gupc über Zusatzkosten stehen die Arbeiten für zwei Wochen still. Mit dem Abschluss des Ausbaus wird Ende 2015 gerechnet.

Zunächst versuchten sich die Franzosen an dem Bau des Kanals. 1880 begannen die Arbeiten unter der Leitung des Suez-Kanal-Erbauers Ferdinand de Lesseps. Allerdings unterschätzten die Franzosen die schwierigen geologischen Verhältnisse und die Gefahr durch Tropenkrankheiten. Nach neun Jahren waren Malaria und Gelbfieber schätzungsweise 20.000 Arbeiter zum Opfer gefallen, und die aufwendigen Arbeiten hatten die Kanalgesellschaft in den Konkurs getrieben.

Die USA übernahmen die Konzession und zettelten im damals noch zu Kolumbien gehörenden Panama eine Revolution an, um eine Washington gewogene Regierung zu installieren. In einem Vertrag ließen sie sich schließlich die Kontrolle über die Kanalzone zusichern.

1904 begannen die Amerikaner mit den Bauarbeiten. Sie hoben rund 180 Millionen Kubikmeter Erdreich aus, errichteten drei Schleusen und stauten den Gatún-See auf. „Der Kanalbau wurde damals als Triumph der Technik über die Natur gewertet“, sagt die US-Wissenschaftlerin Julie Greene von der Universität von Maryland. Der Bau kostete 375 Millionen Dollar und war zu diesem Zeitpunkt das teuerste Bauprojekt der USA. Der US-Ingenieursverband nahm den Kanal 1995 in seine Liste der Weltwunder der modernen Welt auf.

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