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19.08.2014

11:15 Uhr

175 Jahre Fotografie

Vom „Spiegel mit Gedächtnis“ zum Selfie

Die Fotografie sollte 1839 ein Geschenk für alle Menschen sein. Der französische Staat wollte mit dem vom Erfinder abgekauften Patent kein Geld verdienen. Ist die Vision Wirklichkeit geworden?

Belichtungszeit acht Stunden: Das wohl erste bis heute erhaltene Foto zeigt den Blick aus einem Zimmer in Le Gras. Aufgenommen wurde es von Joseph Nicéphore Niépce 1826/1827. Er arbeitete zusammen mit Louis-Jacques-Mandé Daguerre. Niépce verstarb 1833, Daguerre stellte das Verfahren am 19. August 1839 der Öffentlichkeit vor. Wikipedia / OTRS

Belichtungszeit acht Stunden: Das wohl erste bis heute erhaltene Foto zeigt den Blick aus einem Zimmer in Le Gras. Aufgenommen wurde es von Joseph Nicéphore Niépce 1826/1827. Er arbeitete zusammen mit Louis-Jacques-Mandé Daguerre. Niépce verstarb 1833, Daguerre stellte das Verfahren am 19. August 1839 der Öffentlichkeit vor.

Hannover/EssenDie Geburtsstunde der Fotografie war ein gesellschaftliches Ereignis: Am 19. August 1839 wurde die Erfindung in der Pariser Akademie der Wissenschaften mit allen technischen Details vorgestellt und feierlich als Geschenk der Menschheit übergeben. Der französische Staat hatte dem Erfinder Louis Jacques Mandé Daguerre die Rechte an dem Verfahren abgekauft und gab es zur kostenlosen Nutzung für alle frei. Die oft geschmähte und sogar totgesagte Fotografie hat seitdem in ihrer 175-jährigen Geschichte einen beispiellosen Siegeszug um die Welt angetreten.

Der Photoindustrie-Verband will zur Feier des Jubiläums einen riesigen Bilderglobus entstehen lassen, zu dem jeder Fotos beisteuern kann. Im September soll die Weltkugel auf der Fachmesse Photokina in Köln präsentiert werden. Darüber hinaus nehmen zahlreiche Museen und Galerien den Jahrestag zum Anlass für Sonderausstellungen. Sie blicken nicht nur zurück, sondern spiegeln auch die Gegenwart.

„Mitte der 1990er Jahre wusste man, dass die Fotografie anders wird. Jetzt ist dieser große Umbruch gekommen vor allem mit den sozialen Netzwerken und den sogenannten Foto-Communitys. Wie heute Bilder zirkulieren, ist ein Quantensprung“, sagt Florian Ebner, Leiter der fotografischen Sammlung des Museums Folkwang in Essen.

Fotografie-Entwicklung in Zahlen und Fakten

1826

"Der Blick aus dem Fenster in Le Gras" ist das erste bis heute erhaltene Foto der Geschichte. In achtstündiger Belichtungszeit aufgenommen von Joseph Nicépgore Niépc.

1839

Am 19. August wird die Fotografie, damals Daguerreotypie genannt, als technisches Verfahren offiziell mit allen Details in Paris öffentlich gemacht, als kostenloses Geschenk an die Menschheit.

1861

Der schottische Physiker James Clerk Maxwell produziert das vermutlich erste Farbfoto der Geschichte.

1889

Kodak-Gründer George Eastmann entwickelt den ersten Rollfilm.

1900

Die Kodak Brownie ist für einen Dollar pro Stück erhältlich und macht Fotografie für eine breites Publikum erschwinglich.

1925

Durchbruch für die Kleinbildfotografie: Erstmals kommen mit der Leica I in einer Kompaktkamera 35-mm-Filme zum Einsatz.

1947

Die erste Sofortbildkamera wird von Edwin Herbert Land entwickelt.

1975

Mit einer vier Kilo schweren Kamera wird von Steve Sasson das erste digitale Bild aufgenommen. Es zu speichern dauert 23 Sekunden.

1999

Das erste Handy mit integrierter Kamera (0,1 Megapixel) kommt in Japan auf den Mamrkt und wird schnell zum Kult.

2003

Erstmals werden weltweit in einem Jahr mehr Mobiltelefone mit integrierter Kamera verkauft, als einzelne Digitalkameras.

2010

Weltweit sind mehr als eine Milliarde Mobiltelefone mit integrierter Kamera im Umlauf.

2012

Google stellt sein Zukunftsprojekt vor: Computer-Brillen, mit denen man ins Internet gehen, telefonieren und fotografieren kann.

2014

Nicht nur die Technik ändert sich, auch die Art Bilder zu machen: 25 Millionen Deutsche knipsen regelmäßig Selfies

Der 44-Jährige wird den Deutschen Pavillon der Biennale von Venedig im kommenden Jahr gestalten. Zum ersten Mal fiel damit die Wahl auf einen Fotokunst-Experten, was einiges über die Bedeutung der Fotografie als Kunstgattung aussagt.

Für Ebner ist die Stärke der Fotografie, dass sie so viele Gesichter und Sprachen hat. „Sie hat etwas zu tun mit dem Journalistischen, mit dem Privaten, mit dem Amateurhaften, aber auch mit Luxus und schöner Illusion.“

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