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18.01.2005

16:00 Uhr

1905 war das "wunderbare Jahr" Einsteins

Revolution auf 21 Seiten

Einbstein ist vor 100 Jahren weder gestorben noch geboren. Dass 2005 trotzdem Einsteinjahr ist, liegt daran, dass vor einem Jahrhundert das "annus mirabilis", das wunderbare Jahr, des Genies war. Unter anderem erschien seine 21-seitige Doktorarbeit.

HB HAMBURG. 1905 veröffentlichte der erst 26-jährige Albert Einstein als „technischer Experte III. Klasse“ am Berner Patentamt in kurzer Folge mehrere bahnbrechende Arbeiten, die die Physik auf ganz unterschiedlichen Gebieten revolutionierten.

Den Auftakt macht eine Arbeit mit dem unscheinbaren Titel „Über einen die Erzeugung und Umwandlung des Lichtes betreffenden heuristischen Standpunkt“, die Einstein am 17. März beim Fachblatt „Annalen der Physik“ einreicht. „Sie handelt über die Strahlung und die energetischen Eigenschaften des Lichts und ist sehr revolutionär“, schreibt Einstein an seinen Freund Conrad Habicht. Das Revolutionäre ist, dass Einstein dem Licht Eigenschaften von Teilchen zuschreibt (Lichtquantenhypothese) und damit den bis dahin unverstandenen lichtelektrischen Effekt erklären kann. Die am 9. Juni veröffentlichte Arbeit macht Einstein zu einem Mitbegründer der Quantenphysik und bringt ihm den Physiknobelpreis für 1921 ein.

Am 30. April legt Einstein dann seine 21-seitige Doktorarbeit über „eine neue Bestimmung der Moleküldimension“ vor. Er gibt darin als Erster Antwort auf eine drängende Frage der damaligen Physik: Gibt es wirklich Atome, und wenn ja, wie kann man sie zählen und ihre Größe bestimmen? Die Arbeit, mit der Einstein am 15. Januar 1906 in Zürich promoviert wird, gehört noch heute zu den meistzitierten in der Physik.

Nur knapp zwei Wochen später, am 11. Mai, reicht Einstein die nächste Arbeit bei den „Annalen der Physik“ ein. Darin liefert er erstmals die richtige Erklärung dafür, warum leblose Teilchen unter dem Mikroskop ganz feine, ungeordnete Bewegungen ausführen. Seine Erklärung dieser „Brownschen Molekularbewegung“ führt zu Experimenten, mit denen die molekularkinetische Wärmetheorie bestätigt werden kann. Zusammen mit seiner Doktorarbeit macht dieser am 18. Juli erschienene Aufsatz Einstein zum Begründer der Statistischen Physik.

Am 30. Juni folgt schließlich die Spezielle Relativitätstheorie, die Einstein unter dem Titel „zur Elektrodynamik bewegter Körper“ bei den „Annalen der Physik“ einreicht. In dem am 26. September erschienen Aufsatz dehnt Einstein das Relativitätsprinzip der klassischen Mechanik, demzufolge die Naturgesetze in allen gleichmäßig bewegten Bezugssystemen gleich sind, auf die ganze Physik aus. Damit führt Einstein neue Begriffe von Raum und Zeit sowie Gleichzeitigkeit ein.

In einem Nachtrag zur „Elektrodynamik bewegter Körper“, den Einstein am 27. September wiederum bei den „Annalen der Physik“ einreicht, formuliert Einstein die berühmte Masse-Energie-Äquivalenz E=mc². Diese am 21. November veröffentlichte Formel wird später zum Grundstein des Atomzeitalters.

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