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19.01.2008

09:00 Uhr

3D-Produktionstechnik

Das Kino macht putzmunter

VonRoland Keller

Herkömmliches 3D-Kino war gestern - der neue Trend heißt 4D Motionride. Noch ist das neue High-Tech-Kino, bei dem bewegliche Sitzbänke mit den Bewegungen auf der Leinwand synchronisiert sind, fast ausschließlich in Themenparks zu finden. Doch die neue Technik könnte bald auch für das normale Kino eine Option sein, um die kinofaul gewordene Kundschaft vom Sofa zu locken.

3D-Kino war gestern - der neue Trend heißt 4D Foto: ap ap

3D-Kino war gestern - der neue Trend heißt 4D Foto: ap

MÜNCHEN. Sechseinhalb Minuten dauert der Höllentrip: Auf dem Snowboard geht es rasend schnell durch eine eisige Winterlandschaft, mit einer 3D-Polarisationsbrille auf der Nase. Bully Herbigs „Lissi und die wilde Kaiserfahrt“ zeigt, wie mitreißend Kino heute sein kann. Die Spezialeffekte haben die Leinwand verlassen – und greifen über auf den Kinosaal.

4D-Motionride nennt sich das Verfahren, das die Zuschauer die Action physisch spüren lässt. Parallel zur Kino-Komödie „Lissi und der wilde Kaiser“ wurde eine digitale 3D-Fassung für das Spezial-Kino der Bavaria Filmstadt in München realisiert. Hier sind die Sitzbänke, gelagert auf sechs Achsen, mit den Bewegungen auf der Leinwand synchronisiert. Wind-, Nebel- und Sprühregeneffekte machen die Illusion perfekt, verstärkt durch nicht weniger als 492 Lautsprecher.

Sie gehören zu einem von Fraunhofer-Forschern ausgeklügelten Tonsystem, das über spezielle Wellenfelder in jeder Position dynamischen Klang bietet. Die Tonquellen sind so geschickt vom Tonmeister im Raum platziert, dass sich viele Besucher meinen, im Kinositz ducken zu müssen, wenn Geräusche aus verschiedenen Richtungen auf sie einprasseln.

Wolfram Weber, Betreiber des Cinecitta-Kinos in Nürnberg, hat die neue Form des Erlebnis-Kinos auf eine passende Formel gebracht: Er spricht von „ Maximal-Adrenalin-Dosis-Kinos“, kurz MAD. Noch sind solche High-Tech-Kinos vor allem in Themenparks zu finden. Dennoch: Die Digital- und 3D-Technik könnte auch für das normale Kino eine Option sein, um die kinofaul gewordene Kundschaft im DVD-Zeitalter vom Sofa zu locken.

Die Vorstände des Hauptverbandes deutscher Filmtheater, Thomas Negele und Andreas Kramer, erwarten jedenfalls neue Geschäftsmodelle für etliche der 4 800 deutschen Kinos. Der Berliner Berater und Digitalkino-Experte Chris Koppelmeier spricht von einer Revolution. Die neue digitale Freiheit eröffne den Kinos Wege zu bislang unbekannten Unterhaltungsformen mit neuen Inhalten.

Umsonst gibt es das Lichtspielhaus der Zukunft freilich nicht: Den Investitionsaufwand für die Umrüstung der Mehrheit der deutschen Leinwände beziffert Renate Zoller, Geschäftsführerin des Münchner Kinotechnik-Unternehmens Kinoton, auf 80 000 bis 100 000 Euro pro Saal. Insgesamt rechnet Zoller so mit Investitionen in Höhe von 250 bis 300 Mill. Euro.

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