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25.01.2007

11:45 Uhr

50 Jahre Satelliten im All

Die fliegenden Augen der Forschung

VonMarcus Anhäuser

Rund 800 Satelliten drehen im Orbit ihre Kreise. Die meisten von ihnen dienen der Telekommunikation, doch die stetig steigende Anzahl von Erdbeobachtungssatelliten eröffnet den Geowissenschaften neue Möglichkeiten.

DÜSSELDORF. Vor 50 Jahren, im Oktober 1957, schickte eine kleine 84 Kilo schwere Aluminiumhohlkugel mit dem Namen „Sputnik 1“ ein gleichmäßig piepsendes Funksignal zur Erde. Damit begann das Satellitenzeitalter, in dem die Menschen den eigenen Planeten von außen inspizieren.

Inzwischen umkreisen rund 800 Begleiter die Erde in Höhen zwischen 80 und rund 36 000 Kilometern. 400 Satelliten fliegen im amerikanischen Auftrag, etwa 90 im russischen, 35 stammen aus China. Die europäische Esa hat nur 13 Beobachter im Orbit. Zwei Drittel der Erdumkreiser dienen der Telekommunikation. Nur fünf Prozent sind Erdbeobachtungssatelliten im Dienste vor allem der Wissenschaft. Weitere fünf Prozent liefern meteorologische Daten zur Wettervorhersage.

In der klassischen Erdbeobachtung hielt sich die Esa bisher zurück: „Wir haben zurzeit nur zwei aktive Erdbeobachtungssatelliten im All, Envisat und ERS-2“, sagt Reiner Kresken vom European Space Operations Centre (ESOC) in Darmstadt. Doch das wird sich ändern: Bis 2012 plant die Esa mit dem Living-Planet-Programm sechs Missionen – wenn alles gut geht. Es begann 2005 mit einem Desaster. „CryoSat“, der die Eispanzer von Grönland und der Antarktis vermessen sollte, versank nach Versagen der russischen Trägerrakete im Nordpolarmeer.

Erdbeobachtungssatelliten wie CryoSat sind die verlängerte Augen, Ohren und Fühler der Forschung. Sie messen nicht nur die Dicke des Eises in den Polarregionen oder registrieren abgelöste Eisberge (und protokollieren so das Schmelzen der Polkappen). Sie beobachten auch jeden Vulkanausbruch oder Ölteppich im unzugänglichsten Winkel der Erde, messen die Luftqualität über den Metropolen, protokollieren die Zerstörung des Regenwaldes oder die Ausbreitung der Wüsten.

Dabei geht es selten um einfaches Fotografieren. Bilder, wie Laien sie von Google-Earth kennen, liefern für die Waldvermessung zu wenig. „Selbst tiefer fliegende Satelliten als Meteosat haben nur eine Auflösung von maximal einigen Metern pro Bildpunkt“, sagt Kreskens Kollege Holger Krag. Mit den Fotos lasse sich eine Vegetationsfläche zwar geometrisch eingrenzen und ausmessen, aber es bleibe unklar, wie dicht die Fläche bewachsen ist.

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