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20.05.2016

11:19 Uhr

Absturz über dem Mittelmeer

Die schwierige Suche nach Flug MS804

Flug MS804 der Egypt Air bleibt verschwunden. Dabei haben Maschinen wie der Airbus A320 Technik an Bord, die die Ortung erleichtern soll. Warum es dennoch so schwer ist, das Flugzeug im Mittelmeer aufzuspüren.

Vermisster Airbus der Egypt-Air

War es ein Anschlag?

Vermisster Airbus der Egypt-Air: Egypt-Air-Absturz: War es ein Anschlag?

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BerlinNoch immer suchen Schiffe und Flugzeuge im Mittelmeer nach möglichen Wrackteilen des vermissten ägyptischen Passagierflugzeugs. Die Egypt-Air-Maschine mit 66 Menschen an Bord war in der Nacht zum Donnerstag auf dem Weg von Paris nach Kairo über dem Mittelmeer plötzlich von den Radarschirmen verschwunden. Entgegen anderslautenden Berichten wurden bislang keine Überreste des Fluges MS804, auch die Ursache des Absturzes ist weiter unklar.

Aufklärung über das Schicksal der Maschine könnte die sogenannte Blackbox liefern. Dieses Langzeitgedächtnis moderner Verkehrsflugzeuge besteht aus Flugdatenschreiber und Stimmenrekorder, zusammengefasst in einem wasserdichten Metallbehälter, der zum besseren Schutz bei Abstürzen meist im Rumpf oder im Heck eines Flugzeugs eingebaut ist.

Verschollene Flugzeuge

Ganz seltener Fall

Ein Flugzeug verschwindet - das passiert in Zeiten von Radar, Funkverkehr und anderen technischen Errungenschaften nur ganz selten. Nach einem Absturz werden Wracks meist innerhalb weniger Stunden geortet. Doch manchmal kann es auch Tage oder Wochen dauern, bis man Hinweise auf den Verbleib der Maschinen und das Schicksal der Insassen findet - etwa wenn die Flugzeuge über abgelegenen Gebieten, unwegsamem Gelände oder dem offenen Meer abgestürzt sind.

Malaysia Airlines Flug 370

Im März 2014 verschwindet Flug 370 der Malaysia Airlines auf dem Flug von Kuala Lumpur nach Peking. Bis heute fehlt von der Maschine mit 239 Menschen an Bord jede Spur.

Air France Flug 447

Nach dem Absturz des Airbus A330 im Jahr 2009 wurden Wrackteile innerhalb weniger Tage gefunden. Doch es dauerte zwei Jahre, bis der Rumpf der Maschine auf dem Grund des Atlantik entdeckt wurde. Die Maschine war auf dem Flug von Rio de Janeiro nach Paris in einen schweren Sturm geraten und abgestürzt. Alle 228 Menschen an Bord kamen um.

Adam Air

Eine Boeing 737 der indonesischen Fluggesellschaft mit 102 Menschen an Bord stürzte am 1. Januar 2007 ab. Teile des Hecks und andere Trümmer wurden einige wenige Tage später entdeckt. Bis zur Bergung der Blackbox und des Stimmrekorders dauerte es neun Monate. Der Rumpf liegt bis heute auf dem Grund des Ozeans.

Merpati Nusantara Airlines

1995 verschwand eine Maschine der indonesischen Airline auf dem Flug zwischen zwei Inseln des Archipels. Von der Havilland Twin Otter 300 mit 14 Insassen fehlt bis heute jede Spur.

Faucett Airlines

Eine Boeing 727 der peruanischen Fluggesellschaft mit Ziel Miami in den USA stürzte im Jahr 1990 über dem Nordatlantik ab, weil ihr der Treibstoff ausging. 18 Angestellte der Airline und ihre Angehörigen waren an Bord. Das Wrack wurde nie gefunden.

Luftwaffe Uruguays

Die Geschichte der Fairchild FH-227 und ihrer Insassen war Stoff für mehrere Bücher und Filme. Die Turboprop-Maschine stürzte 1972 in den Anden ab, mehr als ein Dutzend der Insassen kamen dabei ums Leben. Einige der Überlebenden machten sich auf die Suche nach Hilfe. Die anderen wurden später gerettet. In der Zeit bis zur Bergung hatten sie sich vom Fleisch der Toten ernährt.

Flying Tiger Line

Die Propellermaschine vom Typ Lockheed L-1049H Super Constellation sollte im Jahr 1962 US-Soldaten nach Vietnam bringen. Doch schon die Zwischenstation auf den Philippinen erreichte das Flugzeug mit 107 Insassen nie. Dutzende Flugzeuge und Schiffe suchten den Westpazifik ab - vergeblich.

Auf dem Stimmenrekorder sind Tonaufnahmen der Gespräche von Pilot und Co-Pilot sowie weitere Geräusche im Cockpit gespeichert. Der Datenschreiber zeichnet auf allen Flügen unter anderem Kurs, Geschwindigkeit, Flughöhe oder Neigungswinkel der Maschine auf. Er speichert GPS-Daten und gibt so Auskunft über den genauen Ort eines Unglücks, auch wenn die Trümmer später weit verstreut sind.

Egypt-Air-Flug MS804: Fieberhafte Suche nach dem vermissten Flugzeug

Egypt-Air-Flug MS804

Fieberhafte Suche nach dem vermissten Flugzeug

Terroranschlag oder Unfall? Der Absturz des Egypt-Air-Fluges MS804 bleibt mysteriös. Ägypten hält einen Anschlag für plausibel, doch das ist bisher ist das nur eine These. Aufschluss könnten die Flugschreiber geben.

Ein Ortungsgerät, das sich bei der Berührung mit Wasser einschaltet, soll das Auffinden der Box ermöglichen, wenn ein Flugzeug ins Meer stürzt. Dieser sogenannte Underwater Locator Beacon (ULB) sendet ein regelmäßiges Signal aus, das von einem Ultraschall-Empfänger noch aus einer Tiefe von gut 4000 Metern empfangen werden kann. Doch warum dauert es trotz dieser Technik so lange, das Gerät und damit die Maschine in dem vergleichsweise kleinen Suchgebiet aufzuspüren?

„Das hängt mit der Funktionsweise des Unterwasser-Peilsenders zusammen“, erklärt Martin Fendt vom Flugzeughersteller Airbus. „Man muss schon relativ nahe dran sein, um die Signale zu orten. Das kann mehrere Stunden, aber auch Tage dauern.“

„Relativ nahe“ bedeutet etwa zwei bis drei Kilometer Entfernung zum Sender. Zudem müsse die Blackbox nicht zwangsläufig nahe am Fundort der Maschine liegen, so Fendt.

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