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03.10.2013

09:00 Uhr

Ackerbau statt Jagd

Mit der Sense kam der Sensenmann

VonJan Dönges
Quelle:Spektrum.de

Als die Menschen vom Jagen und Sammeln zum Ackerbau übergingen, wurde das Überleben auf Dauer einfacher. Trotzdem gab es Massensterben wie zur Zeit der Pest, zeigt eine neue Studie. Über die Gründe rätseln die Forscher.

Abgeernteter Acker: Nicht allen Menschen fanden in der Landwirtschaft eine sichere Nahrungsquelle. dpa

Abgeernteter Acker: Nicht allen Menschen fanden in der Landwirtschaft eine sichere Nahrungsquelle.

Als die Menschen das Jäger-und-Sammler-Leben zugunsten von Ackerbau und Viehzucht aufgaben, taten sie dies, um ihre Nahrungsversorgung auf sichere Füße zu stellen – besagt eine verbreitete Theorie. Wie eine neue Studie zeigt, scheint dieser Plan allerdings nicht sonderlich gut aufgegangen zu sein: Die Umstellung der Lebensweise brachte starke Populationsschwankungen mit sich, bei denen die Bevölkerung mitunter auf ein Drittel schrumpfte.

So lautet jedenfalls das Ergebnis einer statistischen Untersuchung, die jetzt ein Forscherteam um Sean Downey vom University College London veröffentlichte. Die Wissenschaftler haben dazu die Bevölkerungsdichte Westeuropas im Zeitraum von 8000 bis 4000 Jahren vor heute abgeschätzt. Eine einfache Überlegung diente ihnen dabei als Ausgangspunkt: Je mehr Menschen in einem gewissen Gebiet zu einer gewissen Zeit lebten, desto wahrscheinlicher werden Überreste von ihnen heute durch Archäologen entdeckt. Im Umkehrschluss müssten sich daraus die Bevölkerungszahlen quer durch die Jahrtausende errechnen lassen.

Downey und Kollegen sammelten 13 600 publizierte Radiokarbondaten aus zwölf europäischen Regionen, davon von insgesamt 7944 aus dem fraglichen Zeitraum, kalibrierten diese und legten sie über ein Vergleichsmodell, in dem die Bevölkerung ohne jegliche Schwankungen anwuchs. Dadurch ließ sich berechnen, ob in einzelnen Phasen und Regionen die erschlossene Bevölkerungsdichte vom anzunehmenden Mittelwert abwich.

Dies war tatsächlich überall der Fall, mit Ausnahme vom Norden und der Mitte Deutschlands. Hier gab es zwar auch Schwankungen, statistisch gesehen könnten sie jedoch auch auf Zufall beruhen. Anderswo zog die Einführung der Landwirtschaft – die überall zu verschiedenen Zeiten stattfand – einen abrupten, starken Bevölkerungszuwachs nach sich, an den sich meist ein ebenso dramatischer Rückgang anschloss. Diese „Boom-and-Bust“-Zyklen wiederholten sich mitunter noch mehrfach.

Kommentare (1)

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Zimmermann

03.10.2013, 17:07 Uhr

Der "Boom and Bust"-Effekt kann darauf beruhen, dass Monokulturen oder Kulturen mit zu geringer Variation der Feldfrüchte betrieben wurde. Oder darauf, dass (bei fehlender Düngung im heutigen Sinne) der Sinn des Brachliegen-lassens noch nicht verstanden war, (fehlende Einsicht in den Nutzen der späteren "Dreifelderwirtschaft"). Oder darauf, dass der Wechsel zu pflanzlicher Kost die durchschnittliche Fertilität beeinträchtigte, -(die Morbus Crohn zugrundeliegende Genvariation ist ein Beispiel für eine Genotypik, die das "Pflanzen-fressen" zu einem harten Schicksal macht, für das "Fleisch-fressen" aber irrelevant ist, - wer krank ist, hat weniger Kinder). "Wissenschaft" würde aus den mitgeteilten Vermutungsbündeln dann, wenn es gelänge, zu ermitteln, ob beim neolithischen Wechsel zum Ackerbau solche Gesellschaften von "boom and bust" nicht betroffen waren, die sich überwiegend von von Fischerei (Stellnetzfischerei, Flussfischerei, ...) ernährten.
Eigentlich sollte es möglich sein, dies durch Knochenanalysen herauszufinden, denn überwiegender Fischkonsum hinterlässt in den Knochen signifikante Spuren, die feststellbar sind, wenn man denn danach sucht.

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