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01.12.2016

10:35 Uhr

Aids durch Küssen?

Noch immer viele Mythen über HIV und Aids

VonMaike Telgheder

Jeder Fünfte unter 30-Jährige glaubt, dass man sich beim Küssen mit den HI-Virus anstecken kann, zeigt ein Emnid-Umfrage. Trotz jahrelanger Aufklärung gibt es immer noch große Wissenslücken beim Thema HIV und Aids.

Obwohl der 29. Welt-Aids-Tag begangen und über das Thema seit Jahrzenten informiert wird, gibt es immer noch viele Mythen über HIV und Aids. dpa

Aids durch Küssen?

Obwohl der 29. Welt-Aids-Tag begangen und über das Thema seit Jahrzenten informiert wird, gibt es immer noch viele Mythen über HIV und Aids.

FrankfurtAm 1. Dezember ist Welt-Aids-Tag. Und um das gleich klarzustellen: Beim Küssen kann man sich nicht mit dem HI-Virus anstecken. Jedenfalls ist weltweit kein derartiger Fall bekannt, heißt es von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

HIV gilt im Vergleich mit anderen Krankheitserregern als schwerer übertragbar. Darum wird der Virus in alltäglichen sozialen Kontakten nicht übertragen, auch nicht beim Husten oder Niesen, nicht bei Umarmungen oder beim Küssen.

Kampf gegen Aids - eine Chronologie

1959

Ende der 1950er Jahre entnehmen Ärzte einem Mann im Kongo eine Blutprobe. Jahrzehnte später wird festgestellt, dass sich darin HIV-Antikörper befinden.

1981

Die US-Gesundheitsbehörden melden, dass immer mehr Homosexuelle unter bis dahin seltenen Infektionen und Hauttumoren leiden. Die Erkrankten sollen Sex mit vielen verschiedenen Menschen gehabt haben.

1982

Krankheitsfälle treten auch bei Drogenabhängigen und Blutern auf. Die Krankheit bekommt den Namen Aids (Acquired Immune Deficiency Syndrome, Erworbenes Immunschwäche-Syndrom). Erste Aids-Diagnose in Deutschland.

1983

Luc Montagnier und seinen Kollegen vom Pasteur-Institut in Paris gelingt es, das Aids-Virus zu isolieren. Montagnier erhält dafür später den Nobelpreis.

1984

Der US-Forscher Robert Gallo entwickelt ein Zellkultursystem und schafft damit die Voraussetzung für die Entwicklung erster Aids-Tests.

1985

Die erste internationale Aids-Konferenz tagt. 27 Millionen deutsche Haushalte bekommen Informationsbroschüren zugeschickt.

1986

Experten bezeichnen den Aids-Erreger einheitlich als HIV (Human Immunodeficiency Virus, Humanes Immunschwächevirus).

1987

Das erste Aids-Medikament AZT wird in den USA und wenig später auch in Deutschland zugelassen. Es kann die Virus-Vermehrung etwas bremsen, Aids aber nicht heilen.

1991

Die rote Schleife (Red Ribbon) wird zum internationalen Aids-Symbol. Queen-Sänger Freddie Mercury stirbt an Aids.

1993

Tom Hanks spielt in dem Film „Philadelphia“ einen homosexuellen und HIV-positiven Rechtsanwalt – und bekommt dafür ein Jahr später den Oscar.

1994

Ein jahrelanger Streit zwischen Frankreich und den USA um die Entdeckung von HIV und die Aufteilung der Gewinne aus dem Verkauf von Aids-Tests wird beendet.

1996

Für Aufsehen sorgt die Entdeckung, dass einige Menschen eine genetisch bedingte, wenn auch nicht vollständige HIV-Resistenz haben.

1999

Schweizer Ärzte haben außergewöhnlichen Erfolg mit der Hochdosis-Kombinationstherapie aus mehreren Aids-Medikamenten (HAART), in der Folge wird diese Strategie zur Standardbehandlung.

2002

Der Globale Fonds gegen Aids, Tuberkulose und Malaria wird zur Finanzierung nationaler Maßnahmen gegen diese Krankheiten gegründet.

2003

Mit dem Fusionshemmer Enfuvirtid (Handelsname Fuzeon) kommt in den USA und der EU eine vierte Klasse von Aids-Medikamenten auf den Markt, nach den sogenannten Nukleosiden, Protease-Hemmern und Transkriptase-Hemmern.

2008

Luc Montagnier wird gemeinsam mit Françoise Barré-Sinoussi für die Entdeckung von HIV der Medizin-Nobelpreis verliehen.

2010

Barack Obama hebt das in den USA seit 1987 geltende Einreiseverbot für HIV-Positive auf.

2014

Bei dem als geheilt geltenden „Mississippi-Baby“ entdecken Ärzte erneut das HI-Virus. Das Mädchen war kurz nach der Geburt mit drei Medikamenten behandelt worden, nach einem halben Jahr entzog es die Mutter einer weiteren Therapie. Monate später war das Kind dennoch virenfrei gewesen.

Aber obwohl heute der 29. Welt-Aids-Tag begangen und über das Thema seit Jahrzenten informiert wird, gibt es immer noch viele Mythen über HIV und Aids. Das zeigt auch die aktuelle Umfrage, die das Marktforschungsunternehmen Emnid im Auftrag der Pharmafirma Gilead im November 2016 bei mehr als 1000 repräsentativ ausgewählten Bundesbürgern durchgeführt hat. Gilead ist der weltweit größte Hersteller von Medikamenten gegen das HI-Virus und Aids.

Laut Emnid-Umfrage glauben 20 Prozent der unter 30-Jährigen auch, dass das Trinken aus einem Glas ein Ansteckungsweg für HIV sei. Bei den über 60-jährigen ist die Quote mit 23 Prozent sogar noch etwas höher. Hier glauben zudem 40 Prozent der Befragten, dass man sich beim Küssen mit HIV anstecken kann.

Die Kampagnen zum Thema Safer Sex in den vergangenen Jahren scheinen allerdings Früchte getragen zu haben. Durch alle Altersgruppen hindurch geben mehr als 90 Prozent der Befragten an, dass HIV durch Geschlechtsverkehr übertragen werden kann. Tatsächlich wird der Virus am häufigsten beim Sex ohne Kondom übertragen. Das geschieht dann, wenn er in ausreichender Menge in den Körper oder auf die Schleimhaut gelangt.

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