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17.03.2017

13:04 Uhr

Aids-Erreger

Forscher enttarnen HIV-Versteck im Körper

VonLars Fischer
Quelle:Spektrum.de

Bisher müssen HIV-Infizierte lebenslang Medikamente nehmen, weil sich der Erreger der Immunschwächekrankheit Aids im Körper versteckt und jederzeit wieder zuschlagen kann. Jetzt ist das Versteck wohl gefunden.

Das Virus kann sich in bestimmten Zellen des Immunsystems verstecken. dpa

HI-Viren

Das Virus kann sich in bestimmten Zellen des Immunsystems verstecken.

HeidelbergDass man HIV bis heute nicht endgültig heilen kann, hat einen einfachen Grund: Das Virus kann sich in bestimmten Zellen verstecken. In diesen ruhenden Immunzellen, so genannten CD4-T-Zellen, überleben die Viren jahrelang im Körper, ohne jemals vom Immunsystem aufgespürt zu werden – oder gar von HIV-Forschern.

Kampf gegen Aids - eine Chronologie

1959

Ende der 1950er Jahre entnehmen Ärzte einem Mann im Kongo eine Blutprobe. Jahrzehnte später wird festgestellt, dass sich darin HIV-Antikörper befinden.

1981

Die US-Gesundheitsbehörden melden, dass immer mehr Homosexuelle unter bis dahin seltenen Infektionen und Hauttumoren leiden. Die Erkrankten sollen Sex mit vielen verschiedenen Menschen gehabt haben.

1982

Krankheitsfälle treten auch bei Drogenabhängigen und Blutern auf. Die Krankheit bekommt den Namen Aids (Acquired Immune Deficiency Syndrome, Erworbenes Immunschwäche-Syndrom). Erste Aids-Diagnose in Deutschland.

1983

Luc Montagnier und seinen Kollegen vom Pasteur-Institut in Paris gelingt es, das Aids-Virus zu isolieren. Montagnier erhält dafür später den Nobelpreis.

1984

Der US-Forscher Robert Gallo entwickelt ein Zellkultursystem und schafft damit die Voraussetzung für die Entwicklung erster Aids-Tests.

1985

Die erste internationale Aids-Konferenz tagt. 27 Millionen deutsche Haushalte bekommen Informationsbroschüren zugeschickt.

1986

Experten bezeichnen den Aids-Erreger einheitlich als HIV (Human Immunodeficiency Virus, Humanes Immunschwächevirus).

1987

Das erste Aids-Medikament AZT wird in den USA und wenig später auch in Deutschland zugelassen. Es kann die Virus-Vermehrung etwas bremsen, Aids aber nicht heilen.

1991

Die rote Schleife (Red Ribbon) wird zum internationalen Aids-Symbol. Queen-Sänger Freddie Mercury stirbt an Aids.

1993

Tom Hanks spielt in dem Film „Philadelphia“ einen homosexuellen und HIV-positiven Rechtsanwalt – und bekommt dafür ein Jahr später den Oscar.

1994

Ein jahrelanger Streit zwischen Frankreich und den USA um die Entdeckung von HIV und die Aufteilung der Gewinne aus dem Verkauf von Aids-Tests wird beendet.

1996

Für Aufsehen sorgt die Entdeckung, dass einige Menschen eine genetisch bedingte, wenn auch nicht vollständige HIV-Resistenz haben.

1999

Schweizer Ärzte haben außergewöhnlichen Erfolg mit der Hochdosis-Kombinationstherapie aus mehreren Aids-Medikamenten (HAART), in der Folge wird diese Strategie zur Standardbehandlung.

2002

Der Globale Fonds gegen Aids, Tuberkulose und Malaria wird zur Finanzierung nationaler Maßnahmen gegen diese Krankheiten gegründet.

2003

Mit dem Fusionshemmer Enfuvirtid (Handelsname Fuzeon) kommt in den USA und der EU eine vierte Klasse von Aids-Medikamenten auf den Markt, nach den sogenannten Nukleosiden, Protease-Hemmern und Transkriptase-Hemmern.

2008

Luc Montagnier wird gemeinsam mit Françoise Barré-Sinoussi für die Entdeckung von HIV der Medizin-Nobelpreis verliehen.

2010

Barack Obama hebt das in den USA seit 1987 geltende Einreiseverbot für HIV-Positive auf.

2014

Bei dem als geheilt geltenden „Mississippi-Baby“ entdecken Ärzte erneut das HI-Virus. Das Mädchen war kurz nach der Geburt mit drei Medikamenten behandelt worden, nach einem halben Jahr entzog es die Mutter einer weiteren Therapie. Monate später war das Kind dennoch virenfrei gewesen.

Das könnte sich nun ändern: Eine Arbeitsgruppe um Benjamin Descours von der Université de Montpellier hat ein Molekül identifiziert, an dem man das Versteck von HIV sicher erkennen kann. Die ruhenden T-Zellen, die insgeheim mit HIV infiziert sind, tragen demnach ein Molekül namens CD32a an der Oberfläche – alle anderen nicht.

Descours und sein Team untersuchten die Genexpression in ruhenden, mit HIV infizierten T-Zellen, die sie mit Hilfe eines markierten HIV-Erregers identifizierten. Dabei spürte die Gruppe 16 Proteine auf, die in der Membran stecken und so auch von außen sichtbar sind. CD32a war in dieser Sammlung nicht nur das am stärksten produzierte, sondern taucht nach Angaben des Forschers in anderen Zellen nicht auf.

Mit Hilfe von Antikörpern gegen dieses Protein fischten die Forscher dann gezielt HIV-tragende T-Zellen aus dem Blut von Menschen, deren Infektion durch Medikamente fast komplett unterdrückt ist. Das war bisher nicht möglich.

Sollte sich die Entdeckung bestätigen, könnte man das Oberflächenprotein als Zielmarkierung benutzen – und mit geeigneten Wirkstoffen das Virus in seinem letzten Rückzugsort vernichten. Es sei denn, HIV hat noch ein anderes Versteck in der Hinterhand.

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