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19.01.2006

07:00 Uhr

Airbus in Sorge

Wirbel um den Riesenflieger A380

VonMatthias Eberle

Wegen starker Turbulenzen empfiehlt die internationale Luftfahrtbehörde höhere Mindestabstände hinter dem größten Passagierjet der Welt.

Ein Airbus A380 bei der Landung auf dem Flughafen Frankfurt. Foto: dpa

Ein Airbus A380 bei der Landung auf dem Flughafen Frankfurt. Foto: dpa

HB FRANKFURT. Die Ausmaße des doppelstöckigen A380 sind groß, gigantisch groß. Das Flugzeug, in dessen Bauch mehr als 800 Passagiere passen, ist ein technologisches Meisterwerk – zweifelsohne. Ob es auch wirtschaftlich ein Bestseller wird und damit zum „Flaggschiff des 21. Jahrhunderts“, wie Airbus seine zwölf Milliarden Euro teure Neuentwicklung preist, ist aber noch nicht entschieden. Bei aller Euphorie um den größten Passagierjet der Welt hat Airbus noch nicht bewiesen, dass der A380 Ende 2006 reibungslos in den Liniendienst überführt werden kann.

Nach Problemen mit dem Gewicht und der Innenausstattung, die zu einer sechsmonatigen Verzögerung der Erstauslieferung an Singapore Airlines geführt haben, gilt eine Hauptsorge inzwischen dem Thema Luftverwirbelungen. Airbus wurde aufgeschreckt durch eine Mitteilung der UN-Zivilluftfahrtorganisation ICAO, die seit November 2005 deutlich höhere Sicherheitsabstände hinter einem fliegenden A380 empfiehlt. Der Riesen-Airbus erzeuge Wirbelschleppen mit erhöhter Intensität, hieß es zur Begründung. Diese Verwirbelungen, die sich hinter Jets bilden, werden ausgelöst durch den Druckunterschied zwischen der Ober- und Unterseite der Flügel. Besonders große und schwere Jets wie der A380 drohen dabei den nachfolgenden Flugverkehr zu gefährden, wenn nicht entsprechende Mindestabstände eingehalten werden.

Zwar hat die Empfehlung der ICAO nur vorläufigen Charakter; eine endgültige Regelung soll nach Auswertung weiterer Flugtests im Frühjahr 2006 beschlossen werden. Dennoch sorgt das ICAO-Schreiben für anhaltende Unruhe bei Airbus, wie Unternehmenskenner berichten. Der Flugzeugbauer muss um den Wegfall eines wichtigen Verkaufsarguments fürchten, wenn hohe Sicherheitsabstände hinter einem A380 den Verkehrsfluss auf Großflughäfen stören. Die ursprüngliche Airbus-These, der Einsatz des neuen Doppeldeckers führe auf überlasteten Drehkreuzen wie Tokio, London-Heathrow oder Frankfurt zu frei werdenden Kapazitäten und damit zu einer Entspannung der Lage, ließe sich bei Anwendung der ICAO-Richtlinie nicht mehr halten.

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