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03.01.2007

12:40 Uhr

Akustik-Labor

Lärmtests helfen Firmen bei der Büroplanung

VonIngo Reich

Europas größter Büromöbelhersteller, die niederländische Samas-Gruppe, hat in Worms ein Akustik-Labor in Betrieb genommen, um spezielle Lösungen zur Dämmung des Raumlärms zu erproben. Verschiedene Büro- und Konferenzsituationen können lebensecht nachgestellt werden. Das Labor trägt der Erkenntnis Rechnung, dass Lärm im Büro nicht nur die Konzentration beeinträchtigt, sondern zunehmend auch die Gesundheit der Mitarbeiter.

Erschöpft im Büro: Auf Dauer kann sogar das Immunsystem durch Lärm geschwächt werden. Foto: dpa Quelle: dpa

Erschöpft im Büro: Auf Dauer kann sogar das Immunsystem durch Lärm geschwächt werden. Foto: dpa

DÜSSELDORF. Die modular aufgebaute Simulationsanlage kann Szenen vom Einzelbüro bis zum Gruppenraum mit 14 Arbeitsplätzen realistisch darstellen. Im rund 250 000 Euro teuren Labor lassen sich die Gegebenheiten insbesondere durch veränderte Raumoberflächen variieren. Vieles wird auch erst auf den zweiten Blick sichtbar: So sind manche Unterseiten von Schreibtischen mit schallabsorbierendem Material wie Nadelfilz bespannt. Eine kleine Sichtblende kann allein schon für den dahinter arbeitenden Kollegen eine belastungsfreie Schalloase schaffen.

Dass Lärm krank macht, bestätigen auch die Untersuchungen des Robert-Koch-Instituts. Auf Dauer litten nicht nur das Herz-Kreislauf-System, sondern auch das Immunsystem könne durch Lärm geschwächt werden. Dabei beklagen die Deutschen nicht nur steigende Belastungen durch den Verkehrslärm, sondern auch am Arbeitsplatz nehme die Lautstärke stetig zu.So sind die Arbeitsplätze beispielsweise in Call-Centern hinsichtlich des Möbel-Designs oft auf dem letzten Stand, nicht aber in Sachen Raumakustik.

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Baua) hat die aktuellen arbeitswissenschaftlichen Erkenntnisse zum Thema „Lärm am Bildschirmarbeitsplatz“ zusammengefasst, um mögliche Gefahren zu beurteilen. Danach wird ein Gesamtschallpegel von über 55 dB(A) – der schon erreicht sein kann, wenn zwei Drittel aller im Büro anwesenden Personen normal sprechen – schon als zu hoch bewertet. Die Folge: Motivation und Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter lassen nach.

Schon bei der Planung von Bildschirmarbeitsplätzen sollte deshalb eine schalltechnisch optimale Anordnung der Büromöbel und Geräte berücksichtigt werden. Im Samas-Labor schafft eine elektrisch höhenverstellbare Decke unterschiedliche Raumvolumina mit bis zu 3,10 Meter Deckenhöhe. Durch einzeln drehbare Deckenelemente lassen sich die Flächen nach Wunsch von „schallhart“ bis „hochabsorbierend“ verändern. Auch der Bodenbelag kann von gering- auf hochschallabsorbierend variiert werden. Über eingeschobene Wandelemente lassen sich Raumgrößen und damit auch Lärmszenarien im Versuch verändern. Die Installation in Worms ermöglicht so den direkten Vergleich verschiedener akustischer Raumqualitäten.

Samas Projektleiter Fredi Brenzel berichtet bereits über eine hohe Nachfrage nach Terminen im Lärmlabor. Gerade Betreiber von Call-Centern, Vertriebs- und Konstruktionsbüros zeigten großes Interesse an der Simulationsmöglichkeit. Samas-Chef Hans van der Ven freut es: „Wir hoffen, so mit potenziellen Kunden schon in der frühen Bauphase in Kontakt zu kommen.“

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