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21.06.2012

08:23 Uhr

Alan Turing

Ein Mann, der seiner Zeit voraus war

Genialer Computerwissenschaftler, offen schwul und eine Schlüsselfigur im Kampf gegen die Nazis - all das war der Mathematiker Alan Turing. Vor 100 Jahren wurde der Mann geboren, der seiner Zeit weit voraus war.

Das Alan-Turing-Denkmal in Manchester. dpa/picture alliance

Das Alan-Turing-Denkmal in Manchester.

BerlinAls Alan Turing am 8. Juni 1954 tot in seinem Haus gefunden wird, liegt ein angebissener Apfel neben seinem Bett. Selbstmord durch Zyanidvergiftung, befindet der Gerichtsmediziner später, angeblich werden Spuren des Giftes an dem Apfel entdeckt. Mit einer verzweifelten Tat endete das Leben des wichtigsten Theoretikers der Computerwissenschaft, der im Zweiten Weltkrieg die Nazi-Chiffriermaschine "Enigma" entschlüsselte. Dass er aus seiner Homosexualität kein Hehl machte, wurde Turing im puritanischen England zum Verhängnis. Am Samstag wäre er hundert Jahre alt geworden.

Der am 23. Juni 1912 in London geborene Turing schmökert schon als Teenager in Einsteins Relativitätstheorie und Büchern zur Quantenmechanik. Er ist ein Einzelgänger: Eine 1923 von der Mutter gezeichnete Skizze zeigt einen kleinen Jungen mit Hockeyschläger in der Hand, der lieber den Blumen beim Wachsen zuschaut, als mit Freunden zu spielen.

Im Alter von nur 24 Jahren entwirft der eigenwillige Forscher nach dem Studium in Cambridge und Princeton in einem Aufsatz das Konzept der Turing-Maschine und damit die Grundlage für die Entwicklung von Computern. Er beschreibt das abstrakte Modell eines Rechners, der mit nur drei Operationen - Lesen, Schreiben und dem Bewegen des Lesekopfes - sämtliche berechenbare Probleme lösen kann. "Das Modell ist heute immer noch die Grundlage jedes Informatik-Lehrbuchs", sagt der Mathematiker Günter M. Ziegler von der Freien Universität Berlin.

Im Zweiten Weltkrieg wird der britische Geheimdienst auf Turing aufmerksam: Im abgeschiedenen Bletchley Park bei London wird der Mathematiker zum führenden Kopf der Codeknacker, denen es gelingt, "Enigma" zu überlisten. Die mechanische Chiffriermaschine der Deutschen mit ihren - je nach Modell - mehr als 200 Trilliarden Verschlüsselungsmöglichkeiten gilt bis dahin als unüberwindbar.

Kommentare (3)

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matze

21.06.2012, 09:05 Uhr

is ja mal ein super klasse motto. die arbeiten und konzepte von dem mann sind "absolut geil" bis in die biophysik rein. ein "geistiger riese".

barheine

21.06.2012, 09:19 Uhr

Werden Informatikstudenten heute im Grundstudium immer noch in ihren Klausuren mit dem Zeichnen von Turing-Maschinen gequält? Ich bin da ein wenig traumatisiert. Aber das abstrakte Denkvermögen wurde in der Tat geschärft.

Account gelöscht!

23.06.2012, 16:52 Uhr

Der viktorianische Mief reichte leider bis in die 60er rein und ist in manchen angelsaechsischen Laendern immer noch nicht verschwunden.
Besonders 5000 km westlich von England ,ist er immer noch zu verspueren.

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