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09.01.2010

09:03 Uhr

Alec Jeffreys wird 60

Der Mann, der Mengele identifizierte

Es war ein Zufallsfund, der Alec Jeffreys berühmt machte. Dank der von ihm entwickelten Methode zur Bestimmung des genetischen Fingerabdrucks kann die Kriminaltechnik heute Täter selbst anhand winzigster DNA-Spuren überführen. Am heutigen Samstag wird der Wissenschaftler 60 Jahre alt.

Seine Entdeckung brachte unzählige Schwerbrecher hinter Gitter: Alec Jeffreys. dpa

Seine Entdeckung brachte unzählige Schwerbrecher hinter Gitter: Alec Jeffreys.

HB LONDON. Eigentlich war Alec Jeffreys im September 1984 mit einem DNA-Experiment zur Erforschung von Krankheiten beschäftigt. Was er bei seiner Arbeit an der Universität im englischen Leicester tatsächlich entdeckte, brachte bis heute diverse Schwerverbrecher zur Strecke und löste zahlreiche ungeklärte Vaterschafts-Streitereien. Am heutigen Samstag (9. Januar) feiert der Entdecker des genetischen Fingerabdruck seinen 60. Geburtstag.

Eher durch Zufall gelang es Jeffreys, in einem bestimmten DNA-Abschnitt ein für jeden Menschen einzigartiges Muster nachzuweisen. Daraus konnte er ein Bild erzeugen, das ein wenig aussah, wie der Strichcode auf Supermarktpackungen. Knapp ein Jahr nach der Entdeckung kam die Methode erstmals zum Einsatz.

Britische Behörden zweifelten seinerzeit daran, dass ein kleiner Junge wirklich der Sohn einer aus Ghana eingewanderten Frau war. Blutgruppentests konnten den Verdacht des Menschenschmuggels nicht ausräumen, doch Jeffreys Methode stellte klar, dass der Junge tatsächlich der Sohn war.

1986 wurde das erste spektakuläre Verbrechen gelöst: Der genetische Fingerabdruck kam bei Ermittlungen zu doppelten Sexualmord zum Einsatz. Dank Jeffreys Entdeckung konnte der Mörder zweier Schulmädchen überführt werden.

Seither konnte Jeffreys zahlreiche Fälle lösen, darunter so prominente wie die Identifizierung der Leiche von KZ-Arzt Josef Mengele. Heute arbeitet Jeffreys, der inzwischen von Königin Elizabeth II. für seine Verdienste um die Wissenschaft zum Ritter geschlagen wurde, noch immer für die Universität Leicester.

Trotz seiner Entdeckung mahnt er zu einem umsichtigen Umgang mit DNA-Informationen, etwa in Datenbanken: Wer eines Verbrechens überführt wurde, schulde es zwar der Gesellschaft, dass seine DNA gespeichert werde, sagte er einmal in einem Interview. Dagegen sei die Speicherung von DNA-Material unschuldiger Menschen nicht gerechtfertigt.

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