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28.10.2014

07:31 Uhr

Angst vor Ebola

USA verschärfen Quarantäne-Maßnahmen

Die USA haben neue Richtlinien für die Ebola-Quarantäne herausgegeben. Risiko-Personen sollen auch dann isoliert werden, wenn sie keine Symptome zeigen. Krankenschwester beschreibt ihre Quarantäne als „unmenschlich“.

Die US-Staaten New Jersey, New York und Illinois verfügten eine verbindliche 21-tägige Quarantäne für alle, die von Hilfseinsätzen in die USA zurückkommen – auch wenn sie keine Symptome haben. dpa

Die US-Staaten New Jersey, New York und Illinois verfügten eine verbindliche 21-tägige Quarantäne für alle, die von Hilfseinsätzen in die USA zurückkommen – auch wenn sie keine Symptome haben.

NewarkNach heftiger Kritik an der Zwangsquarantäne einer aus Westafrika zurückgekehrten US-Krankenschwester hat die Seuchenkontrollbehörde der USA neue Richtlinien herausgegeben. Auch wenn als Risikofall eingestufte Personen keine Ebola-Symptome zeigten und somit nicht ansteckend seien, sollte sie sich von öffentlichen Verkehrsmitteln oder Gruppen von Menschen fernhalten, teilte die Behörde CDC am Montag (Ortszeit) mit.

Die Vorgabe gelte vor allem dann, wenn die Betroffenen direkt mit den Körperflüssigkeiten eines Ebola-Patienten in Berührung gekommen seien. Die tagelang in New Jersey isolierte Pflegerin Kaci Hickox wurde inzwischen entlassen und sollte kurze Zeit später in ihrem Wohnort im Bundesstaat Maine ankommen.

So kontrollieren Flughäfen außerhalb Afrikas die Passagiere auf Ebola

Deutschland

In Deutschland gibt es weder ein Einreiseverbot aus den betroffenen westafrikanischen Ländern noch Pläne, so etwas einzuführen. Auch Kontrollen von Passagieren finden nicht statt. In Sierra Leone, Liberia und Guinea starten keine Direktflüge nach Deutschland. Das Risiko einer Einschleppung des Ebola-Erregers etwa über den Frankfurter Flughafen ist nach Angaben des Leiters des Frankfurter Gesundheitsamts, René Gottschalk, „extrem gering“.

USA

Zum Schutz vor einer Ebola-Ausbreitung verschärfen die USA Kontrollen an den fünf Flughäfen John F. Kennedy in New York, Newark, Washington Dulles, Chicago und Atlanta. Dort müssen sich Reisende aus den Ebola-Regionen einer Kontrolle in einer Isolierzone unterziehen. Dabei wird ihre Körpertemperatur gemessen und auf Ebola-Symptome geachtet. Zudem sollen Passagiere aus den stark betroffenen Ländern ab dem 27. Oktober nach ihrer Ankunft drei Wochen lang am Zielort täglich untersucht werden, kündigte die US-Seuchenbehörde CDC an. Bis Dienstag wurden insgesamt 762 Menschen an den fünf Flughäfen auf Ebola kontrolliert. Vier von ihnen wurden in Kliniken eingeliefert, nach Angaben der „Washington Post“ aber nach Tests entlassen.

Belgien

Reisende, die aus Ebola-Gebieten auf dem Flughafen in Brüssel ankommen, müssen ihre Körpertemperatur messen lassen. Bei mehr als 38 Grad Fieber muss ein Fragebogen ausgefüllt und mit einem Arzt gesprochen werden. Die Maßnahmen betreffen einer Sprecherin zufolge vier ankommende Flüge pro Woche. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Belga sollen etwa 1000 Passagiere pro Woche überprüft werden. Verdachtsfälle gab es demnach bislang nicht.

Frankreich

In Frankreich werden seit vergangener Woche alle Passagiere aus den Seuchen-Gebieten kontrolliert. Dabei untersucht ein Ärzteteam die Reisenden direkt nach der Landung noch vor Eintritt in das Flughafengebäude. Mit Infrarot-Geräten wird die Temperatur bei den Passagieren gemessen. Betroffen sind rund 20 Flüge wöchentlich zwischen Conakry in Guinea und dem Pariser Flughafen Charles-de-Gaulle. Meldungen zu Verdachtsfällen: Fehlanzeige.

Grossbritannien

In Großbritannien führten Europas größter Flughafen Heathrow und der Gatwick Airport Ebola-Kontrollen ein. Die Flughäfen in Manchester und Birmingham sollen folgen, sagte ein Sprecher der britischen Gesundheitsbehörde. Zudem sollen die Screenings auf Reisende, die mit dem Eurostar aus Frankreich ankommen, ausgeweitet werden. Überprüft werden Passagiere, die mit indirekten Flugverbindungen aus den betroffenen Ländern ankommen. Sie müssen Fragen zu ihrer Reise beantworten und ihre Temperatur messen lassen. Angaben zu der Anzahl der durchgecheckten Passagiere und Verdachtsfällen gab ein Sprecher nicht: „Weil die Symptome so nebulös sind, ist es sehr schwierig, das zu kommentieren.“

Tschechien

An allen tschechischen Flughäfen müssen Ankömmlinge eine Ankunftskarte zu Reiseinformationen ausfüllen. Passagiere, die sich in den letzten 42 Tagen in Liberia, Guinea oder Sierra Leone aufgehalten haben, werden ärztlich untersucht. Bei ihnen wird die Körpertemperatur gemessen und ein Gespräch geführt. Seit Beginn am Dienstag gab es noch keine Verdachtsfälle.

Bulgarien

Das EU-Land hat auf dem internationalen Flughafen Sofia einen Wärmescanner installiert, um alle ankommenden Menschen zu kontrollieren. Anreisende mit Körpertemperatur über 38 Grad werden für weitere Untersuchungen isoliert. Angaben über deren Zahl liegen nicht vor. Es gab soweit keinen Ebola-Fall.

Indien

In Indien wird die Körpertemperatur von allen Reisenden, die aus den betroffenen westafrikanischen Ländern kommen, gemessen. Bei diesen Kontrollen an 18 internationalen Flughäfen und Häfen werden die Gäste außerdem nach ihren jüngsten Reisen befragt, wie das Gesundheitsministerium mitteilte. Bislang seien mehr als 20 000 Menschen derart gescannt worden. Mehr als 1000 Verdachtsfälle wurden herausgefiltert. Bislang wurde kein Ebola festgestellt.

Mexiko und Mittelamerika

Auch am Flughafen von Mexiko-Stadt gibt es acht Wärmebildkameras, um Passagiere mit erhöhter Temperatur zu identifizieren. An den internationalen Flughäfen von Honduras, Nicaragua und Panama wurden ebenfalls solche Kameras aufgebaut. Menschen, bei denen der Verdacht auf eine Infektion besteht, werden untersucht. Direktflüge von Westafrika in die Region gibt es nicht.

Karibik

In der Karibik gab bislang nur die Dominikanische Republik spezifische Kontrollen an Flughäfen bekannt. Dies erfolgt meist durch Befragungen. Laut Medienberichten haben einige wenige Flughäfen Geräte zur Fiebermessung aufgestellt, aber noch nicht in Betrieb. Haiti und mindestens sechs weitere Karibikstaaten hingegen wollen sich durch schärfere Maßnahmen wie Einreiseverbote vor Ebola schützen - so soll Menschen, die sich in den letzten vier Wochen in den Ebola-Gebieten aufhielten, die Einreise verwehrt werden.

Südamerika

Die Länder Brasilien, Argentinien, Uruguay, Paraguay, Bolivien, Chile, Ecuador und Kolumbien verschärften an den Flughäfen zwar ihre Sicherheitsmaßnahmen, machen aber wegen des geringen Flugverkehrs mit den betroffenen Ländern keine größeren Ebola-Kontrollen. In Bolivien etwa gibt es Ärzteteams in drei Flughäfen. In Chile werden die wenigen Reisenden aus Westafrika 21 Tage lang täglich telefonisch nach ihrem Gesundheitszustand befragt.

Die Krankenschwester war die erste Person, die unter die verschärften Sicherheitsmaßnahmen in mehreren US-Staaten fiel, die nach der Rückkehr eines mit Ebola infizierten US-Arztes aus Westafrika eingeführt wurden. New Jersey, New York und Illinois verfügten eine verbindliche 21-tägige Quarantäne für alle, die von Hilfseinsätzen in die USA zurückkommen – auch wenn sie keine Symptome haben, so wie Hickox, die den Umgang mit ihr als „unmenschlich“ anprangerte.

Nach einem Aufschrei der Kritik von Experten und Bürgerrechtlern stellten die Gouverneure von New York und New Jersey, Andrew Cuomo und Chris Christie, später klar, dass auch eine Isolierung in den eigenen vier Wänden möglich sei.

Aus Christies Büro hieß es, die Gesundheitsbehörden in Maine seien über die Ankunft von Hickox informiert worden. Sie könnten von dort über ihre Behandlung und Beobachtung entscheiden. Der von Hickox angeheuerte Staranwalt Norman Siegel zeigte sich zwar zufrieden mit der Entlassung seiner Mandantin, schloss jedoch rechtliche Schritte nicht aus.

Der Seuchenschutz CDC will nun für einheitliche Standards bei den Ebola-Schutzvorschriften sorgen. Die einfache Behandlung von Infizierten oder Reisen durch Westafrika sollte künftig keine Quarantäne nach sich ziehen, nur der direkte Kontakt mit deren Körperflüssigkeiten, stellte die Behörde klar.

Kommentare (1)

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Herr wulff baer

28.10.2014, 10:42 Uhr

Die Haltung der Deutschen, keine Kontrollen vorzunehmen, halte ich für grob fahrlässig.

Es kann doch jeder aus den Ebola-Gebieten mit Umstieg von anderen Flughäfen, in Frankfurt oder München oder sonstwo in Deutschland landen und hier die Seuche einschleppen.

Dass man hier in Deutschland die meisten Isolier-Stationen der Welt vorhält, hat hoffentlich wohl mehr mit dem Profitstreben der verlustreichen Kliniken zu tun, die pro Tag und Patient ca. 10 000 € kassieren.

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