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11.04.2006

10:02 Uhr

Antibiotika

Kein Schutz gegen Keime

VonD. von Richthofen

Die Entwicklung neuer Antibiotika wird für Mikrobiologen zur immer größeren Herausforderung. In Deutschland sterben jedes Jahr 1500 Patienten an multiresistenten Bakterien, mit steigender Tendenz.

DÜSSELDORF. In Deutschland sterben jedes Jahr 1500 Patienten an multiresistenten Bakterien, mit steigender Tendenz. Ein Grund: Die Entwicklung wirksamer Antibiotika ist ins Stocken geraten. Um im Wettlauf mit den Bakterien nicht weiter ins Hintertreffen zu geraten, suchen Wissenschaftler neue Angriffspunkte im Bakterienstoffwechsel. Doch diese „Drug-Targets“ machen sich rar: „Unsere Analysen weisen auf einen Mangel an neuen Targets für Antibiotika hin“, schreibt Forscher Dirk Bumann von der Medizinischen Hochschule Hannover im Fachmagazin Nature.

Die Entschlüsselung der Erbsubstanz vieler Bakterien Mitte der neunziger Jahre ließ die Pharmahersteller hoffen, jede Menge neuer Angriffspunkte für den Kampf gegen Infektionen zu finden. Doch viele Proteine, die für das Bakterium scheinbar wichtig waren, stellen sich bei Analysen am lebenden Objekt als entbehrlich und somit ungeeignet heraus. Das zeigten auch Bumanns Experimente mit Salmonellen. Als das Team Mäuse mit Salmonellen infizierte, denen einzelne Proteine fehlten, konnte das den Keimen kaum etwas anhaben: Sie wichen einfach auf andere Stoffwechselwege aus. Antibiotika-Entwickler sollten sich deshalb auf bereits bekannte Targets konzentrieren, folgern die Forscher.

Genau das hat der US-amerikanische Pharmakonzern Wyeth gemacht. Dessen neues, in den USA zugelassenes Antibiotikum Tigecyclin ist von Tetracyclin abgleitet, das ebenfalls auf die Proteinfabrik der Zelle zielt. Wegen der veränderten chemischen Struktur wirkt Tigecyclin aber auch gegen Tetracyclin-resistente Bakterien. „Anfang Mai erwarten wir die europäische Zulassung“, heißt es bei Wyeth.

Bis 2009 kommen weitere Wirkstoffe großer Pharmafirmen auf den Markt, heißt es beim Verband Forschender Arzneimittelhersteller (VFA). Janssen-Cilag entwickelt zwei Substanzen zur Behandlung von Infektionen mit resistenten Keimen, Ceftobiprole und Doripenem. Beide entstammen bereits bekannten Wirkstoffklassen. Roche arbeitet an einem neuartigen Carbapenem. „Der Strom neuer Antibiotika reißt nicht ab“, versichert Rolf Hömke, Sprecher des VFA.

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