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11.10.2015

09:09 Uhr

Antibiotika-Resistenz

Der schwierige Kampf gegen Superkeime

Antibiotika gehören zu den schärfsten Waffen der Medizin. Doch ihre Wirksamkeit lässt nach, immer mehr Bakterien werden resistent. Dabei wären die Waffen für den Kampf gegen solche Superkeime längst verfügbar.

Gegen die Superkeime helfen viele Antibiotika nur noch schlecht oder gar nicht mehr. dpa

Multiresistente Keime

Gegen die Superkeime helfen viele Antibiotika nur noch schlecht oder gar nicht mehr.

Berlin/ErlangenBis zu 6000 Menschen sterben nach vorsichtigen Schätzungen jedes Jahr in Deutschland an Infektionen durch multiresistente Bakterien. Gegen diese Superkeime helfen viele Antibiotika nur noch schlecht oder gar nicht mehr, die Erreger sind resistent geworden.

Seit Jahren warnen Wissenschaftler vor dieser Gefahr. Die Politik habe das Problem inzwischen erkannt, sagt Gerd Glaeske, der seit Jahren an der Uni Bremen zur Arzneimittelversorgung forscht. Viel gebessert habe sich aber nicht.

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) stellte im Frühjahr einen Zehn-Punkte-Plan vor, durch den unter anderem die Meldepflicht für Kliniken bei besonders gefährlichen Keimen verschärft wird. Auch beim G7-Gipfel auf Schloss Elmau im Sommer war der Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen Thema, genau wie jetzt beim Treffen der Gesundheitsminister der sieben führenden Industriestaaten (G7) am 8. und 9. Oktober in Berlin.

Weltweit nehmen Resistenzen zu. Hauptgrund ist, dass Antibiotika zu häufig und unsachgemäß eingesetzt werden – in der Humanmedizin, in der Landwirtschaft und der Tierzucht. Insbesondere Allgemeinärzte gingen zu großzügig bei der Verordnung um, sagt Glaeske. „In einem Drittel der Fälle besteht kein wichtiger und nachvollziehbarer Grund, warum diese Antibiotika verordnet werden.“

Die Nürnberger Ärztin Marie-Luise Adam berichtet, Patienten seien daran gewöhnt, bei jeder Erkältung ein Antibiotikum verschrieben zu bekommen. Dabei werden diese Infekte meist durch Viren verursacht. Ein Antibiotikum hilft hier gar nicht, doch das wissen noch immer viele Menschen nicht. „Ich habe vielfach erlebt, dass Patienten zu einem anderen Arzt gehen, wenn man versucht, ihnen zu erklären, dass das unnötig ist oder sogar schädlich“, sagt Adam.

Mehr Informationen für Patienten

Oft werden zudem Mittel gegeben, die nur bei ganz bestimmten und schweren Infektionen eingesetzt werden sollten. Das Problem dabei: Je häufiger ein bestimmtes (Reserve-)Antibiotikum eingesetzt wird, desto größer ist das Risiko, dass sich Resistenzen bilden.

Glaeske fordert daher verbindliche Leitlinien zur Antibiotika-Gabe in der ambulanten Versorgung. Zudem müsse das Thema in der Ausbildung der Mediziner eine viel größere Rolle spielen. Für die Patienten seien Informationen in verständlicher Sprache nötig – etwa ein kurzes Blatt, das der Arzt ihnen in die Hand drücken kann.

Ein weiterer Knackpunkt ist der Einsatz von Antibiotika als Wachstumsförderer in der Tiermast. „Das ist ein sehr dunkles Kapitel, dem man sich aus politischer Sicht viel mehr zuwenden müsste“, sagt Glaeske. Er fordert Sanktionen. Nur dann werde sich etwas ändern.

Bislang weigere sich das Bundeslandwirtschaftsministerium aber sogar, die Daten zur Nutzung von Antibiotika zu veröffentlichen: „Das halte ich für eine völlige Verkennung der Sachlage. Man muss diese Daten nutzen, um Gegenmaßnahmen zu ergreifen.“

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