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08.01.2016

09:41 Uhr

Antike Hygiene

So dreckig trieben es die alten Römer

Trotz Bäderkultur und Wasserspülung – die Kultur der alten Römer war viel unhygienischer als angenommen. Doch nicht nur die antiken Latrinen sorgten dafür, dass sich Krankheitserreger im ganzen Reich verbreiteten.

Ausgegrabene und rekonstruierte antike Bedürfnisanstalt (latrina publica) in Ostia Antica (Italien), der einstigen römischen Hafenstadt. dpa

Römische Gemeinschaftstoilette

Ausgegrabene und rekonstruierte antike Bedürfnisanstalt (latrina publica) in Ostia Antica (Italien), der einstigen römischen Hafenstadt.

CambridgeGestählte Körper, Schönheitskult, penible Hygienevorschriften: Unser Bild vom antiken Rom ist bestimmt von der Vorstellung eines Strebens nach Disziplin, Ordnung und Ästhetik – und dennoch stanken die Toiletten dort sprichwörtlich bis zum Himmel.

Und nicht nur das: Ein britischer Forscher hat jetzt nachgewiesen, dass die Latrinen wohl Keimschleudern in bislang unbekanntem Ausmaß waren. Die Latrinen waren demnach maßgeblich verantwortlich für die Verbreitung von Krankheitserregern im ganzen Römischen Reich.

Viele Menschen im gesamten Reich litten zum Beispiel an Darmkrankheiten, die von den Erregern in den Latrinen übertragen und ausgelöst wurden, analysiert der Anthropologe Piers Mitchell von der Universität Cambridge im Fachjournal „Parasitology“. Entgegen einer allgemeinen Annahme brachten die Toiletten laut seiner Studie keine wesentlichen Verbesserungen im Gesundheitssystem.

Mitchell untersuchte in antiken Gemeinschaftsklos sogenannte Koprolithe – das sind Kotsteine aus fossilen Exkrementen. Die Reste verglich er dann mit den Analysen aus Gräbern und Ausgrabungsresten.

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Dabei zeigte sich: In den Kothäufchen wimmelte es nur so von Überresten krankmachender Läuse, Flöhe oder Zecken. Solche Überreste finden sich im ganzen ehemaligen Römischen Reich – von britischen Siedlungen bis nach Vorderasien.

Die Hygienemaßnahmen hatten laut Mitchell kaum positive Effekte auf die Gesundheit. Flöhe und Läuse hätten sich bei den Römern ebenso stark verbreitet wie zu Zeiten der Wikinger oder im Mittelalter. Dabei herrschte zu diesen Zeiten ein fast hygienischer Ausnahmezustand: Im Mittelalter schüttete man die Fäkalien und schmutziges Wasser auf die Straße, bis diese festgetreten waren. Doch warum ließen sich mit den antiken Latrinen, die mitunter sogar über eine Art Wasserspülung verfügten, keine besseren hygienischen Standards erreichen?

Das Maggi der Antike förderte die Keimverbreitung

Eine von Mitchells Thesen besagt, dass das Wasser in öffentlichen Latrinen teilweise selten ausgetauscht wurde und sich so eine Schlammschicht auf der Oberfläche gebildet haben könnte. Bisher ging man davon aus, dass Kanalsysteme über Aquädukte und regelmäßige Wasserzulieferungen die Hygienestandards in öffentlichen Bädern verbessert hätten. „Offensichtlich waren die Badeanstalten jedoch nicht so hygienisch wie bisher angenommen“, resümiert Mitchell.

In den Proben fand Mitchell zudem immer wieder die Eier einer speziellen Art von Bandwürmern, die sich vor allem in Fischen einnistet. Der mögliche Grund: Die Römer liebten eine spezielle Fischsoße auf ihren Gerichten, das sogenannte Garum. Die Paste wurde nicht gekocht, sondern steht lange Zeit in der prallen Sonne – ideale Bedingungen für den Fischbandwurm.

„Heute würde man von ekligem Gammelzeug sprechen, damals war es das Maggi der Antike“, sagt Karl-Wilhelm Weeber von der Universität Wuppertal. Für ihn ist Mitchells Theorie plausibel. Durch intensiven Garum-Handel konnten sich die Parasiten weit verbreiten.

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