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28.01.2005

15:30 Uhr

Forschung + Medizin

Anzeichen für Ozonzerstörung über der Arktis

Die derzeitige Rekordkälte über der Arktis kann nach Ansicht von Wissenschaftlern den Abbau der arktischen Ozonschicht verstärken. Davon wäre auch Mitteleuropa betroffen, sagte Markus Rex von der Forschungsstelle Potsdam des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI/Bremerhaven).

dpa BREMERHAVEN/POTSDAM. Die derzeitige Rekordkälte über der Arktis kann nach Ansicht von Wissenschaftlern den Abbau der arktischen Ozonschicht verstärken. Davon wäre auch Mitteleuropa betroffen, sagte Markus Rex von der Forschungsstelle Potsdam des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI/Bremerhaven).

Wenn es nicht in den nächsten Wochen zu einer kräftigen Erwärmung der Stratosphäre (20 bis 50 Kilometer Höhe) komme, seien außergewöhnlich schwere Ozonverluste möglich. „Erste Auswertungen der Messungen unseres internationalen Netzwerks zeigen bereits Hinweise auf Ozonverlust. Das war gegen Ende eines so kalten Januars auch zu erwarten.“

Im bisherigen arktischen Rekordwinter 1999/2000 seien lokal bis zu siebzig Prozent Ozon zerstört worden, was die Dicke der Ozonschicht insgesamt vorübergehend um bis zu dreißig Prozent reduziert habe, berichtet Rex. In warmen arktischen Wintern gab es keinen nachweisbaren Ozonverlust.

„In diesem Winter messen wir nun schon seit mehreren Wochen immer wieder Temperaturen unter minus 85 Grad Celsius“, sagte Rex. Dadurch habe in der Arktis die Bildung so genannter Polarer Stratosphärischer Wolken (PSC) eine Ausdehnung erreicht, „wie sie zuvor noch nie beobachtet worden ist“. Diese Wolken aus Salpetersäure und Wasser bildeten sich in etwa 20 Kilometern Höhe in der Ozonschicht, wenn die Temperaturen dort unter minus 78 Grad Celsius fallen. Zudem könnten sich bei noch niedrigeren Temperaturen sogar reine Wassereiswolken bilden. Unter Einwirkung der Wolken verwandelten sich Fluorchlorkohlenwasserstoffe (Fckw) und Halone in ein gefährliches Gemisch, welches Ozon zerstöre, sobald nach der Polarnacht die Sonne wieder in die Arktis zurückkehrt.

Ozonabbau führt zu einer Zunahme schädlicher UV-B Strahlung am Erdboden. Bisher bekannt ist das Ozonloch über der Antarktis. Dort geht die Ozonschicht jeden Herbst extrem zurück und bildet sich anschließen wieder neu. Obwohl die Produktion der wichtigsten ozonzerstörenden Gase weltweit verboten sei, werde es noch etwa 50 Jahre dauern, bis die bereits freigesetzten Substanzen so weit verschwunden seien, dass keine Gefahr mehr von ihnen ausgehe, meinte Rex. Solange werde das Schicksal der arktischen Ozonschicht vor allem durch die Entwicklung der Temperatur in der Stratosphäre bestimmt.

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