Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.02.2005

15:45 Uhr

Forschung + Medizin

Arbeitgeber streben Umbau der Studienfinanzierung an

Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Freigabe von Studiengebühren beim Erststudium befürworten die Arbeitgeber einen kompletten Umbau der Studienfinanzierung.

dpa BERLIN. Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Freigabe von Studiengebühren beim Erststudium befürworten die Arbeitgeber einen kompletten Umbau der Studienfinanzierung.

Jeder Studierende soll nach einem am Mittwoch in Berlin vorgestellten Modell der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) eine staatliche Ausbildungshilfe von 15 000 Euro und ein Darlehen zu niedrigen Zinsen erhalten.

Der Zuschuss soll an die Stelle des bisherigen Kindergelds, von BaföG und Ausbildungsfreibeträgen treten und damit für den Staat kostenneutral sein. Das Darlehen soll bis zu maximal 35 600 Euro betragen und ohne Risikoprüfung über die Kreditanstalt für Wiederaufbau abgewickelt werden. Studenten hätten damit 834 Euro pro Monat für den Lebensunterhalt zur Verfügung.

BDA-Präsident Dieter Hundt wandte sich gegen „Horrorszenarien“ der Gegner von Studiengebühren, die das Bundesverfassungsgericht jetzt auch für das Erststudium erlaubt hat. Befürchtete Überschuldungen der Studenten von mehr als 120 000 Euro seien „völlig aus der Luft gegriffen“, sagte Hundt. Der BDA geht davon aus, dass sich die durchschnittliche Studiendauer auf drei Jahre verkürzen und dass der kürzere Bachelor-Abschluss zur Regel werden wird.

Der Bildungspolitiker der SPD-Fraktion Jörg Tauss nannte das Arbeitgebermodell „unsozial und familienfeindlich“. Es sei „ein einziger Ruf nach dem Staat, auf Steuerzahlers Kosten Studiengebühren sozial abzufedern“. Für das „Aktionsbündnis gegen Studiengebühren“, dem mehr als 100 meist studentische Organisationen angeschlossen sind, ist der Vorschlag eine „Verschuldungsfalle“.

In der Wochenzeitung „Die Zeit“ wandte sich der Bildungsexperte Detlef Müller-Böling („Centrum für Hochschulentwicklung“, Gütersloh) gegen eine Dramatisierung der finanziellen Folgen von Studiengebühren. Bei Gebühren von 500 Euro pro Semester entstünden Schulden von 5 000 Euro. Müller-Böling: „Wahrlich kein Schuldenberg.“

Nach dem BDA-Vorschlag sollen die einzelnen Universitäten ihre Studiengebühren selbst festlegen und die Mittel daraus auch allein nutzen können. Die Deckelungsgrenze soll 500 Euro pro Semester betragen. Dazu soll es nutzungsabhängige Beiträge geben etwa für die Betreuung von Prüfungen. Die Ausgaben pro Student und Semester liegen nach den BDA-Berechnungen zwischen 1 250 und 2 000 Euro. Hundt verlangte, dass sich die Bundesländer auf ein bundesweites Darlehensmodell verständigen, um sicherzustellen, dass kein Jugendlicher durch Studienbeiträge vom Studium abgeschreckt wird.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×