Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.05.2016

11:16 Uhr

Archäologie

Mit Pferdemist auf Hannibals Spuren

Mit Kriegselefanten und zehntausenden Soldaten überquerte der Feldherr Hannibal einst die Alpen. Die genaue Route ist allerdings umstritten. Nun wollen Forscher den Weg rekonstruiert haben – anhand von Pferdemist.

Das Forscherteam will Belege dafür gefunden haben, dass der antike Feldherr Hannibal mit seinem Heer hier über die Alpen nach Italien gezogen war. dpa

Ausgrabungen am Col de la Traversette

Das Forscherteam will Belege dafür gefunden haben, dass der antike Feldherr Hannibal mit seinem Heer hier über die Alpen nach Italien gezogen war.

New YorkWohl kaum ein Kriegszug fasziniert die Menschheit heute noch so wie Hannibals Alpen-Überquerung. Mit zehntausausenden Soldaten und Pferden sowie 37 Kriegselefanten marschierte der karthagische Feldherr um 218 vor Christus ins heutige Italien ein. Dort kämpfte er mehrere Jahre lang gegen Rom, musste sich am Ende aber zurückziehen.

Die Alpen-Überquerung gilt aber bis heute als logistische und taktische Meisterleistung, hatten die Römer doch nicht damit gerechnet, dass Hannibal den beschwerlichen Weg über die Berge wählen würde. Noch heute sind Wissenschaftler begeistert von dem Schachzug – aber auch verwirrt, denn wo genau Hannibals Tross entlang zog, ist auch nach mehr als 2000 Jahren Forschung, Diskussion und Streit immer noch nicht geklärt.

Hannibal - Roms gefährlichster Gegner

Feldherr im Krieg gegen Rom

Die See- und Handelsmacht Karthago (heute in Tunesien) kämpfte von 264 v. Chr. an mit dem Römischen Reich in drei Kriegen (sog. Punische Kriege) um die Macht im Mittelmeerraum. Der 247 v. Chr. geborene Feldherr Hannibal führte Karthagos Heer im 2. Punischen Krieg.

Der Zug über die Alpen

218 v. Chr. zog Hannibal nach Kämpfen auf der Iberischen Halbinsel mit mehr als 50.000 Soldaten, 9000 Reitern und 37 Kriegselefanten über die Alpen nach Norditalien.

Schlacht von Cannae

In der Schlacht von Cannae besiegte Hannibal 216 v. Chr. die Römer vernichtend und bedrohte ihre Hauptstadt. Er verzichtete letztlich aber auf eine Eroberung Roms und musste sich später nach Karthago zurückziehen.

Hannibals Ende

183 v. Chr. tötete sich Hannibal selbst, um einer römischen Gefangenschaft zu entgehen. Karthago wurde schließlich im Dritten Punischen Krieg von den Römern erobert und 146 v. Chr. vollständig zerstört.

Jetzt glaubt ein Team von Forschern rund um den Geologen Bill Mahaney von der kanadischen York Universität in Toronto, die Streitfrage beantworten zu können. „Unser internationales Team hat endlich solide Beweise für die wahrscheinlichste Transitroute erbracht“, schreibt Mikrobiologe Chris Allen von der Queens Universität im nordirischen Belfast in einer Zusammenfassung der Studie.

Das Ergebnis: Hannibal kam demnach wohl über den Col de la Traversette. Dieser fast 3000 Meter über dem Meeresspiegel gelegene Pass liegt an der französisch-italienischen Grenze, südöstlich von Grenoble und südwestlich von Turin.

Fanden die Forscher Hannibals Pferdetränke?

An einem kleinen See am Rand des Alpen-Passes fanden die Forscher eine große Menge alter Kotreste, möglicherweise von Pferden. Die Überreste konnten die Wissenschaftler auf etwa 200 vor Christus datieren.

„Das ist eine der wenigen Stellen in der Gegend, die zum Tränken großer Tiergruppen benutzt werden konnte“, schreibt Allen. „Sie wurde bei geologischen Expeditionen in die Gegend entdeckt und entspricht Beschreibungen von dem Terrain, durch das Hannibal zog.“

Diese Beschreibungen stammen hauptsächlich von den antiken Geschichtsschreibern Polybios und Titus Livius, die selbst nicht Teil von Hannibals Tross waren, aber möglicherweise mit Augenzeugen beziehungsweise deren Nachfahren gesprochen hatten. Auf Basis hauptsächlich dieser Quellen hatten die meisten Wissenschaftler bislang zu drei möglichen Routen tendiert: Neben dem Col de Traversette waren das noch zwei weiter nördlich und weniger hoch gelegene Pässe, der französische Col de Montgenèvre und der Col de Clapier zwischen Frankreich und Italien.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×