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10.06.2016

10:17 Uhr

Archäologie

Opfer eines 6000 Jahre alten Massakers entdeckt

VonJan Dönges
Quelle:Spektrum.de

Ritualisierter Kriegerzorn: Im Elsass sind Archäologen einem 6000 Jahre alten Gewaltexzess auf die Spur gekommen. Offenbar mussten sich hier einst jungsteinzeitliche Bauern gegen fremde Krieger wehren.

Die Archäologen entdeckten die Skelette von insgesamt sechs Individuen, nämlich fünf Männer und ein Heranwachsender. (Foto: Michel Christen, Inrap)

Zwei Opfer des Steinzeit-Massakers

Die Archäologen entdeckten die Skelette von insgesamt sechs Individuen, nämlich fünf Männer und ein Heranwachsender. (Foto: Michel Christen, Inrap)

HeidelbergDas Ende der Linearbandkeramik im 5. Jahrtausend v. Chr. war eine unruhige Zeit. Das zeigen beispielsweise mit umlaufenden Gräben und großen Toren gesicherte Befestigungsanlagen, in denen sich Ortsansässige Eindringlinge abzuwehren versuchten. Eine solche Siedlung haben Forscher der französischen Denkmalbehörde Inrap nun im elsässischen Achenheim bei Straßburg ausgegraben. Und dabei die Überreste einer grausigen Szene entdeckt.

In einem der zahlreichen Vorratshäuser fanden sie die Skelette von insgesamt sechs Individuen, fünf Männer und ein Heranwachsender. Die Überreste waren dort kreuz und quer übereinander geworfen. Alle Toten hatten Knochenbrüche an den Händen, Armen, Beinen, Füßen, dem Schädel und dem Kiefer. Nach Meinung des Teams um Philippe Lefranc wurden die Toten kurz nach ihrem Ableben mit Steinbeilen übel zugerichtet. Die Forscher sprechen von einem „ritualisierten Kriegerzorn“.

Neben den vollständigen Skeletten entdeckten die Archäologen auch vier linke Arme, die mit den Leichen in den Getreidespeicher geworfen worden waren. Bei dreien handelte es sich um den Oberarmknochen, bei einem weiteren um den halben Oberarm eines Jugendlichen, an dem sich noch Unterarm und Hand befanden.

Einen ähnlichen Fund hatten Ausgräber vor wenigen Jahren in einer zeitgleich bewohnten Siedlung im benachbarten Bergheim gemacht. Die isolierten Armen könnten eine Art Trophäe sein, die dem getöteten Feind abgenommen wurde. Bei den Toten dürfte es sich um einen Trupp von Kriegern gehandelt haben. Dies schließen die Forscher aus der Tatsache, dass nur Männer darunter sind, keine Frauen, Alte oder Kinder.

Erbgutuntersuchungen an den Knochen sollen nun klären, wer hier mit wem kämpfte. Die genetische Abstammung der Toten könnte ihre Zugehörigkeit zu den frühzeitlichen Bevölkerungsgruppen Europas offenbaren.

Nach einer Theorie, so Lefranc, könnten die Einheimischen mit Kriegern zusammengestoßen sein, die einer Kultur aus dem Pariser Becken angehörten, die sich in den nachfolgenden Generationen in der Region durchsetzte und die Linearbandkeramiker verdrängte. Auch in Baden-Württemberg und der Pfalz sind die Zeugnisse dieser gewaltsamen Umbruchsphase gefunden worden, so etwa die des Massakers von Thalheim. In diesem speziellen Fall jedoch scheinen die Alteingesessenen noch einmal die Oberhand behalten zu haben.

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