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13.04.2012

11:00 Uhr

Arktische Seefahrt

Freie Fahrt ins ewige Eis

VonThomas Trösch

Vor 100 Jahren sank die Titanic südlich Neufundlands nach der Kollision mit einem Eisberg. Heute sorgt der Klimawandel dafür, dass Schiffe weiter in den Norden vordringen können. Eisberge sind dabei das kleinste Problem.

Abenteuer-Urlaub im ewigen Eis: Längst haben Kreuzfahrtschiffe die legendäre Nordwestpassage für Touristen erschlossen. obs

Abenteuer-Urlaub im ewigen Eis: Längst haben Kreuzfahrtschiffe die legendäre Nordwestpassage für Touristen erschlossen.

DüsseldorfEs war einmal mehr ein Rekordsommer in der Arktis: Zum fünften Mal in Folge registrierten Polarforscher im vergangenen Jahr einen überdurchschnittlichen Rückgang des arktischen Meereises. Auf gerade noch 4,2 Millionen Quadratkilometer erstreckte sich der Eisteppich Anfang September 2011 – ein absoluter Negativrekord seit Beginn der Aufzeichnungen. Verglichen mit dem Jahr 1972 betrug der sommerliche Eisrückgang 50 Prozent.

„Wir haben inzwischen sehr wenig Eis in der Arktis“, so seinerzeit der Meereis-Experte Rüdiger Gerdes vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) in Bremerhaven. „Hinzu kommt, das nicht nur die Ausdehnung des Eises abnimmt, sondern auch die Eisdicke.“

Wo das Eis zurückgeht, öffnen sich neue Wege für den Menschen. Wie schon 2008 waren auch im vergangenen Sommer beide Nordmeerpassagen gleichzeitig eisfrei: Gerade einmal acht Tage benötigte die STI Heritage, ein unter Flagge der Marshallinseln fahrender Tanker, im Juli für eine Fahrt durch die Nordostpassage entlang der russischen Nordküste. Und auch die legendäre Nordwestpassage durch den kanadisch-arktischen Archipel - erst 1906 durch Norwegens Polarlegende Roald Amundsen überhaupt erstmals bezwungen - war im Sommer 2011 ohne schwimmende Eisbarriere.

Zwei Seewege, die Begehrlichkeiten wecken. Während Klimaforscher sorgenvoll den wachsenden Schwund der polaren Eiskappe verfolgen, wird in den Büros der Reedereien eifrig gerechnet, welches wirtschaftliche Potenzial in den möglichen neuen Schifffahrtsrouten steckt. So würde sich etwa der Weg von Hamburg ins japanische Yokohama bei der Fahrt durch den hohen Norden um fast 40 Prozent verkürzen gegenüber der klassischen Route durch den Suez-Kanal. Bis zu 600.000 Dollar, so eine Modellrechnung der Beluga-Reederei aus dem Jahr 2009, ließen sich pro Fahrt einsparen, schickte man ein 20.000-Tonnen-Schiff durch eine eisfreie Nordpassage statt durch das ägyptische Wassertraßen-Nadelöhr.

Doch nicht nur der Frachtverkehr würde von dem prognostizierten Schwinden der polaren Eiskappe profitieren. „Es bieten sich ganz neue Möglichkeiten, die Arktis kommerziell zu nutzen“, so AWI-Forscher Gerdes und denkt dabei etwa an die Tourismusbranche oder die Hochseefischerei.

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