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06.01.2009

13:47 Uhr

Astronomie

Die Milchstraße nimmt Fahrt auf

Eine Million Kilometer pro Stunde: US-Wissenschaftler haben untersucht, wie schnell sich unsere Milchstraße dreht. Ihre Ergebnisse reihen unsere Heimatgalaxie unter die kosmischen Schwergewichte ein.

Die Illustration zeigt die Struktur der Milchstraße entsprechend der aktuellsten Forschungsergebnisse. Erde und Sonne liegen in einem der blauen Spiralarme, die um das helle Zentrum kreisen. Foto: ap ap

Die Illustration zeigt die Struktur der Milchstraße entsprechend der aktuellsten Forschungsergebnisse. Erde und Sonne liegen in einem der blauen Spiralarme, die um das helle Zentrum kreisen. Foto: ap

HB LONG BEACH/HAMBURG. Wie ein riesiger Kreisel dreht sich unsere Milchstraße um sich selbst – und das mit deutlich höherer Geschwindigkeit als bislang angenommen. Auf einer Tagung der Amerikanischen Astronomiegesellschaft AAS im kalifornischen Long Beach haben Wissenschaftler jetzt ihre neusten Erkenntnisse über unsere Heimatgalaxie vorgestellt. Demnach wirbeln Erde und Sonne mit knapp einer Million Kilometer pro Stunde um das Milchstraßenzentrum – rund 160 000 Kilometer pro Stunde schneller als bisher gedacht.

Die Beobachtungen der Forscher um Mark Reid vom Harvard-Smithsonian-Zentrum für Astrophysik haben auch Auswirkungen auf die Stellung der Milchstraße in der sogenannten Lokalen Gruppe, unserem heimischen Galaxienhaufen. Die hohe Rotationsgeschwindigkeit bedeutet nämlich, dass auch die Masse der Milchstraße um etwa die Hälfte größer sein muss als bisher angenommen – andernfalls würde sie auseinanderfliegen. Damit schließt unsere Heimatgalaxie zu einem Schwergewicht in der Lokalen Gruppe auf, der Andromeda-Galaxie. „Wir sehen die Milchstraße nicht länger als kleine Schwester der Andromeda-Galaxie“, so Reid.

Aus unserer Position im Inneren der Milchstraße lässt sich die Struktur der Galaxis nur schwer erkennen. Astronomen vergleichen die Aufgabe mitunter damit, die Form eines Waldes von einer Lichtung in seinem Inneren aus zu erkennen. Entsprechend groß ist der Aufwand, der für solche Beobachtungen notwendig ist.

Reid und seine Kollegen nutzten für ihre Arbeit die zehn Radioteleskope des „Very Long Baseline Arrays“ (VLBA), die über den amerikanischen Kontinent von Hawaii bis zu den Virgin Islands in der Karibik verteilt sind. Durch einen technischen Trick lassen sich diese Antennen zu einem einzigen, gigantischen Radioteleskop zusammenschalten. Das VLBA kann so über hundert Mal schärfere Bilder machen als das „Hubble“-Weltraumteleskop, allerdings in einem anderen Wellenlängenbereich. Das entspreche der Fähigkeit, von New York aus eine Zeitung in Los Angeles lesen zu können, illustrierten die Forscher.

Mit dieser Technik nahmen die Astronomen extrem detaillierte Bilder von Regionen reichhaltiger Sternentstehung in der Milchstraße auf und untersuchten deren Eigenbewegung. „Diese neuen VLBA-Beobachtungen der Milchstraße produzieren hochakkurate direkte Messungen der Entfernungen und Bewegungen“, erläuterte das deutsche Teammitglied Karl Menten vom Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn. „Diese direkten Messungen verändern unser Verständnis der Struktur und Bewegungen unserer Galaxie.“

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