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30.06.2011

14:52 Uhr

Astronomie

Ferner Quasar bringt Licht in dunkles Universum

Quelle:Spektrum.de

Forscher haben einen aktiven Galaxienkern entdeckt, der bereits 770 Millionen Jahre nach dem Urknall existierte. Er könnte bislang unerreichte Einblicke in unsere kosmische Vergangenheit liefern.

Künstlerische Darstellung des Quasars ULAS J1120+0541. Quelle: dpa

Künstlerische Darstellung des Quasars ULAS J1120+0541.

HeidelbergForscher um Daniel Mortlock vom Imperial College London in England entdeckten den bisher am weitesten entfernten Quasar. Er existierte bereits 770 Millionen Jahre nach dem Urknall und 100 Millionen Jahre vor dem bisherigen Rekordhalter. Das Licht des aktiven Galaxienkerns könnte neue Hinweise auf die Entstehungsgeschichte von Schwarzen Löchern geben, aber auch auf die dunklen Epochen des frühen Universums.

ULAS J1120+0641, so der Name des Neufunds, wird von einem Schwarzen Loch mit zwei Milliarden Sonnenmassen angetrieben, wie die Astronomen anhand der Beobachtungsdaten rekonstruierten. Gewaltige Gasmengen wirbeln um diesen „Schwarzen Schlund“ und leuchten dabei hell auf.

Wie diese supermassereichen, kompakten Objekte entstehen, ist bislang noch unklar. Denn aus Sternexplosionen gehen lediglich Schwarze Löcher mit zehn bis hundert Sonnenmassen hervor, die dann erst zu größeren Exemplaren verschmelzen müssten. Eine Alternative wäre der direkte Kollaps einer riesigen, Millionen Sonnenmassen schweren Gas- und Staubwolke - ohne den Umweg über Sterne.

Eine Herausforderung für gängige Theorien

Durch Akkretion, also das Einsaugen von umliegender Materie, können Schwarze Löcher ihre Masse in rund 50 Millionen Jahren maximal verdoppeln, so die Autoren. Geht man von dieser Wachstumsrate aus, hätte ULAS J1120+0641 sein Gewicht seit Anbeginn der Zeit höchstens 15 Mal verdoppeln können. Ein einzelner Vorläufer müsste also mindestens eine halbe Million Sonnenmassen in sich vereint haben.

Andererseits könnte der Quasar durch das Verschmelzen von einigen tausend massereichen Sternüberresten im Zentrum seiner Heimatgalaxie entstanden sein. Doch selbst wenn man noch weitere Mechanismen in Betracht zieht, bleibt die Existenz dieses mächtigen Quasars eine Herausforderung für derzeitige Theorien, meint auch Chris Willott vom Canadian Astronomy Data Centre in Victoria, British Columbia, in einem begleitenden Artikel.

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