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15.12.2011

08:02 Uhr

Astronomie

Festmahl für ein Schwarzes Loch

Dem Schwarzen Loch im Zentrum unserer Milchstraße steht ein Festmahl bevor. Astronomen haben eine riesige Gaswolke entdeckt, die sich der Schwerkraftfalle nähert - und freuen sich nun darauf, ihm beim Fressen zuzusehen.

Die Illustration zeigt die Gaswolke (rot) auf ihrer Umlaufbahn um das Schwarze Loch. Erkennbar sind bereits Anzeichen der Zerstörung an den Rändern der Wolke. Die blauen Linien geben die Bahnen von Sternen rund um das Schwarze Loch wieder. dpa

Die Illustration zeigt die Gaswolke (rot) auf ihrer Umlaufbahn um das Schwarze Loch. Erkennbar sind bereits Anzeichen der Zerstörung an den Rändern der Wolke. Die blauen Linien geben die Bahnen von Sternen rund um das Schwarze Loch wieder.

DüsseldorfIm Zentrum der Milchstraße rast eine große Gaswolke in ein Schwarzes Loch. Die Wolke, die einige Male soviel Masse enthält wie die Erde, wird in den nächsten Jahren komplett zerrissen und großenteils verschluckt werden, berichtet ein Forscherteam um Stefan Gillessen vom Max-Planck-Institut für Extraterrestrische Physik im Fachblatt „Nature“. Erstmals werden Forscher dann genau beobachten können, wie sich ein massereiches Schwarzes Loch Materie einverleibt.

Seit 20 Jahren beobachten Wissenschaftler das supermassereiche Schwarze Loch im Zentrum der Galaxis mit Teleskopen der europäischen Südsternwarte ESO. Derzeit befindet sich in der unmittelbaren Umgebung des Schwarzen Lochs nur sehr wenig Material, doch das dürfte sich Mitte 2013 ändern. Dann wird die Wolke den Ereignishorizont des Schwarzen Lochs in einem Abstand von nur 40 Milliarden Kilometern passieren. Dabei heizt sich ihre Materie auf mehrere Millionen Grad Celsius auf und wird hell im Röntgenlicht strahlen.

In den vergangenen sieben Jahren hat sich die Geschwindigkeit der Wolke auf ihrer langgestreckten Umlaufbahn um die Schwerkraftfalle nahezu verdoppelt. Derzeit liegt sie bei acht Millionen Kilometern pro Stunde. Die Wolke besteht überwiegend aus Wasserstoff und Helium und ist mit rund 280 Grad Celsius viel kühler als die Sterne in der Umgebung.

Deutliche Zeichen der Zerstörung

Im Zeitraum von 2008 bis 2011 konnten die Astronomen schon deutliche Anzeichen für die Zerstörung der Wolke feststellen. Ihre Ränder sind bereits dabei auseinanderzureißen. „Ein Astronaut, der sich in der Nähe eines Schwarzen Lochs befindet, würde ganz ähnlich 'spaghettisiert' werden“, so Gillessen. „Wenn sich seine Füße näher am Schwarzen Loch befinden als sein Kopf, werden sie auch viel stärker angezogen. Bei dieser Wolke können wir genau verfolgen, wie dieser Prozess tatsächlich abläuft. Sie wird die Begegnung mit dem Schwarzen Loch nicht überstehen.“

Die Wissenschaftler vermuten, dass das Material der Wolke von jungen Sternen aus der Umgebung des Schwarzen Lochs stammt. Solche Sterne verlieren viel Masse in Form von starken Teilchenwinden. Die Wolke könnte sich bei der Kollision der Winde zweier Sterne gebildet haben, die ein Doppelsystem bilden und ebenfalls das Schwarze Loch umlaufen.

In jedem Fall bietet das Objekt einzigartige Möglichkeiten, mehr über das Schwerkraftmonster im Zentrum der Milchstraße zu erfahren. Immerhin ist es das einzige supermassereiche Schwarze Loch, das nahe genug ist, um detailliert beobachtet zu werden.  „Die nächsten beiden Jahre werden sehr spannend werden“, so MPI-Forscher Reinhard Genzel. „Wir werden viel darüber lernen, wie sich Materie in der unmittelbaren Umgebung eines Schwarzen Lochs verhält.“

Von

tt

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