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13.07.2013

12:19 Uhr

Astronomie in Manhattan

Zwei Fäuste nach oben und eine nach rechts

Nur wenige Orte auf der Welt haben mit stärkerer Lichtverschmutzung zu kämpfen als Manhattan. Dennoch versucht gerade hier eine Gruppe von Hobbyastronomen, Menschen den Sternenhimmel näherzubringen.

Hobbyastronomen erkunden den Sternenhimmel über New York. Nur wenige Orte auf der Welt haben mit stärkerer Lichtverschmutzung zu kämpfen als die US-Metropole. dpa

Hobbyastronomen erkunden den Sternenhimmel über New York. Nur wenige Orte auf der Welt haben mit stärkerer Lichtverschmutzung zu kämpfen als die US-Metropole.

New YorkAn einem lauen Frühlingsabend hat sich eine Schlange im High Line Park im Westen Manhattans gebildet. Von ihrem Ende her sind regelmäßig Ausrufe wie „Wow“, „Ah“ und „Oh“ zu hören. Das macht neugierig. Wer sich einreiht, den erwartet nichts Geringeres als Saturn.

Wie jeden Dienstagabend in den warmen Monaten hat die Amateur Astronomers Association of New York (AAA) auch heute wieder zum Sterneschauen auf die High Line geladen. Der 2009 eröffnete Park im Szeneviertel Chelsea wurde auf verlassenen Eisenbahnschienen angelegt und ist ein Publikumsmagnet. Dienstagabends ist die Schönheit des Parks aber zweitrangig, dann sind die wahren Stars die Sterne.

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Für die einen ist das gleißende Licht der Großstädte ein Ausdruck von Wohlstand, Sicherheit oder Modernität, anderen gilt dies als „Lichtverschmutzung“, die Energie vergeudet und sogar krank machen kann.

Jason Kendall kennt sie wohl alle. Der quirlige 44-Jährige steht auf den Zehenspitzen, Notebook in einer Hand, die andere zur Faust geballt und in den Himmel gereckt. Die gut 40 Menschen, die zum Sterneschauen gekommen sind, machen ihm jede Handbewegung nach.

„Das schmale, hohe Gebäude auf der anderen Seite des Hudson“, ruft Kendall. „Sehen Sie es? Legen Sie Ihre Faust darauf ab. Zwei Fäuste nach oben und eine nach rechts und Sie haben die Venus!“ Und tatsächlich: wo vor einer halben Stunde noch die Sonne unterging, glimmt jetzt unser planetarer Nachbar in der Dämmerung.

Dass man an einem der lichtverschmutztesten Orte der Erde überhaupt Sterne sehen kann, scheint erst einmal schwer zu glauben. Da ist der Times Square mit seinen blendenden Reklametafeln. Zahllose Fenster in den Bürotürmen sind auch nachts hell erleuchtet. Kendall zeigt ein Foto vom nächtlichen Manhattan, aufgenommen von der Internationalen Raumstation ISS. Im weiß-goldenen Band der Insel gibt es kaum noch schwarze Flecken. „Deshalb können die Menschen in New York die Milchstraße nicht mehr sehen“, sagt Kendall.

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