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29.01.2009

14:35 Uhr

Astronomie

Planet mit Hitzewallungen

Zwischen „höllisch“ und „super-höllisch“ schwanken die Temperaturen auf dem fernen Planeten HD 80606b. Er ist damit die wohl lebensfeindlichste Welt, die bislang im All entdeckt wurde. Doch das ist nicht die einzige Besonderheit, auf die Forscher bei der Beobachtung des Planeten stießen.

Simulation der Temperaturveränderungen auf der Oberfläche des Planeten HD 80606b. Foto: Nasa/Caltech xx

Simulation der Temperaturveränderungen auf der Oberfläche des Planeten HD 80606b. Foto: Nasa/Caltech

HB DÜSSELDORF. Von all den unbewohnbaren Planeten im Weltraum ist der HD 80606b der wohl ungastlichste: Der Himmelskörper heizt sich innerhalb von nur sechs Stunden um rund 700 Grad Celsius auf. US-Forscher haben die Veränderung beobachtet und sind damit zum ersten Mal eine Wetterveränderung auf einem Planeten außerhalb unseres Sonnensystems auf die Spur gekommen. Über ihre Ergebnisse berichten sie aktuell im Wissenschaftsmagazin „Nature“.

HD 80606b ist ein Gasplanet von der vierfachen Größe Jupiters. Für einen Umlauf um seinen Zentralstern benötigt er rund drei Monate, wobei er sich die meiste Zeit in einem Abstand von etwa 140 Millionen Kilometern hält. Auf einem Abschnitt seiner Umlaufbahn aber nähert er sich dem Stern dramatisch an: Bis auf etwa fünf Millionen Kilometer verringert sich der Abstand, und dies in einem Zeitraum von nur wenigen Stunden.

Entsprechend radikal ändert sich die Temperatur des Gasriesen. Gewöhnlich herrschen auf dem Planeten etwa 525 Grad. Wenn er sich jedoch der Sonne nähert, wird aus dem Planeten ein „brodelnder Sturm“ von 1 225 Grad, wie der Autor der Studie, Gregory Laughlin, erklärte. Die Strahlung ist zu diesem Zeitpunkt 800 Mal stärker als im Moment der größten Entfernung von der Sonne.

„In einer Galaxie unbewohnbarer Planeten sticht dieser als absolut lebensfeindlich heraus“, so Laughlin. Genauso schnell entfernt sich der Planet jedoch wieder von der Sonne und gibt die Hitze an das kalte Weltall ab. Er glüht noch einmal kirschrot auf, dann fällt die Temperatur wieder.

„Das ist wirklich ein merkwürdiger Planet, auf dem die Temperaturen zwischen höllisch und super-höllisch schwanken“, sagte der Astronom Alan Boss. „Dieser Ort lässt die Venus wie einen netten Platz zum Leben aussehen, und das will etwas heißen.“ Venus gilt in unserem Sonnensystem als besonders lebensfeindliche Welt mit Oberflächentemperaturen um die 500 Grad Celsius.

Mehr über HD 80606b können die Forscher am 14. Februar 2009 erfahren - dann wird der rund 200 Lichtjahre entfernte Planet aller Wahrscheinlichkeit nach direkt vor seinem Zentralgestirn vorbeiziehen. Für Laughlin und seine Kollegen bieten sich damit besonders gute Beobachtungsbedingungen, um dem ungewöhnlichen Planeten weitere Geheimnisse zu entlocken.

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