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08.01.2008

11:16 Uhr

Ausblick 2008

Wirkstoffe bekämpfen Krebs und Aids

VonSiegfried Hofmann und Hans Schürmann

Das Jahr 2008 wird auch der Medizin einige Neuerungen bescheren, besonders im Bereich der Medikamente. Der Kampf gegen tödlich verlaufende Erkrankungen steht dabei im Mittelpunkt. So bringen die Pharmaunternehmen wirksamere Mittel gegen Krebs und Aids auf den Markt. Aber auch die Vorbeugung kommt dabei nicht zu kurz.

FRANKFURT/DÜSSELDORF. Die Pharmahersteller bringen auch in diesem Jahr wieder zahlreiche neue Medikamente auf den Markt. In den Startlöchern stehen neben einer neuen Klasse von Thrombosehemmern wirksamere Medikamente gegen Krebs sowie Aids. Für einige Medikamente hat die europäische Behörde Emea bereits im vergangenen Jahr die Zulassungen erteilt, andere sind schon so weit im Zulassungsverfahren, dass sie nach der Freigabe ebenfalls noch in diesem Jahr auf den Markt kommen könnten.

Neue Gerinnungshemmer – sogenannte „orale Antithrombotika“ – sollen die Vorbeugung von Schlaganfällen, Beinvenenthrombosen, Lungenembolien und anderen thrombosebedingten Erkrankungen verbessern. Neben einer höheren Zuverlässigkeit vereinfachen die neuen Wirkstoffe die Therapie: Sie müssen im Gegensatz zu den heutigen Mitteln nicht mehr gespritzt werden, sondern werden in Form von Tabletten eingenommen.

Die Pharmaforscher setzen auf zwei verschiedene Wirkmechanismen: Die einen hemmen den Gerinnungsfaktor Thrombin, die anderen den Gerinnungsfaktor Xa (sprich: „zehn a“). Dabigatran von Boehringer Ingelheim – ein Thrombinblocker – wurde im Frühjahr 2007 zur Zulassung eingereicht, Xarelto/Rivaroxaban (ein Faktor Xa-inhibitor) von Bayer Healthcare und Johnson & Johnson wurde im Herbst vergangenen Jahres angemeldet.

Ebenfalls mit einer Zulassung für 2008 wird für ein neues Medikament gegen metastasierenden Brustkrebs gerechnet. Das Mittel Ixempra basiert auf einem Naturstoff, den Wissenschaftler am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig entdeckt haben. Das Medikament kommt derzeit in den USA auf den Markt und soll in Europa voraussichtlich in der zweiten Hälfte 2008 zugelassen werden.

Ixempra basiert auf biologisch aktiven Naturstoffen, sogenannten Epothilonen. Diese werden von den im Boden lebenden Myxobakterien gebildet. In Körperzellen blockieren auf Epothilone die sogenannten Mikrotubuli, mikroskopisch kleine Röhrchen, die bei der Zellteilung eine wichtige Rolle spielen. Tumore, deren Zellen sich besonders stark teilen, werden nach Angaben der Experten im Wachstum gebremst oder schrumpfen sogar.

Mit Isentress wird zudem der Start eines neuartigen HIV-Wirkstoffs erwartet. Es basiert auf dem Wirkstoff Raltegravir, der die Vermehrung des Erregers der Immunschwäche behindert. In klinischen Studien hatte das Aids-Präparat gute Ergebnisse gebracht. Der sogenannte Integrase-Hemmer wurde von Merck entwickelt und ist in den USA seit einigen Monaten zugelassen. In Europa wird er in 2008 auf dem Markt erwartet.

Ein Expertengremium der Emea hatte im November ein positives Votum abgegeben.Pharmahersteller Roche hofft in diesem Jahr mit Actemra noch ein neuartiges Rheumamittel auf den Markt bringen zu können, das auf einem anderen Wirkmechanismus beruht als die bereits vermarkteten Antikörperpräparate in dem Bereich. Die Zulassung für das Mittel wurde in den USA im November und für Europa im Dezember beantragt. Daher könnte das Medikament – wenn es gut läuft – noch gegen Ende 2008 in den Handel kommen.

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