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04.01.2016

13:02 Uhr

Ausbruch des Tambora

Der Vulkan, der den Sommer stahl

Vor 200 Jahren bescherte der Ausbruch des indonesischen Vulkans Tambora Europa ein Jahr ohne Sommer – mit schrecklichen Folgen für viele Menschen. Eine ähnlich verheerende Eruption könnte es bald wieder geben.

Die Eruption vor 200 Jahren hinterließ einen riesigen Krater. dpa

Vulkan Tambora auf Sumbawa

Die Eruption vor 200 Jahren hinterließ einen riesigen Krater.

BerlinAls „Jahr ohne Sommer“ ging es in die Geschichtsbücher ein: 1816 – das Jahr, in dem unzählige Menschen in Europa verhungerten, weil auf den Feldern kaum etwas wuchs, die mageren Ernten im Dauerregen vermoderten und das Vieh verendete. Dass die Not seinerzeit auf eine Katastrophe in einem ganz anderen Teil der Welt zurückging, ahnten viele Menschen damals nicht.

Auf der kleinen indonesischen Insel Sumbawa hatte der Vulkan Tambora Anfang April 1815 Dutzende Kubikkilometer Magma aus seinem Schlund geschleudert. Die Eruption gilt als der heftigste Vulkanausbruch, der je von Menschen dokumentiert wurde. Noch auf der mehr als 2500 Kilometer entfernten Insel Sumatra sollen die Explosionen zu hören gewesen sein, Tsunamis trafen auf die Inseln der Region, der Himmel verdunkelte sich für Tage.

Wohl mehr als 10.000 Menschen fielen dem Ausbruch unmittelbar zum Opfer, mehr als 60.000 starben in der Region an den Folgen der Eruption. „Ein solcher Ausbruch kommt nur alle 1000 Jahre vor“, sagt Thomas Walter vom Geoforschungszentrum Potsdam. Der Vulkan, einst mit rund 4300 Metern einer der höchsten Gipfel des Archipels, fiel in sich zusammen – und misst heute nur noch knapp 2900 Meter.

Es blieb nicht bei der regionalen Katastrophe. In Mitteleuropa und Nordostamerika hatte das Jahr 1816 gerade zum Frühling angesetzt, da kehrte der Schnee zurück. Die Kälte blieb, eine Folge der durch die Vulkanasche in der Atmosphäre abgeschwächten Sonneneinstrahlung.

In Regionen wie der Schweiz und Baden-Württemberg hörte es über Monate kaum mehr auf zu regnen oder zu schneien. Auf Tauwetter folgten extreme Hochwasser. Die Getreidepreise vervielfachten sich, Arme aßen Gras vor Hunger. Die schlimmste Hungersnot des 19. Jahrhunderts nahm ihren Lauf.

Bis 1817 gab es kaum mehr Ernten, sagt Claus-Peter Hutter, Leiter der Akademie für Natur- und Umweltschutz Baden-Württemberg. „Die Menschen haben ihre Zugtiere geschlachtet und die Saatkartoffeln wieder ausgegraben in ihrer Not.“ Mit Gipspulver, Eichel- oder Sägemehl gestreckte Hungerbrötchen wurden gebacken. Etliche Verzweifelte suchten ihr Glück in der Fremde, etwa durch Auswanderung in die USA.

Gemälde aus jener Zeit, etwa von Caspar David Friedrich, zeigen glühend rote Sonnenuntergänge: Von Vulkanaerosolen werden nur die langwelligen, rötlichen Strahlen durchgelassen. Mary Shelley soll ihren Roman „Frankenstein“ geschrieben haben, weil sie wegen des vielen Regens kaum das Haus in der Nähe des Genfersees verlassen konnte, in dem sie zu Gast war.

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