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11.01.2008

09:25 Uhr

Automobiltechnik

Fahrerlos durch die Wüstenstadt

VonAxel Postinett

General Motors präsentiert auf der CES in Las Vegas sein Experimentierlabor für High-Tech im Auto. Die Technisierung und kostenpflichtigen Dienste von übermorgen dienen dabei vor allem als Rettungsanker für die von Preiskämpfen stark gebeutelte Automobilindustrie.

Mit seinem computergelenkten Fahrzeug demonstrierte GM in Las Vegas neueste Technik für Autos von übermorgen. Foto: AP

Mit seinem computergelenkten Fahrzeug demonstrierte GM in Las Vegas neueste Technik für Autos von übermorgen. Foto: AP

LAS VEGAS. Mit leise blubberndem Motor steht der bullige Chevrolet Tahoe mit verwaistem Fahrersitz auf dem Freigelände des Convention Centers. An der ganzen Karosserie sind kleine und große Kästen, rotierenden Kegel und Sensoren angebaut. Beifahrer Jarrod Snider nimmt das Handy ans Ohr: „Wir wären dann so weit“, sagt er. Sekunden später erwacht der bis zur Dachkante mit High-Tech voll gestopfte SUV zu lärmendem Leben.

Das Lenkrad schlägt automatisch nach links und rechts aus, ein „Fuß“ an einem Elektromotor drückt das Bremspedal. Der Ganghebel rutscht mit leisem „Klack“ in die Fahrposition „D“. Ein Ruck geht durch das Fahrzeug mit dem spröden Charme eines Computerabstellraums. „Keine Angst“, beruhigt Snider den Fondpassagier, als der Zwei-Tonnen-Koloss mit aufheulendem Motor kraftvoll beschleunigt. „Der weiß, wo es lang geht.“

Snider muss es ja wissen. Schließlich hat er an der Carnegie Mellon-Universität für General Motors über Jahre am Projekt „Boss“ mitgearbeitet. Das computergelenkte Fahrzeug hat Ende 2007 den Darpa-Wettbewerb des US-Verteidigungsministeriums im US-Staat Kalifornien gewonnen, bei dem 14 autonome Fahrzeuge möglichst schnell und unfallfrei durch eine nachgebaute Kleinstadt navigieren mussten.

Auch heute geht es zügig durch den Parcour. Die Route ist per GPS vorgegeben. Die Situation vor Ort berechnet und erfasst das Fahrzeug im Abstand von 200 Millisekunden immer wieder neu, 64 rotierende Laser auf dem Dach liefern Daten für ein dreidimensionales Bild der Umgebung. Radargeräte erfassen Hindernisse, Sensoren und Kameras erkennen Markierungen und Straßenschilder. Linux-Rechner an Bord setzen die Daten in Fahranweisungen um.

Die Testfahrt ist vorbei und Boss hat sich wieder ausgeschaltet. Selbst wenn der Computer-SUV „Boss“, benannt nach dem Erfinder des Elektrostarters, Charles „Boss“ Kettering, auch in entfernter Zukunft wohl kaum den Weg auf die Straße finden wird – er ist doch ein phantastisches rollendes Experimentierlabor für die Autoelektronik und die Serviceangebote der Zukunft. Eigentlich, sagt Snider, würde er gerne mal auf die Straße mit seinem rollenden PC. „Die Technik ist so weit“, sagt er. Na ja, bis auf eine Kleinigkeit. Boss kann leider keine Ampeln von Neonreklamen unterscheiden. Rote Verkehrslichter werden schlicht ignoriert. Da bleibt noch einiges zu tun.

Szenenwechsel: Rick Wagoner, CEO von General Motors, kommt im umweltfreundlichen Elektroauto „Volt“ aus einer Nebelschwade auf die Bühne des Venetian-Hotels in Las Vegas gerollt. Für ihn ist „Boss“ mehr als nur ein Spielzeug. Das ist heute seine Botschaft. Viele der Dinge in dem Forschungs-Fahrzeug wie Abstandswarner oder automatische Geschwindigkeitssteuerung sind schon Alltag.

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