Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.05.2011

14:43 Uhr

Bakterium

Wie man sich vor EHEC schützen kann

Das EHEC-Bakterium kann lebensgefährlich sein. Aber es ist auch leicht in Schach zu halten - durch Hygiene und Abkochen. Wie man sich gegen den aggressiven Keim schützen kann.

Eine Mitarbeiterin des Hamburger Instituts für Hygiene und Umwelt verschließt Petrischalen mit einem speziellen Nährboden auf dem EHEC-Bakterienstämme zu sehen sind. Die in Deutschland grassierende Darmerkrankung ist mitunter lebensgefährlich. Quelle: dpa

Eine Mitarbeiterin des Hamburger Instituts für Hygiene und Umwelt verschließt Petrischalen mit einem speziellen Nährboden auf dem EHEC-Bakterienstämme zu sehen sind. Die in Deutschland grassierende Darmerkrankung ist mitunter lebensgefährlich.

Frankfurt/Berlin

Seife und Kochtopf helfen. Wer sich vor dem EHEC-Keim schützen will, sollte vor allem auf Hygiene achten. Experten raten: Lebensmittel gut waschen und am besten kochen; Brettchen und Messer gründlich spülen; vor und nach dem Kochen Hände waschen - und natürlich nach dem Gang zur Toilette. Das Bakterium, das seit der zweiten Maiwoche auffällig viele Menschen befallen hat, kann lebensgefährlich sein. Aber es ist auch leicht in Schach zu halten: "Der Keim reagiert sehr sensibel auf Hitze oder Seife", erklärt ein Mitarbeiter des Frankfurter Gesundheitsamtes.

Seit der zweiten Maiwoche sind deutschlandweit zahlreiche Menschen an blutigem Durchfall erkrankt. Auslöser ist eine Spielart des Coli-Bakteriums: enterohämorrhagische Escherichia coli (EHEC). Meist nimmt die Krankheit einen ungefährlichen Verlauf - viele leiden unter leichtem Durchfall, der schnell wieder vergeht. Das Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin hat seit Einführung der Meldepflicht 2001 bundesweit jährlich zwischen 800 und 1200 EHEC-Erkrankungen registriert, die meisten verlaufen harmlos. Todesfälle sind äußerst selten.

Bei schweren Fällen kommt es zu einem sogenannten hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS), was zu einem Versagen der Nieren führen kann. "Die Zahl der schweren Verläufe in einem kurzen Zeitraum ist sehr ungewöhnlich", betont das RKI. Von den aktuell Betroffenen müssen einige künstlich beatmet werden, viele liegen auf der Intensivstation. Untypisch auch, dass vor allem gesunde Erwachsene, überwiegend Frauen, betroffen sind. Normalerweise entwickeln vorwiegend Kinder dieses schwere Krankheitsbild.

Expertin im Interview: Was den EHEC-Keim so gefährlich macht

Expertin im Interview

Was den EHEC-Keim so gefährlich macht

Ein aggressiver Escherichia-coli-Stamm geht in Deutschland um. Spanische Gurken scheinen eine Infektionsquelle für den gefährlichen EHEC-Keim zu sein. Was ihn gefährlich macht, erklärt die Biologin Petra Dersch.

Auch die unter Verdacht stehende Rohkost ist ungewöhnlich, denn der natürliche Lebensraum des Erregers ist der Darmtrakt von Rindern, Schafen oder Ziegen. Daher gelten normalerweise auch unbehandelte Milch und Rohmilchkäse oder rohes Fleisch als größte Risikoquellen. Obst oder Gemüse können aber zum Beispiel über Düngung mit Jauche den Erreger erhalten. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist nur bei grob unhygienischem Verhalten möglich.

Patienten, die an den typischen Symptomen leiden - wässriger oder blutiger Durchfall, Übelkeit, Erbrechen und starke Bauchschmerzen - "sollten umgehend einen Arzt aufsuchen", sagt das RKI. Wichtig ist es, das Blutbild zu überwachen und im Auge zu behalten, dass die Nieren weiter funktionieren. Bei ersten Anzeichen eines HUS sollte der Arzt den Patienten "an geeignete Behandlungszentren überweisen". Der Zeitraum zwischen der Infektion und den ersten Durchfallsymptomen beträgt durchschnittlich drei bis vier Tage. Die Anzeichen von HUS beginnen etwa eine Woche nach Beginn des Durchfalls.

Fragen und Antworten zu Ehec

Was ist Ehec eigentlich?

Ehec bezeichnet einen Darmkeim, der normalerweise bei Tieren vorkommt. Er ist eine Sonderform der wichtigen Kolibakterien, die im Darm Nährstoffe spalten und für die Abwehr von Krankheitserregern
sorgen. Das Enterohämorrhagische Escherichia Coli-Bakterium (Ehec) setzt jedoch beim Menschen gefährliche Giftstoffe frei, die lebensbedrohliche Krankheiten auslösen können.

Welche Symptome bringt eine Ehec-Erkrankung mit sich?

Der Erreger kann sich zunächst durch blutigen und wässrigen Durchfall, Erbrechen, Übelkeit und Bauchschmerzen bemerkbar machen. Zudem sind bei schweren Verläufen auch Blutarmut, Gefäß- und
Nierenschäden möglich. Auch wenn die Krankheit überstanden ist, können Gesundheitsschäden wie etwa Nierenleiden zurückbleiben.

Wie wird die Krankheit übertragen?

Da sich der Erreger vor allem im Kot von Nutztieren findet, ist direkter Kontakt mit den Tieren ein Übertragungsweg. Aber auch verunreinigte Lebensmittel, die Kot-Partikel enthalten, können Ursache sein. Wird gedüngtes Obst und Gemüse ungewaschen gegessen, kann das die Krankheit auslösen. Auch eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist über Schmierinfektionen möglich.

Was ist bei den aktuellen Fällen die Infektionsquelle?

Seit dem 10. Juni geht das Robert-Koch-Institut (RKI) mit großer Wahrscheinlichkeit davon aus, dass Sprossen die Ursache für den aktuellen Ausbruch sind. Die Warnung vor dem Verzehr roher Gurken, Tomaten und Blattsalaten wurde aufgehoben. Sprossen gelten als generell anfällig für Keime.  Bohnen-Sprossen seien definitiv als Ursache für die Ehec-Erkrankungen festgestellt worden, so das RKI.

Wie kann ich mich vor Ehec-Erkrankungen schützen?

Gegen den Ehec-Keim gibt es keine Impfung, der beste Schutz ist Hygiene. Dazu gehört regelmäßiges Händewaschen. Verbraucher könnten dem Robert Koch Institut zufolge das Risiko einer Ehec-Infektion weiter minimieren, indem sie alle Lebensmittel vor dem Verzehr mindestens zehn Minuten lang auf 70 Grad erhitzen. Vor dem Verzehr von Sprossen wird gewarnt.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) rät zudem, Rohmilch vor dem Verzehr abzukochen und pasteurisierte und ultrahocherhitzte Milch als sicher anzusehen. Die Behörde mahnt besondere Hygiene im Umgang mit Fleisch an: Die Hände sollen vor der Zubereitung von Speisen und nach Kontakt mit rohem Fleisch gründlich mit Wasser und Seife gewaschen und abgetrocknet werden. Rohes Fleisch soll getrennt von anderen Lebensmitteln gelagert und zubereitet werden, beim Grillen etwa empfiehlt das BfR verschiedene Bretter, Teller und Zangen zu verwenden. Auch diese Gegenstände sollen sofort nach dem Gebrauch gründlich gereinigt und abgetrocknet werden. Zudem rät das Institut Lappen und Handtücher nach der Zubereitung von rohem Fleisch möglichst auswechseln und bei mindestens 60 °C waschen. Wer sich entscheidet, rohes Gemüse oder Obst zu verzehren, soll es schälen oder zumindest gründlich waschen, so die Behörde.

In der Berichterstattung ist auch von HUS die Rede. Was ist das?

HUS steht für hämolytisch-urämisches Syndrom, einen besonders schweren Verlauf der EHEC-Erkrankungen. Dabei kann es zu Nierenversagen und Blutarmut kommen. Das kann lebensbedrohlich sein.

Was muss ich tun, wenn ich betroffen bin?

Zunächst sollten Betroffene einen Arzt aufsuchen. Außerdem sollen Ehec-Erkrankte viel trinken, um den Flüssigkeits- und Salzverlust auszugleichen. Hygiene ist ein Muss, um weitere Ansteckungen zu vermeiden. Mit dem Bakterium infizierte Patienten sollten auf keinen Fall Antibiotika nehmen. Diese könnten die Situation noch verschlimmern, erklärte ein Arzt des Berliner Krankenhauses Charité. Wenn die Bakterien durch das Antibiotikum in großem Umfang zerfallen, werden vermehrt Gifte aus den Bakterien freigesetzt. Der aktuell grassierende Erreger ist gegen Antibiotika allerdings ohnehin resistent.

Wie tauschen die Länder Informationen aus?

Wenn riskante Lebensmittel in Europa im Umlauf sind, tauschen die EU-Länder über ein Schnellwarnsystem wichtige Informationen aus. Das gilt auch jetzt - bei den gefährlichen Ehec-Keimen. Über das europäische Schnellwarnsystem für Nahrungs- und Futtermittel RASFF hat Deutschland die übrigen 26 EU-Länder vor den möglichen Ursachen der Infektionen offiziell gewarnt.

Bestehen unmittelbare Risiken für die menschliche Gesundheit, können nationale Behörden RASFF-Warnungen europaweit zum Anlass nehmen, um die Öffentlichkeit zu informieren, Rückrufaktionen zu starten oder Importe an den Grenzen abzufangen. Betroffene Produkte werden meist vom Markt genommen. In Deutschland laufen die Hinweise beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) ein. Darin steht, um welche Produkte es geht, woher sie kommen und welche Maßnahmen im betroffenen Land ergriffen worden sind.

RASFF gibt es seit 1979. Nicht nur die EU-Staaten tauschen darüber Informationen aus. Auch Norwegen, Island, Liechtenstein und die Schweiz machen mit. Darüber hinaus können Drittstaaten über eine Online-Plattform die Meldungen abrufen. 2009 gab es rund 8000 RASFF Meldungen, so viele wie nie zuvor. Bei 557 davon handelte es sich um ernstzunehmende Warnungen über Gefahrenprodukte, die schon auf dem Markt waren.

Von

dpa

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Naivusbakterius

27.05.2011, 15:42 Uhr

Der beste Schutz ist : Sich nicht von Propaganda aus den Medien verrückt machen lassen.
Letztes Jahr hat die Pharmaindustrie gut Kasse gemacht mit dem "Schweinevirus".
Diese Jahr kann man nicht wieder einen Virus propagandieren.
Zur Abwechslung ist es jetzt mal ein Bakterium.........Sachen gibt`s....
Ein Mittel gegen die Naivität bei Menschen - das wär doch mal was !!!!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×