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29.11.2016

09:40 Uhr

Batterietechnik aus dem Saarland im Orbit

Sparschweine im Weltall

Ein Nano-Satellit ist auch dank Forschern aus Saarbrücken auf Weltraum-Mission. Und zwar sparsamer als andere Modelle. Auch Technik auf der Erde könnte von dem Projekt im All profitieren.

Die beiden Forscher verfolgen auf dem Laptop die Flugbahn des Nano-Satelliten GOMX-3, für den sie eine besonders sparsame Batterie-Technik entwickelt haben dpa

Doktorant Gilles Nies und sein Doktorvater, Informatik-Professor Holger Hermanns

Die beiden Forscher verfolgen auf dem Laptop die Flugbahn des Nano-Satelliten GOMX-3, für den sie eine besonders sparsame Batterie-Technik entwickelt haben

SaarbrückenHolger Hermanns schaut auf die interaktive Landkarte auf seinem Laptop und lächelt. „Da ist er“, sagt der Informatik-Professor zu seinem Doktoranden Gilles Nies und zeigt auf das kleine Symbol, das sich millimeterweise über Chile hinwegbewegt. „Nur noch 20 Minuten, dann ist er direkt über uns.“

„Er“, das ist „GOMX-3“, ein Nano-Satellit. Der Drei-Liter-Quader ist klein, leicht und schnell. In 166 Kilometern Entfernung von der Erde ist er mit 7,8 Kilometern pro Sekunde unterwegs. Alle 90 Minuten kreist er einmal um die Weltkugel und liefert stetig neue Daten - zum Beispiel zu georteten Flugzeugen, mit denen sich die Flugbahn genau nachvollziehen lässt. Aber auch, welche Spannung die eigene Batterie aktuell hat und wie heiß die Solarzellen außen sind.

„GOMX-3“ rast im Auftrag der Europäischen Weltraumorganisation ESA durch den Orbit. Vor genau einem Jahr ist er zu seiner Mission aufgebrochen - von der Internationalen Raumstation (ISS) aus. Seitdem verfolgen die Hersteller der dänischen Firma GomSpace und die Informatiker der Universität des Saarlandes den kleinen Raumflugkörper mit großem Interesse.

Holger Hermanns, Gilles Nies und der Student Marvin Stenger haben eine neue Technik entwickelt, die eine genaue Vorhersage ermöglicht, wie viel Batterieleistung für eine bestimmte Aktion im All notwendig ist und wie viel Kapazität zur Verfügung steht.

„Unseres Wissens gibt es so etwas im Orbit bisher nicht“, sagt der Informatik-Professor. Üblich war demnach bislang ein lineares Modell, das jedoch nicht den sogenannten Recovery Effect beachtet, den es auch beim Handy gibt: Ein scheinbar leerer Akku kann sich unter bestimmten Bedingungen schnell von einem Kapazitätsverlust erholen. Durch das neue Batteriemodell lässt sich die Energiewanderung präzise verfolgen. Dadurch können die Informatiker für jede Zeitspanne die Wahrscheinlichkeit berechnen, dass die Batterie nicht entladen sein wird.

Dies gelingt, weil man auch genau weiß, wo sich „GOMX-3“ gerade befindet, wo er wann sein wird und wann für ihn die Sonne auf- und untergeht. „Für seine verschiedenen Aufgaben muss der Satellit sich im Raum jeweils in eine bestimmte Position drehen, dies ist aber energetisch sehr teuer“, erläutert Hermanns. „Dank des Modells lässt sich optimal bestimmen, wann er sich wie drehen muss, ohne dass die Batterieladung unter eine bestimmte Grenze fällt.“

Damit könnten Ressourcen optimal ausgenutzt und damit auch Kosten eingespart werden, erklärt Nies. Von den Erkenntnissen könne man auch auf der Erde profitieren: „Batterien sind überall im Alltag vorhanden. Und ein gutes Batteriemodell kann in vielen Situationen helfen“. Dies gelte etwa für den Energiebedarf von Elektroautos.

Der Drei-Liter-Quader aus Deutschland ist klein, leicht und schnell. In 166 Kilometern Entfernung von der Erde ist er mit 7,8 Kilometern pro Sekunde unterwegs. Alle 90 Minuten kreist er einmal um die Weltkugel und liefert stetig neue Daten. dpa

Satellit GOMX-3

Der Drei-Liter-Quader aus Deutschland ist klein, leicht und schnell. In 166 Kilometern Entfernung von der Erde ist er mit 7,8 Kilometern pro Sekunde unterwegs. Alle 90 Minuten kreist er einmal um die Weltkugel und liefert stetig neue Daten.

„Bisher war nur die Antwort auf die Frage möglich: Schaffen Sie es unter idealisierten Bedingungen mit der vorhandenen Ladung bis zum Frankfurter Flughafen?“, erklärt Hermanns. Nun werde das System gewissermaßen stautauglich: „Jetzt können wir auch beantworten, ob die Wahrscheinlichkeit größer als 99,99 Prozent ist, dass Sie es trotz Störungen pünktlich zu Ihrem Flieger schaffen.“

Und es geht weiter: Schon jetzt ist „GOMX-4“ in Planung - als Tandem mit zwei Sechs-Liter-Satelliten. Er soll 2017 ins All geschossen werden.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

29.11.2016, 17:07 Uhr

"Herr Fritz Porters - 18.11.2016, 11:43 Uhr

@ Herr Hoffmann

ich habe nicht diesen enormen politischen Sachverstand wie Sie, aber die von Ihnen beschriebene "Grünen-Sozialistischen Vernichtungspolitik".... ist das sowas wie ein "Gemüseauflauf"? :-D
Herrlich, die Kommentare sind echt Comedy... einige Artikel im HB sind echt besorgniserregend, aber die Kommentare können einem das Lachen zurückzaubern. Danke ...muss weiter arbeiten...aber nachher schaue ich noch mal in die Kommentare...will doch auch später noch was zu schmunzeln haben..."

@Porters

VIELEN DANK Herr Porters,
es ist wirklich ein immenser Zeitaufwand, von morgens bis abends zu jedem Artikel so witzige Kommentare zu schreiben.
Bei manchen Artikeln sogar mehrere.
Schön das Sie das zu schätzen wissen.

Aber die Ehre gebührt nicht mir alleine. An den Comedy-Kommentaren sind noch weitere Leute beteiligt die auch gewürdigt sein wollen:
Paff, von Horn, Trautmann, Vinci Queri, Delli, Bollmohr, Caruso, Mücke....

ohne sie wäre ich hier sehr einsam !
Danke

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