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17.09.2014

02:52 Uhr

Bemannte Raumflüge

USA kündigt Raumfahrtkooperation mit Russland auf

Die USA schickt ab 2017 wieder selbst Astronauten zur Internationalen Raumstation ISS. Damit soll die Abhängigkeit von russischen Sojus-Kapseln beenden werden. Wer die Transport-Shuttles bauen wird, steht auch fest.

Das Raumschiff Endeavour nähert sich der Internationalen Raumstation (ISS): Das war im Jahre 2010. Ab 2017 wollen die USA wieder selbst Astronauten zur ISS  schicken. dpa

Das Raumschiff Endeavour nähert sich der Internationalen Raumstation (ISS): Das war im Jahre 2010. Ab 2017 wollen die USA wieder selbst Astronauten zur ISS schicken.

Cape CanaveralDie Show ist perfekt durchkomponiert. Erst kündigt die US-Raumfahrtbehörde Nasa eine „bedeutende Bekanntgabe“ an, dann lässt sie per Kurznachrichtendienst Twitter durchblicken, dass es um die Rückkehr der USA in die bemannte Raumfahrt gehen wird. „Die Mission ist in Sicht“, heißt es anschließend auf der Webseite der Behörde, daneben ist ein Astronaut im orangefarbenen Raumanzug mit überdimensional großer US-Flagge auf der Schulter zu sehen.

Details gibt es dann wenig später auf einer Pressekonferenz an historischer Stätte, dem Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida. Ab 2017 werden die USA wieder selbst Astronauten zur Internationalen Raumstation ISS bringen, wie Nasa-Chef Charles Bolden ankündigt. „Die bedeutendste Nation der Welt sollte bei der Raumfahrt nicht auf irgendein anderes Land angewiesen sein“, sagt Bolden, und vor lauter Pathos stehen ihm Tränen in den Augen. Ein „aufregender Tag für Amerika“ sei das, sagt der Astronaut Mike Fincke, der in blauer Weltraum-Montur danebensitzt.

Raumfahrt-Katastrophen

22. März 1961

Kurz vor dem ersten russischen Raumflug kommt der Kosmonaut Walentin Bondarenko beim Training in einer Isolationskammer des Moskauer Instituts für Raumfahrtmedizin ums Leben. Ein mit Alkohol getränkter Wattebausch hatte sich entzündet und die mit reinem Sauerstoff gefüllte Kammer in Brand gesetzt.

27. Januar 1967

Bei einem Bodentest der US-Raumkapsel Apollo 1 am Raketenstartplatz Cape Canaveral (US-Bundesstaat Florida) verbrennen drei amerikanische Astronauten. Ein Funke hatte die Kapsel in Brand gesetzt.

24. April 1967

Der sowjetische Kosmonaut Wladimir Komarow zerschellt nach der Rückkehr aus dem Weltraum mit seinem Raumschiff Sojus 1 auf der Erde. Das Fallschirmsystem hatte versagt.

29. Juni 1971

Die dreiköpfige Besatzung des sowjetischen Raumschiffes Sojus 11 wird bei der Rückkehr von der Saljut-Raumstation tot in ihrer Kapsel aufgefunden. Bei der Landung hatte der Druckausgleich der Kapsel versagt.

18. März 1980

Eine Wostok-2M-Rakete explodiert beim Betanken direkt auf der Startrampe des russischen Weltraumbahnhofs Plessezk. 48 Menschen sterben.

28. Januar 1986

Nur 73 Sekunden nach dem Start explodiert die US-Raumfähre Challenger und stürzt in den Atlantik. Alle sieben Astronauten kommen ums Leben. Unglücksursache: eine fehlerhafte Dichtung zwischen Segmenten einer Antriebsrakete.

15. Februar 1996

Eine chinesische Rakete des Typs CZ-3 kommt kurz nach dem Start vom Kurs ab und stürzt in ein Dorf. Bei der Explosion sterben nach offiziellen Berichten sechs Menschen, inoffizielle Quellen sprechen von bis zu 500 Toten.

1. Februar 2003

Die Raumfähre Columbia bricht während des Wiedereintritts in die Erdatmosphäre auseinander. Alle sieben Astronauten an Bord sterben. Ursache der Katastrophe: Beim Start war ein Stück Schaumstoff vom Außentank abgerissen und hatte die Hitze-Isolierung des Spaceshuttles beschädigt.

22. August 2003

Eine brasilianische Trägerrakete des Typs VLS-1 explodiert auf der Startrampe des Weltraumbahnhofs Alcantara im Norden Brasiliens. 21 Menschen sterben.

Die Botschaft ist deutlich: Amerika meldet sich zurück. Die Vormachtstellung in der bemannten Raumfahrt soll vom ewigen Rivalen Russland zurückerobert werden. Auf den waren die USA seit der Ausmusterung ihrer Space-Shuttle-Flotte im Jahr 2011 für bemannte Flüge zur ISS angewiesen.

Das ist nicht nur teuer - rund 50 Millionen Euro pro Flug in einer russischen Sojus-Kapsel -, sondern kratzt auch schon lange mächtig am Ego der Nasa. Die Ukraine-Krise, die dazu führte, dass die Nasa im April einen Teil ihrer Zusammenarbeit mit Russland demonstrativ eingestellt hatte, machte die Atmosphäre nur noch angespannter und die Angelegenheit noch dringender.

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