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05.02.2016

11:41 Uhr

Besuch im Sandlabor

Die ganze Welt in einem Sandkorn

Sand ist das Geschichtsbuch der Erde, mit ihm blicken Forscher in Vergangenheit und Zukunft unseres Planeten. In Sandlabor der Uni Greifswald versuchen Geowissenschaftler, dem Sediment seine Geheimnisse zu entlocken.

Unter Rotlicht werden Sandproben zur Analyse vorbereitet. Im Sandlabor an der Universität Greifswald untersuchen Geologen das Sediment in abgedunkelten Räumen. dpa

Im Sandlabor

Unter Rotlicht werden Sandproben zur Analyse vorbereitet. Im Sandlabor an der Universität Greifswald untersuchen Geologen das Sediment in abgedunkelten Räumen.

GreifswaldSand ist für Kinder ein kreativer Werkstoff, für die Bauindustrie ein wichtiger Rohstoff – und  für Wissenschaftler ein Geschichtsbuch über die Entwicklung der Erde. „Sand ist für Geowissenschaftler eines der spannendsten Minerale“, sagt der Greifswalder Professor für Physische Geographie, Reinhard Lampe. Denn Sand, vom Berufsverband Deutscher Geowissenschaftler zum Gestein des Jahres 2016 gewählt, konserviert die Zeit, seine Herkunft und seine Geschichte. Forscher können mit ihm in die Vergangenheit schauen und Analogien für die Zukunft ableiten.

Am Institut für Geographie und Geologie der Uni Greifswald haben Wissenschaftler das Geschichtsbuch nun geöffnet. Dort steht seit kurzem das einzige Lumineszenzlabor Norddeutschlands, das zugleich das achte Sandlabor in Deutschland ist. Hermetisch abgeschottet von Sonnenlicht und nur über Schleusen können die Wissenschaftler die Räume betreten. „Schon ein einziger Sonnenstrahl würde ausreichen, die über Jahrtausende im Sandkorn gespeicherten Informationen zu löschen“, erläutert der Geologe Henrik Rother.

Rother, Juniorprofessor für Quartärgeologie, hat am Kliff von Glowe auf der Insel Rügen mit einem Rohrzylinder Sandproben genommen, die er nun in dem von rotem Licht durchfluteten Raum zur Analyse in einem Lumineszenzreader vorbereitet.

Der Sand wird gewaschen. Danach trennt Rother die Quarzkörner von anderen Sandbestandteilen und schiebt die Proben in den Abzug, wo Flusssäure die verunreinigte Schale der 0,1 bis 0,2 Millimeter großen Quarzkörner abätzt. Dann kommen die aufbereiteten Körner in den Lumineszenzreader, die „Sanduhr“, wie Rother das Messgerät bezeichnet.

Bei anorganischen Materialien wie Gesteinen versagen probate Mittel zur Alterbestimmung wie die auf Kohlenstoff beruhende C14-Methode. Da hilft die optisch stimulierte Lumineszenzdatierung (OSL) im Sandlabor. „Aus dem Eiszeitalter – eine erdzeitliche Epoche, die vor allem für den Ostseeraum interessant ist – gibt es zudem kaum organische Proben, die für die C14-Methode notwendig sind“, erklärt der Professor.

Bei der optisch stimulierten Lumineszenzdatierung im Greifswalder Sandlabor wird ein Lichtsignal gemessen, das durch die natürliche Radioaktivität entsteht, die der Boden über die Jahrtausende an die winzigen Quarz- und Feldspatkörnchen abgegeben hat. Die OSL sei damit die einzige Methode, sicher in das Zeitfenster der letzten Eiszeit und darüber hinaus blicken zu können, sagt Rother. Bis zu 200.000 Jahre alte Informationen können so aus dem Sand gewonnen werden.

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