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30.01.2006

15:10 Uhr

Bildung

Wissenschaftsrat will mehr Studenten und bessere Betreuung

Der Wissenschaftsrat hat Länder und Bund zu einem gewaltigen Ausbau der Hochschulen aufgefordert. Benötigt würden mehr hochqualifizierte Fachkräfte. Dafür gebe es aber zu wenig Studienplätze in Deutschland.

Hörsaal dpa

Hörsaal an der Karlsruher Universität (TH) Fridericiana (Archivbild vom 6.11.2002)

dpa BERLIN. Der Wissenschaftsrat hat Länder und Bund zu einem gewaltigen Ausbau der Hochschulen aufgefordert. Benötigt würden mehr hochqualifizierte Fachkräfte. Dafür gebe es aber zu wenig Studienplätze in Deutschland.

Zwischen 25 bis 30 Prozent mehr Studienplätze und Lehrkapazitäten seien erforderlich, wenn Deutschland den drohenden Fachkräftemangel vermeiden und seine internationale Wettbewerbsfähigkeit nicht weiter gefährden wolle, heißt es in der am Montag in Berlin vorgelegten Empfehlung. Wirtschaft und Gesellschaft stünden vor einem „dynamischen Strukturwandel“.

In seinem Gutachten plädiert das wichtigste wissenschaftliche Beratergremium für mehr Abiturienten, Studenten und mehr erfolgreiche Hochschulabsolventen. Statt wie heute 40 Prozent sollen künftig mindestens 50 Prozent der Schulabgänger eine Studienberechtigung erwerben. 35 Prozent eines Altersjahrganges möchte der Wissenschaftsrat künftig als Jungakademiker von den Hochschulen ins Arbeitsleben entlassen. Heute sind dies knapp 20 Prozent. Durch bessere Betreuung und durch den schneller zu erwerbenden Bachelor-Abschluss soll zugleich die Zahl der Studienabbrecher deutlich verringert werden.

Viele Bundesländer haben in den vergangenen Jahren aus Spargründen jedoch Studienplätze in erheblichem Umfang abgebaut und ganze Fakultäten geschlossen. Für jeden zweiten Studiengang gilt inzwischen ein örtlicher Numerus clausus.

Der scheidende Vorsitzende des Wissenschaftsrates, Karl Max Einhäupl, verwies darauf, dass andere Industrienationen längst höhere Akademikerquoten hätten. Mehr Bildungsinvestitionen „kosten relativ wenig, bringen aber der Volkswirtschaft enorm viel Nutzen“.

Eindringlich mahnt der Wissenschaftsrat, das „Reservoir an Talenten“ der jetzt an die Hochschulen drängenden geburtenstarken Abiturientenjahrgänge auszuschöpfen und auch diesen jungen Leuten eine Studienchance zu geben. Die von Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) und den Ländern angestrebte gemeinsame Hochschulhilfe müsse „kurzfristig in Angriff“ genommen werden und langfristig wirken, unterstrichen Einhäupl wie sein Nachfolger Peter Strohschneider. An einer Ausweitung der Hochschul-Ausbildung führe auf Dauer in Deutschland kein Weg vorbei.

Der Wissenschaftsrat fordert auch die ostdeutschen Länder auf, trotz des dort erheblichen Rückganges der Geburtenzahlen ihre Studienkapazitäten „weitgehend beizubehalten“ und Forschung und Entwicklung an ihren Hochschulen zu stärken.

Zur künftigen Finanzierung des Hochschulsystems fordert der Wissenschaftsrat von Ländern und Bund eine neue Grundsatzdebatte. Während im föderalen Wettbewerb Forschungsinvestitionen der Länder durch zusätzliche Bundesmittel erheblich belohnt würden, gebe es bei Lehre und Studium keine „ausreichenden Anreize“ für die bedarfsgerechte Bereitstellung zusätzlicher Studienplätze. Dies könne dazu führen, dass Länder sogar zu Lasten der Ausbildung Gelder in die Forschung umlenken.

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