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25.09.2013

11:28 Uhr

Biologie

Hummeln machen ihr Glück in der Fremde

So strikt wie bislang angenommen scheinen die Hierarchien in Insektenstaaten nicht zu sein. Zumindest bei Erdhummeln haben Arbeiterinnen Chancen auf sozialen Aufstieg – wenn sie ihr Glück in anderen Kolonien suchen.

Erdhummeln wechseln gern in fremde Nester und vermehren sich dort sogar. dpa

Erdhummeln wechseln gern in fremde Nester und vermehren sich dort sogar.

LondonArbeiterinnen von Insektenstatten gelten gemeinhin als Beispiel für totale Unterordnung und absolute Selbstlosigkeit: Sie opfern ihre gesamte Energie für den Staat und damit für ihre nahen Verwandten, die Nachkommen der Königin. Sie selbst pflanzen sich nicht direkt fort.

Doch zumindest für Erdhummeln scheint diese These nicht mehr haltbar zu sein, wie französische Forscher herausfanden. Sie konnten nachweisen, dass bei Erdhummeln auch einfache Arbeiterinnen durchaus eine Chance auf sozialen Aufstieg haben. Öfter als bisher angenommen wechseln sie in fremde Nester und vermehren sich dort sogar, wie das Team in den „Proceedings B“ der britischen Royal Society berichtet.

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Pierre Blacher von der Universität Paris und Kollegen hatten das Verhalten von 665 individuell markierten Erdhummeln (Bombus terrestris) untersucht. Diese konnten zwischen einer Reihe kleiner künstlicher Nester auf dem Dach eines Laborgebäudes wählen. Ergebnis: Etwa jede dritte Arbeiterin besuchte ein fremdes Nest, viele auch verschiedene Nester. Zuweilen blieben sie auch ganz in diesen Nachbarkolonien, ohne von den Einheimischen behindert oder attackiert zu werden.

Dieses Erkunden und eventuelle Wechseln in andere Nester hänge anscheinend mit der Fruchtbarkeit der Arbeiterinnen zusammen, schreibt Blacher. In einer frühen Phase der Koloniebildung sind sie nämlich durchaus in der Lage, sich zu vermehren. Erst mit zunehmender Größe der Kolonie wandeln sie sich zu reinen Helferinnen der dann allein fruchtbaren Königin.

Mit einem Trick erzeugte der Biologe in jeder Kolonie Arbeiterinnen verschiedener Fruchtbarkeit. Isolierte er die Tiere einige Tage in Gruppen zu drei Hummeln, so bildete sich eine Hierarchie heraus, in der das älteste Tier fruchtbarer wurde als die anderen beiden. Die fruchtbarsten der drei Tiere aber, so fand der Biologe, erwiesen sich auch als deutlich wechselfreudiger - sie besuchten um etwa 20 Prozent häufiger die fremden Versuchskolonien, und pflanzten sich dort auch häufiger fort.

Dies zeige, dass die Fortpflanzungsstrategien der Hummeln viel flexibler seien als bisher geglaubt, folgert der Biologe. Arbeiterinnen sind nicht nur fruchtbar, sondern suchen offenbar ganz gezielt ihr Glück in fremden Nestern, um dort ihre Gene einzubringen.

Von

dpa

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