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19.11.2014

14:09 Uhr

Biologie

Markierte Fische sind leichtere Beute

Um die Wanderungen von Tieren zu untersuchen, markieren Wissenschaftler gerne einzelne Exemplare mit Peilsendern. Zumindest für Fische kann diese Kennzeichnung aber höchst fatale Folgen haben, wie Forscher ermittelten.

Kegelrobben sind sehr lernfähig und machen sich die Geräusche der Peilsender für ihre Beutezüge zunutze. dpa

Kegelrobben sind sehr lernfähig und machen sich die Geräusche der Peilsender für ihre Beutezüge zunutze.

Mit einem Sender markierte Fische, deren Wanderungswege die Wissenschaft erforschen will, werden offenbar zur leichten Beute für Robben: Versuche mit Kegelrobben in Gefangenschaft hätten ergeben, dass diese rasch lernten, den von den Sendern ausgestrahlten Ton als Zeichen für eine leichte Beute zu erkennen, berichteten britische Forscher am Mittwoch im Fachmagazin „Proceedings of the Royal Society B“.

In Untersuchungen zum Überleben oder zur Wanderung von Fischen werden solche Sender mit Ultraschallfrequenz häufig eingesetzt. Frühere Studien hatten bereits die Vermutung erbracht, dass die Töne der Sender, die für die Fische nicht wahrnehmbar sein sollen, von manchen natürlichen Feinden gehört werden können. Die nun veröffentlichte Untersuchung ist aber die erste Studie, die nachweist, dass Robben es sogar lernen können, diese Töne als Zeichen für eine leichte Beute einzuordnen.

Für den Versuch wurden zehn junge Kegelrobben, die zuvor nie mit solchen Sendern in Berührung gekommen waren, in einem Wasserbecken mit zwanzig Kästen ausgesetzt. In die Kästen wurden markierte und unmarkierte Fische nach dem Zufallsprinzip eingesetzt; dann wurden 20 „Fressversuche“ gestartet. Wie sich zeigte, fanden die Kegelrobben die markierten Fische in den späteren Versuchen deutlich schneller. Die Robben hätten somit „die angelernte Nutzung der akustischen Markierung für das Auffinden von Essen“ aufgezeigt, so die Forscher.

Bei jedem neuen Versuch benötigten die Kegelrobben rund fünf Prozent weniger Zeit, um den Kasten mit dem Sender darin zu finden. Und sie schwammen sehr viel häufiger zu den Kästen mit den markierten Fischen als zu leeren Kästen oder zu Kästen mit Fischen ohne Sender.

Die Wissenschaftler vermuten, dass ähnliche Auswirkungen auf das Ökosystem auch für andere vom Menschen markierte Tierarten wahrscheinlich seien. So könnten markierte Haie womöglich weniger erfolgreich bei der Jagd nach Beute sein, weil Robben oder andere potenzielle Beutetiere das Signal registrieren und rechtzeitig die Flucht ergreifen. Daher sollten bei der Nutzung von akustischen Markierungen alle Auswirkungen auf die Umwelt bedacht werden, raten die Forscher.

Von

afp

/ Paris

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