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24.08.2011

11:11 Uhr

Biologie

Unbekannte Artenvielfalt

Mehr als acht Millionen Arten bevölkern die Erde, so das Ergebnis einer aktuellen Untersuchung. Die meisten davon sind dem Menschen noch unbekannt – und werden es wohl für immer bleiben.

Diese Grundel-Art entdeckten Forscher erstmals 2010 im Golf von Honduras. In den Ozeanen sind nach aktuellen Schätzungen noch mehr als 90 Prozent aller Arten unentdeckt. dapd

Diese Grundel-Art entdeckten Forscher erstmals 2010 im Golf von Honduras. In den Ozeanen sind nach aktuellen Schätzungen noch mehr als 90 Prozent aller Arten unentdeckt.

San FranciscoRund 8,7 Millionen Arten leben auf der Erde, den Großteil davon hat der Mensch noch nie zu Gesicht bekommen. Das belegt eine Untersuchung amerikanischer und britischer Forscher, die im Fachjournal „PLoS Biology“ erschienen ist.

Bisherige Schätzungen zur globalen Artenvielfalt gingen weit auseinander: Die Zahlen lagen zwischen drei Millionen und 100 Millionen. Mit einer neuen Untersuchungstechnik gelang es den Wissenschaftlern des Forschungsprojekts "Census of Marine Life" nun, die Spanne stark einzugrenzen: Die Forscher analysierten die Verteilung der gut bekannten Arten im Stammbaum aller Lebewesen und schlossen daraus auf die Gesamtzahl aller Arten. So kamen sie auf 8,7 Millionen – plus, minus 1,3 Millionen.

Bei ihrer Analyse zählten die Forscher nur die auf der Welt existierenden Lebewesen, die einen Zellkern haben, also sogenannte Eukaryoten. Lebewesen ohne Zellkern, etwa Bakterien, wurden nicht mit in die Schätzung aufgenommen. Der mit Abstand größte Teil der auf der Welt lebenden Arten seien Tiere (knapp 7,8 Millionen), gefolgt von Pilzen (rund 610.000) und Pflanzen (knapp 300.000), so die Wissenschaftler. Rund ein Viertel aller Arten lebe in den Ozeanen.

Die meisten dieser Lebewesen sind dem Menschen allerdings noch völlig unbekannt. 86 Prozent aller an Land lebenden Arten dürften noch nicht entdeckt sein, schätzen die Wissenschaftler, in den Ozeanen sind es sogar 91 Prozent. Würden die verbleibenden Arten mit Hilfe heutiger Methoden und bei heutigen Kosten beschrieben, müssten über 300.000 Taxonomen 1200 Jahre lang arbeiten. Ein solches Vorhaben würde rund 250 Milliarden Euro verschlingen.

Allerdings dürfte ein großer Teil dieser Artenvielfalt für immer menschlicher Erforschung entziehen. Schon heute führt die Rote Liste bedrohter Arten rund 19.000 gefährdete Spezies auf. Schließt man von dieser Zahl auf die Anzahl noch unbekannter Arten, die gefährdet sind, so dürften hunderttausende Spezies aussterben, bevor sie überhaupt vom Menschen wahrgenommen wurden.

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