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26.09.2016

08:25 Uhr

Biosphäre 2

Eine der schlechtesten Ideen des Jahrhunderts

Abgeschottet Leben wie auf dem Mars, solche Experimente hat es in jüngerer Zeit häufiger gegeben. Keines war aber so radikal wie „Biosphäre 2“, das vor 25 Jahren startete – und anders ausging als geplant.

Vor 25 Jahre startete hier das erste Langzeitexperiment zum Leben in einem autarken Ökosystem. dpa

Forschungsstation Biosphäre 2

Vor 25 Jahre startete hier das erste Langzeitexperiment zum Leben in einem autarken Ökosystem.

New YorkMit großen Hoffnungen zogen acht Wissenschaftler vor 25 Jahren, am 26. September 1991, in einen Kuppelbau im US-Bundesstaat Arizona ein. „Biosphäre 2“ hieß das Projekt: Die vier Männer und vier Frauen sollten in dem Bau aus Glas und Stahl gemeinsam mit rund 3800 Tier- und Pflanzenarten in einem autarken Ökosystem leben.

Das von dem US-Milliardär Edward Bass mit rund 150 Millionen Dollar finanzierte Experiment sollte beweisen, dass in einem von der Außenwelt so gut wie vollständig abgeschlossenen Ökosystem Leben möglich ist. Ein Experiment auch im Hinblick auf potenzielle Siedlungen auf Mond oder Mars.

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Leben in einer Kuppel, umgeben von einer kargen Landschaft wie auf dem Mars: Für eine Gruppe von Forschern war das ein Jahr lang real. Nun ist die entbehrungsreiche Simulation vorbei - die Erde hat die Marsianer wieder.

Wie geplant war das Projekt zwei Jahre nach dem Einzug vorbei – gescheitert, wie viele Beobachter sagten. „Es bedarf großer Anerkennung für diese acht Menschen, dass wir überhaupt gemeinsam hier rauslaufen konnten“, sagte Teilnehmerin Abigail Alling später in einem Interview. „Menschliche Gruppendynamik“ sei in dem Kuppelbau die größte Herausforderung gewesen, Details wollte sie keine nennen.

Schon kurz nach Beginn des Projekts hatte sich eine Teilnehmerin aus Versehen bei der Arbeit an einer Dreschmaschine eine Fingerspitze abgeschnitten und musste den Kuppelbau verlassen, um sich behandeln zu lassen. Als sie zurückkam, brachte sie entgegen der Vorgaben zwei Taschen voller Proviant mit. Tausende weitere kleine Dinge wurden in den zwei Jahren in das Glashaus gebracht, darunter Saatgut, Schlaftabletten und Mausefallen.

Den Bionauten gelang es zwar, sich zu 88 Prozent durch den Anbau von Pflanzen sowie der Haltung von Ziegen und Hühnern zu ernähren, sie nutzten jedoch auch eingelagerte Vorräte. Völlig autark war die Biosphäre nie.

Probleme bereiteten den Probanden auch Kakerlaken und Ameisen, die sich in dem Bau massenhaft ausbreiteten. Als die Teilnehmer herauskamen, wirkten sie bleich und abgemagert. Rund 15 Prozent ihres Gewichts verloren sie durchschnittlich im Lauf des Experiments.

Zudem kam heraus, dass die Veranstalter eine Art Kohlendioxid-Sauger eingebaut und Sauerstoff von außen zugeführt hatten. So einfach ließ sich das Leben auf der Erde (der Biosphäre 1) eben doch nicht nachahmen.

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