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12.10.2014

12:30 Uhr

Bitterer Lohn

Ebola-Helfer werden sozial isoliert und vertrieben

Sie riskieren alles, um anderen zu helfen. Doch in Liberia zahlen die Helfer dafür einen hohen Preis: Anstatt sie als Helden zu feiern, verstößt die Gesellschaft ihre Ärzte, Krankenschwestern und Leichenbestatter.

Helfer im Kampf gegen das Ebola-Virus werden stigmatisiert und ausgegrenzt. AFP

Helfer im Kampf gegen das Ebola-Virus werden stigmatisiert und ausgegrenzt.

MonroviaJorgbor Guwor hat einen gefährlichen Job: Der 53-Jährige reinigt und desinfiziert Schutzanzüge und medizinische Ausrüstung in einer Ebola-Klinik in Libera. „Wir waschen die Stiefel, Schürzen und Handschuhe, damit sie wieder verwendet werden können“, erklärt der Vater von fünf Kindern. Die Anzüge kommen aus dem Hochrisiko-Bereich der Klinik in der Hauptstadt Monrovia. Sie wird von der Hilfsorganisation International Medical Corps betrieben.

Für das Gesundheitspersonal in Liberia ist die Arbeit zur Gefahr geworden. Anstatt wie sonst weiße, gestärkte Krankenhausuniformen warten nun Schutzanzüge und Gesichtsmasken. Bislang hat der Ebola-Ausbruch allein in Liberia mehr als 2300 Menschen das Leben gekostet, darunter viele Ärzte, Krankenschwestern und Helfer.

Wie sich Ebola verbreitet

Wann ist Ebola ansteckend?

Nur dann, wenn jemand bereits Symptome zeigt. Diese können allerdings unspezifisch sein. Die Krankheit kann mit Fieber, grippeähnlichen Schmerzen und Unterleibsschmerzen beginnen, später können Erbrechen und Durchfall folgen.

Wie breitet sich Ebola aus?

Durch Körperflüssigkeiten einer infizierten Person. Dazu zählen Blut, Schweiß, Erbrochenes, Urin, Kot, Speichel und Sperma. Diese Flüssigkeiten müssen bei einem anderen Menschen einen Eingangspunkt finden, sie können durch einen Schnitt oder Kratzer eindringen. Das Virus kann zudem weitergereicht werden, wenn jemand mit kontaminierten Händen die Nase, den Mund oder die Augen eines anderen berührt. Oder jemand wird mit den kontaminierten Flüssigkeiten angespritzt. Darum tragen Gesundheitsmitarbeiter Schutzhandschuhe und andere Schutzausrüstung.

Die Weltgesundheitsorganisation teilte mit, Blut, Stuhl und Erbrochenes seien die am stärksten ansteckenden Flüssigkeiten. In Speichel sei der Virus nur bei schwer erkrankten Menschen entdeckt worden, aus Schweiß sei er noch nicht entnommen worden.

Was passiert bei zufälligem Kontakt mit einem Infizierten?

Ebola wird nicht durch die Luft übertragen. Der Direktor der US-Seuchenbehörde (CDC), Tom Frieden, sagte, Menschen steckten sich nicht an, wenn sie beispielsweise nur in einem Bus neben einem Ebola-Patienten sitzen. „Es ist nicht wie bei der Grippe. Es ist nicht wie bei Masern, nicht wie bei der gewöhnlichen Erkältung. Es breitet sich nicht so aus“, sagte er.

Können Hunde das Virus übertragen?

Das weiß man noch nicht genau. Die Behörden schläferten den Hund der spanischen Krankenschwester ein, bei der Ebola diagnostiziert worden war. Es ist aber kein Fall dokumentiert, in dem jemals Ebola von einem Hund auf einen Menschen übertragen wurde. Aber es gibt eine Studie, nach der es möglich sein soll, dass Hunde Ebola bekommen können - ohne Symptome zu zeigen.

Wie wird vorgegangen, wenn ein Ebola-Verdacht besteht?

Die Krankenhäuser, die einen Verdachtsfall haben, informieren ihr Gesundheitsministerium oder die Seuchenbehörde. Dann wird eine Checkliste durchgegangen, um festzustellen, wie hoch das Risiko ist. So wird unter anderem gefragt, ob die Person von einem riskanten Kontakt mit einem bekannten Ebola-Patienten berichtet hat, wie krank sie ist und ob eine andere Diagnose wahrscheinlicher ist.

Guwor zahlt einen hohen Preis dafür, dass er seinen Hochrisiko-Job immer noch macht. Viele Verwandte und Freunde meiden den Kontakt mit ihm. Sie fürchten, dass er infiziert ist. Er fühle sich isoliert und einsam, sagt er. Viele Kollegen hätten ähnliches erlebt. „Die Öffentlichkeit sollte uns nicht stigmatisieren. Denn wenn sich niemand freiwillig meldet, wer soll dann Ebola bekämpfen? Wer soll die Leute behandeln, die uns jetzt zurückstoßen, falls sie sich infizieren?“

Doch die Furcht vor dem unheimlichen tödlichen Fieber sitzt tief. Auch wenn das Virus erst übertragen wird, wenn eine Infizierter Symptome zeigt. Zudem wird Ebola nur durch direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten wie Blut, Urin oder Erbrochenem übertragen.

Viele Liberier mit einem Job im Gesundheitsbereich haben begonnen, dies zu verheimlichen. „Wir vermeiden es, unsere Uniformen in der Öffentlichkeit zu tragen, weil uns dann alle meiden“, sagt die Krankenschwester Mabel Saybay. Sie zieht sich erst im Krankenhaus um.

Aber die Stigmatisierung nimmt noch viel schlimmere Formen an: Hausbesitzer werfen Menschen, die in Kliniken arbeiten oder Ebola-Tote bergen und bestatten, aus ihren Wohnungen. Sam Kolleh gehört ein Wohnhaus in Monrovia. Er vermiete nicht an Gesundheitspersonal, sagt er. „Nicht, weil ich ihre Arbeit nicht schätze. Aber ich will nicht, dass sich das Virus weiter ausbreitet.“ Die Regierung solle Zeltlager für die Helfer einrichten, schlägt er vor.

Helfer rauszuwerfen sei „völlig inakzeptabel und unpatriotisch“, wütet der stellvertretende Informationsminister Isaac Jackson. „Die Regierung wird das nicht hinnehmen.“ Warnungen der Behörden vor Strafverfolgung verhallen jedoch ungehört. Die Gemeindeführung in der Stadt Sinyea stellte Helfer kürzlich vor die Wahl: Job aufgeben oder den Ort verlassen. In Lofa im Norden des Landes werden Ärzte und Begräbnisteams immer wieder bedroht und weggejagt.

Trotz Aufklärungskampagnen halte sich in der ländlichen Region hartnäckig das Gerücht, dass die Ebola-Epidemie durch Gesundheitspersonal ausgelöst wurde, sagt ein Helfer aus Lofa. „Die Bewohner glauben, dass die Helfer böse Absichten haben, dass sie herkommen, um die Menschen mit der Krankheit zu infizieren.“

Der fatalen Stigmatisierung der Helfer fehle jede Grundlage, betonen Gesundheitsexperten. Ebola-Kliniken zählten zu den sichersten Orten im Land, das Personal sei gut informiert und befolge strenge Regeln. „Wir treffen viele Vorsichtsmaßnahmen“, sagt Stuart Sea, Sprecher des International Medical Corps in Guinea. Doch die Angst bleibt.

Von

dpa

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