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20.10.2014

11:26 Uhr

Blick in eine unsichtbare Welt

Der erste Zoo für Mikroben

Wir sind nicht allein: Milliarden Mikroben leben auf unserem Körper. Ekelhaft oder Horror? In Amsterdam eröffnet der weltweit erste Zoo für die kleinsten Wesen: Micropia.

Mikroben im Fokus: In Amsterdam hat der weltweit erste Zoo für die kleinsten Wesen eröffnet. AFP

Mikroben im Fokus: In Amsterdam hat der weltweit erste Zoo für die kleinsten Wesen eröffnet.

AmsterdamEin rotes Herz aus Plexiglas leuchtet verführerisch auf dem Boden. Ein Pärchen betritt es, umarmt sich zärtlich. Die Lippen treffen sich zum Kuss. Auf dem Videoschirm dahinter rattern Zahlen. Bingo: „Sie haben soeben eine Million Mikroben ausgetauscht.“ Zugegeben: Diese Botschaft ist so romantisch wie ein Heißwasserboiler. Doch der Kiss-o-Meter gehört auch nicht zu einer Datingshow, sondern ist der flammend rote Eye-Catcher von Micropia. Der weltweit erste Zoo für Mikroben wurde Ende September in Amsterdam eröffnet.

Der Amsterdamer Tierpark Artis, mit 176 Jahren einer der ältesten der Welt, erweitert damit seinen Tierbestand um die kleinsten und ältesten Lebewesen des Planeten. „Wir wollen kein Reservat für aussterbende Arten sein“, begründet das Artis-Direktor Haig Balian. „Wir wollen zeigen, dass alles in der Natur zusammenhängt.“

In Amsterdam hat der weltweit erste Zoo für die kleinsten Wesen eröffnet: Der pilzartige Pilobolus verteilt seine Sporen in der Vegatation. AFP

In Amsterdam hat der weltweit erste Zoo für die kleinsten Wesen eröffnet: Der pilzartige Pilobolus verteilt seine Sporen in der Vegatation.

Eine elegante graue Box in einem über 140 Jahre alten Gebäude des Zoos ist nun die neue Heimat von Bakterien, Schimmel, Algen, anderen Einzellern und Tieren, die nicht mit bloßem Auge sichtbar sind. Wesen, die das Leben auf dem Planeten erst möglich machen. Forscher schätzen, dass nur ein Prozent dieser kleinsten und ältesten Lebewesen überhaupt bekannt sind.

Bei den meisten Menschen jedoch erzeugt die Vorstellung an die Lebewesen Ekel, Angst - und wahrscheinlich auch einen unstillbaren Juckreiz. „Was man nicht kennt, macht Angst“, sagt Haig Balian. Micropia will diese unbekannte Welt sichtbar machen. „Wenn wir die Natur echt verstehen wollen“, davon ist Balian überzeugt, „dann müssen wir die Mikroben kennen lernen.“

Petrischalen mit verschiedenen Mikroben-Kulturen. AFP

Petrischalen mit verschiedenen Mikroben-Kulturen.

Und das fängt beim eigenen Körper an. „Du bist nicht allein“, säuselt leicht ironisch der muntere „Microman“ in einem Video. Jeder Mensch hat schätzungsweise eine Milliarde Arten Mikroben auf seinem Körper. Das kann jeder Besucher selbst feststellen mit einem Körper-Scan und einem Touch-Screen. „Allein 80 Sorten sind schon auf der Ferse“, sagt Direktor Balian.

Micropia ist eine Erfahrung, ein Museum, ein Labor aber eben auch ein Zoo. „Wir zeigen, wie Mikroben leben, wie sie sich ernähren und sich fortpflanzen“, verspricht der Direktor. Doch wie soll das gehen? Schließlich ist ein Bakterium etwa so klein, dass eine Million davon auf die Spitze einer Nadel passen würden.

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