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01.07.2011

11:19 Uhr

Blutspende

Keine Lust auf den Aderlass

Die deutschen Blutspendedienste leben „von der Hand in den Mund“ – denn die Bereitschaft zum Aderlass stagniert auf niedrigem Niveau, während der Bedarf an Blutkonserven stetig wächst.

Nur drei Prozent alle Bundesbürger gehen regelmäßig zur Blutspende. Nötig wäre die doppelte Zahl von Spendern. Quelle: dapd

Nur drei Prozent alle Bundesbürger gehen regelmäßig zur Blutspende. Nötig wäre die doppelte Zahl von Spendern.

BerlinDie deutschen Blutspendedienste sind in einer Zwickmühle. Der Bedarf an Blutspenden steigt kontinuierlich, aber die Bereitschaft dazu stagniert. Gerade einmal drei Prozent der Bundesbürger gehen nach Angaben des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) regelmäßig zum Aderlass. Gebraucht werden aber doppelt so viele Spender. „Wir leben von der Hand in den Mund“, sagt der Hagener DRK-Sprecher Friedrich-Ernst Düppe.

Der tägliche Bedarf der Krankenhäuser, Kliniken und Arztpraxen von rund 15.000 Vollblutspenden kann „gerade so“ gedeckt werden. Einen „Katastrophenvorrat“ gebe es aber nicht. „Das Problem wird sich in den nächsten Jahren noch verschärfen“, bestätigt Pressesprecherin Anja Grießer vom Institut für Transfusionsmedizin in Leipzig.

Der Grund für den wachsenden Bedarf ist vor allem die alternde Bevölkerung, die aus gesundheitlichen Gründen mehr fremdes Blut benötigt. Der größte Teil der jährlich rund fünf Millionen Blutkonserven werde dabei für Krebstherapien gebraucht. 26 Prozent der Spenden kämen diesen Patienten zugute, sagt Düppe.

Andererseits werden gerade aus der älteren Bevölkerungsgruppe auch die fleißigsten Spender rekrutiert. Rentner gingen im Schnitt dreimal im Jahr zur Blutspende, die Jungen hingegen lediglich 1,5-mal jährlich, sagt Düppe. „Um einen blutspendenden Senior zu ersetzen, brauchen wir zwei jüngere Blutspender“, folgert der DRK-Sprecher.

Vor allem die 25- bis 40-Jährigen verweigern sich laut Düppe dem Aderlass. „Sie haben andere Interessen.“ Dabei ist den meisten durchaus bewusst, wie wichtig Blutspenden ist. Umfragen zufolge wollen 70 Prozent der Deutschen spenden. Aber nur drei Prozent tun es tatsächlich.

Kommentare (4)

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Tom1972

01.07.2011, 13:33 Uhr

Wenn man völlig undifferenziert bestimmte Personengruppe vom Blutspenden ausschließt, dann muß man sich nicht wundern und darf auch nicht jammern. So gibt es z.B. in der Bundesrepublik Deutschland ca. 1,5 Millionen Schwule, die Blut spenden könnten, aber nicht dürfen! Da diese Personengruppe, laut Statistik, überdurchschnittlich stark sozial engagiert ist, geht hier eine große Zahl an Blutspendern verloren.

Spender

01.07.2011, 19:50 Uhr

Es ist vermutlich richtig, dass bei den meisten Spendern die finanzielle Entschädigung nicht ausschlaggebend ist, allerdings ist es auch nicht einzusehen, dass man als Spender der Einzige in der "Wertschöpfungskette" ist, der kein Geld sieht. Auch das DRK wird die Blutkonserven nicht nur zum Selbstkostenpreis weiterverkaufen. Und in der Altersgruppe 20-25 (Studenten) könnten finanzielle Anreize durchaus helfen.

B.Giertz

02.07.2011, 15:00 Uhr

Also ich glaube eher, dass der größere wirtschaftliche Druck ein wesentlicher Grund ist ist warum Menschen im erwerbsfähigen Alter weniger Blut spenden!
Analog hierzu sind die Probleme Ehrenämter zu besetzen!!

Alles muss schneller gehen effektiver sein und efizienter,
vor allem die menschliche Arbeit.
Dazu kommt noch das oft outsourcing-bedingt das Gehalt trotzdem kleiner ist.

Ich arbeite jede Woche 50 Stunden.
Mein Arbeitgeber ist ein Dienstleistungsunternehemen,
aber ich arbeite bei einem Kunden.
Da fehlt die Zeit und auch die Motivation zum Blutspenden!
Ich glaube auch, dass ich nach 10 Stunden meine Pflicht an die Gesellschaft erfüllt habe ...


Früher wäre ich bei diesem Kunden direkt angestellt worden und hätte für eine 40-Stunden Woche mehr Geld bekommen
(inflationsbereinigt).

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