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22.04.2016

12:14 Uhr

Bodenampeln für Handy-Nutzer

Ampeln für die Generation „Kopf-unten“

Jeder sechste Fußgänger ist im Straßenverkehr von seinem Smartphone abgelenkt und begibt sich so potenziell in Lebensgefahr. Angesichts der Gefahren testen einige Städte nun spezielle Ampeln für Handy-Nutzer.

Augsburg testet Lichtzeichen für Handy-Nutzer: Rote LED-Leuchten entlang des Bordsteins blinken, sobald das Fußgängersignal der Ampel auf Rot schaltet und sich eine Straßenbahn nähert. dpa

Rote Lichtsignale im Boden

Augsburg testet Lichtzeichen für Handy-Nutzer: Rote LED-Leuchten entlang des Bordsteins blinken, sobald das Fußgängersignal der Ampel auf Rot schaltet und sich eine Straßenbahn nähert.

AugsburgHandys bereiten den deutschen Nahverkehrsunternehmen seit rund zwei Jahrzehnten Kopfzerbrechen. Früher waren die Fahrgäste, die lautstark im Bus oder der Trambahn telefonieren, ein Ärgernis für andere. Mittlerweile gibt es diesbezüglich kaum noch Beschwerden. Dafür haben heutzutage die Fahrer Angst vor Fußgängern.

Menschen, die über die Straße laufen, schnell noch eine Nachricht in ihr Smartphone tippen und dabei nicht auf den Verkehr achten, sind mittlerweile das größere Problem. In Augsburg und Köln gibt es für die Generation „Kopf-unten“ inzwischen spezielle Ampeln: In den Boden eingebaute LED-Lichtleisten leuchten an neuralgischen Orten, wenn sich Straßenbahnen nähern.

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Im Auto, da kann es plötzlich ganz schnell gehen. Das Leben endet bei einem Unfall von einer Sekunde auf die nächste. In Europa sind die Zahlen der Verkehrstoten nun erstmals seit vielen Jahren wieder gestiegen. Warum?

Die Verkehrsbetriebe reagieren damit auf das Problem, dass es immer häufiger zu Unfällen mit abgelenkten Fußgängern kommt. So war es im März allein in München zu zwei schweren Unglücken gekommen. Eine 15 Jahre alte Schülerin wurde von einer Straßenbahn erfasst und getötet, weil sie Kopfhörer trug und unachtsam auf die Gleise lief.

Auf ähnliche Weise wurde ein 17-Jähriger in der bayerischen Landeshauptstadt schwer verletzt. In Witten im Ruhrgebiet lief im vergangenen August ein 19 Jahre alter Fußgänger vor eine Straßenbahn und starb – auch er hatte Kopfhörer auf.

Großversuch in sechs europäischen Metropolen

In Augsburg gab es zuletzt ebenfalls Unglücke mit Leichtverletzten oder Beinahe-Unfälle mit Fußgängern. Ein Mitarbeiter der Stadtwerke hatte deshalb die Idee, an zwei Straßenbahn-Übergängen Warnlichter in den Boden einzubauen, die rot blinken, wenn sich eine Bahn nähert. „Die Zahl der gefährlichen Situationen hat deutlich zugenommen“, erklärt Augsburgs Stadtwerke-Sprecher Jürgen Fergg.

Die Dekra hat erst vor wenigen Wochen in einer Studie festgestellt, dass etwa jeder sechste Fußgänger ein Smartphone nutzt, während er am Straßenverkehr teilnimmt. Wissenschaftler hatten dafür rund 14.000 Passanten in sechs europäischen Großstädten – Berlin, Amsterdam, Brüssel, Paris, Rom und Stockholm – beobachtet.

Besonders problematisch: Knapp acht Prozent der Fußgänger tippten beim Überqueren der Fahrbahn in ihr Handy. „Wie zu erwarten war, benutzten jüngere Fußgänger tendenziell häufiger das Smartphone als ältere“, teilte die Dekra Unfallforschung mit. In der Altersgruppe zwischen 25 und 35 Jahren daddelte etwa jeder Vierte mit dem Handy.

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