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20.02.2004

09:00 Uhr

Bosch Siemens rüstet Hausgeräte mit Netzanschluss aus

Der Kampf um die Küche hat begonnen

VonAxel Postinett

„Es ist ein Zukunftsmarkt und wir wollen ihn besetzen“, sagt Horst Turocha, beim Hausgerätehersteller Bosch-Siemens (BSH) zuständig für Markenmanagement. Er meint die neue vernetzbare Hausgeräteserie von BSH. Doch noch klingt es irgendwie eher trotzig als optimistisch. Denn um die Vernetzung von Haushaltsgeräten war es zuletzt ziemlich still geworden.

DÜSSELDORF. Während sich die Unterhaltungselektronik mit riesigen Schritten in das Digitalzeitalter bewegte, konnten sich die Hausgerätehersteller erst jetzt auf gemeinsame Standards wie „Konnex“ einigen.

Doch jetzt soll aufgeholt werden. Als erster prescht BHS mit „serve@home“ in den Markt. Vom Backofen über Waschmaschine und Gefrierschrank bis zur Dunstabzugshaube, sind alle Geräte für die Vernetzung vorbereitet. So genannte „SI-Module“ nehmen über die Stromleitung Verbindung zu einem zentralen Steuergerät auf, das wiederum drahtlos mit einem Tablet-PC oder einem Handy verbunden ist.

Mobiltelefon und Computer steuern und überwachen die Hausgeräte aus der Ferne. Und die Waschmaschine kann in Zukunft selbst den Service anrufen, wenn der Motor streikt oder Alarm schlagen, wenn Wasser ausläuft. Der Aufpreis für die Netzfähigkeit beträgt rund 50 Euro pro Gerät, weitere 100 Euro werden pro SI-Einheit fällig, die auch später nachgerüstet werden kann. Rund 4 000 Euro verschlingen Tablet-PC, Steuergerät und das Modem für die Übertragung der Daten per Stromleitung. Die Preise sollen sinken, wenn die Märkte größer werden. Bis 2008 will BSH „mehrere 10 000“ netzwerkfähige Geräte absetzen.

Auch Miele will im Laufe des Jahres vernetzbare Basisgeräte ausliefern. Die Gesamtlösung „miele@ home“ – schon 2001 auf der Domotechnica präsentiert – wird aber frühestens 2005 starten, wenn die Zentraleinheit fertig ist. Dann, so Miele-Sprecherin Reinhild Portmann, wird die Küche zur Kommunikationszentrale. „Insellösungen“ wollen beide Firmen vermeiden. „Unser erklärtes Ziel ist Kompatibilität“, sagen Turocha und Portmann unisono. Alle Konnex-fähigen Geräte können miteinander kombiniert werden.

Um aber die restliche Haustechnik wie Heizung, Rollladen oder Licht sowie die Unterhaltungs- und Kommunikationstechnik wie das TV-Gerät und den PC einzubinden, muss noch eine weitere verbindende Softwareschicht – sozusagen ein Übersetzer – über alle Netze gelegt werden. BSH setzt bei serve@home auf den OSGi-Standard, der von Unternehmen wie Motorola, Deutsche Telekom, IBM oder Bosch unterstützt wird. Auch Miele vertraut bei der Zentraleinheit miele@home – die wie jedes andere Gerät auch in eine Einbauküche integriert werden kann – auf die Schnittstellen des Microsoft-Konkurrenten.

OSGi bietet einen offenen Standard, damit Drittanbieter Dienste wie Telemedizin, Hausüberwachung oder Fernwartung erstellen können, die auf die Geräte im Haus zurückgreifen können. Susan Schwarze von OSGi: „Es wäre etwa denkbar, MHP über Schnittstellen zu integrieren.“ MHP (Mutimedia Home Plattform) ist eine Plattform für das Digitalfernsehen der Zukunft, die von über 300 Unternehmen getragen wird. Dann könnte man über das Handy von Unterwegs nicht nur die Spülmaschine einschalten, sondern auch den DVD-Rekorder starten.

Die Chancen auf eine schnelle weitere Standardisierung zu Gunsten der Verbraucher stehen also nicht schlecht. Auch, weil die Angst steigt, bei der Verteilung des Kuchens nicht mit dabei zu sein: „Hier tobt ein Kampf um einen neuen Markt, der so nur einmal alle zehn Jahre ausgetragen wird und Branchen wie die Unterhaltungselektronik, IT, Telekommunikation und Medien nachhaltig beeinflusst“, sagt Rudy Provoost von Philips Consumer Electronics. Das Multimedia- Kontrollgerät „iPronto“ von Philips nutzt bereits OSGi-kompatible Software zur Gerätesteuerung. Man weiß ja nie.

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