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03.04.2012

15:15 Uhr

"Brain drain" gestoppt

Professoren auf Heimatkurs

VonBarbara Gillmann

Bessere Bezahlung und unabhängigeres Forschen: Jahrelang lockte das deutsche Forscher in die USA und den Rest der Welt. Doch der sogenannte „brain drain“ scheint gestoppt - immer mehr Top-Forscher kehren zurück.

Vorlesung an der Bochumer Ruhr-Universität. Top-Forscher kehren nach Deutschland zurück. dpa

Vorlesung an der Bochumer Ruhr-Universität. Top-Forscher kehren nach Deutschland zurück.

BerlinEin Wort wurde in den Jahren nach 2000 zum Schreckgespenst der deutschen Wissenschaft: „Brain Drain“. Die besten Köpfe gingen, vor allem in die USA. Dort konnten sie unabhängiger forschen als an deutschen Unis – und wurden besser bezahlt.

Mittlerweile gelingt es, mehr Top-Forscher zurückzuholen. Das liegt unter anderem an einigen Tausend neuen Stellen, die im Zuge der sogenannten Exzellenzinitiative entstanden sind – dem mit 1,9 Milliarden Euro dotierten Wettbewerb für die Hochschulforschung. Zurückgekehrt sind beispielsweise 52 Spitzenwissenschaftler, die die German Scholar Organisation (GSO) mit einer Förderung der Krupp-Stiftung überzeugte.

Brain Drain

Was ist „brain drain“?

’brain drain’ bedeutet wörtlich „Gehirn-Abfluss“ und bezeichnet den Verlust von hochqualifizierten Forschern. Die Intelligenz einer Volkswirtschaft verschwindet sozusagen.

Wieso ist das problematisch?

Zwar sind Auslandsaufenthalte gerade in der Wissenschaft eine normale Karrierephase. Schädlich wurde dies jedoch dadurch, dass mehr Nachwuchsforscher ins Ausland gingen als ausländische dafür nach Deutschland kamen - und die besten weg blieben. 

Zur Rückkehr bewegen

Seit Jahren bemühen sich die Wissenschaftsorganisationen und die Politik daher, mehr Forscher zur Rückkehr zu bewegen. 

Maßnahmen?

Die German Scholar Organisation hat dafür die Krupp-Stiftung ins Boot gehoholt. Aus ’brain drain’ soll zumindest eine ’brain circulation’, im Idealfall gar ein ’brain gain’ werden.

Die Hälfte der Rückkehrer forschte zuvor in den USA oder Kanada, der Rest in Europa, vor allem in Großbritannien. Fast alle hatten die Wahl, an ihrer ausländischen Uni zu bleiben oder an eine andere zu gehen. Doch sie entschieden sich für Deutschland: Vor allem wegen der „guten oder sehr guten Arbeitsbedingungen“, gaben sie in einer Umfrage der GSO an, die dem Handelsblatt vorliegt.

Geholfen hat das Geld der Krupp-Stiftung, die seit 2006 die Anwerbung von abgewanderten Forschern mit je bis zu  100 000 Euro fördert. Davon können Professoren fünf Jahre lang zwei Doktoranden zusätzlich engagieren, ein Laborgerät kaufen oder schlicht ihr Gehalt aufstocken.

Das ist im Zweifel entscheidend, denn noch sind die Bedingungen hierzulande nicht wirklich wettbewerbsfähig, sagt die Geschäftsführerin der GSO, Sabine Jung: „Deutschland wird besser, aber die Ansprüche der Topforscher wachsen noch schneller. Die Spitzenwissenschaftler, die wir wollen, sind international immer stärker umkämpft.“

Das Krupp-Stipendium entstand in der Folge der Brain-Drain-Debatte nach der Jahrtausendwende: Mehr und mehr Forscher wanderten ab, vor allem junge Postdocs suchten ihr Heil in der Ferne. Studien zeigten zwar, dass 85 Prozent irgendwann wieder heimkehrten – unterm Strich aber blieb ein Teil weg, im Zweifel die Besseren. Noch problematischer war das Signal an die heimische Forschergemeinde: Wer hierbleibe, gehöre schon zur Negativauslese.

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