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02.02.2012

13:30 Uhr

Brandschutz

Forscher will Elefanten nach Australien bringen

Elefanten als Brandschützer in Australien: Die Dickhäuter könnten nach Ansicht eines Ökologen helfen, die teils verheerenden Buschbrände auf dem Kontinent zu verhindern. Der Einsatz ist allerdings nicht ohne Risiko.

Ein afrikanischer Elefant im hohen Steppengras des Krüger Nationalparks in Südafrika. David Bowman von der University of Tasmania ist davon überzeugt, dass sich die Gefahr von Bränden im australischen Buschland mit der Besiedlung durch Elefanten eindämmen lassen könnte. dpa

Ein afrikanischer Elefant im hohen Steppengras des Krüger Nationalparks in Südafrika. David Bowman von der University of Tasmania ist davon überzeugt, dass sich die Gefahr von Bränden im australischen Buschland mit der Besiedlung durch Elefanten eindämmen lassen könnte.

London/Sydney/DüsseldorfElefanten sollen zum Brandschutz in Australien beitragen, indem sie Savannengras fressen. Diesen ungewöhnlichen Vorschlag macht der Ökologe David Bowman von der Universität Tasmanien im renommierten britischen Fachjournal „Nature“.

Nach den Plänen des Ökologen sollen die Elefanten vor allem das aus ihrer Heimat Afrika stammende Savannengras („Gamba grass“) vernaschen. Das ursprünglich als Weidegras eingeführte Gewächs ist ein wahrer Brandbeschleuniger. Versuche, sein Wachstum einzudämmen, waren bisher wenig erfolgreich.

Für in Australien einheimische Pflanzenfresser wie Kängurus und für eingeschleppte aber inzwischen heimische Arten wie Rinder und Büffel ist das Savannengras zu groß, sie rühren es nicht an. Die Alternative zum Ansiedeln von Elefanten wären daher Pestizide oder das mechanische Entfernen des eingeschleppten Savannengrases, was Lebensräume zerstören würde. Große Pflanzenfresser wie Elefanten und Nashörner wären nach Auffassung des Ökologen Bowman sowohl sinnvoller als auch kostengünstiger. Außerdem ließen sich so Arten aus Afrika ansiedeln, die in ihrer ursprünglichen Heimat Afrika vom Aussterben bedroht seien.

In der Vergangenheit haben eingeschleppte Tier- und Pflanzenarten oft die Ökologie von Australien erheblich aus dem Gleichgewicht gebracht. Dies gilt zum Beispiel für die aus Amerika stammende Aga-Kröte, die in Australien Schädlinge auf Zuckerrohrplantagen bekämpfen sollte. Die Riesenkröten haben sich stark ausgebreitet und führen mit ihrem giftigen Hautdrüsensekret einen wahren Kreuzzug gegen heimische Tiere. Ihm sei bewusst, dass Versuche mit künstlich in ein Ökosystem eingeführten Tieren häufig Plagen zur Folge gehabt hätten, so Bowman.

Trotzdem ist Bowman vom Erfolg der Elefanten überzeugt. Da die bisherigen Ansätze zum Schutz vor Bränden nicht funktionierten, müssten alle Möglichkeiten in Betracht gezogen werden. Allerdings räumt er auch erhebliche Risiken ein. Er schlägt vor, die Ansiedlung der Elefanten mit Überwachungs-Studien und Managementmethode zu kontrollieren, die bereits in Wildparks angewendet werden. Dazu gehören unter anderem Zäune, die Beschränkung von Wasser und Nahrung, eine Einschränkung der Fortpflanzung und eine Jagd zur kontrollierten Reduktion der Bestände.

Jedes Jahr verwüsten verheerende Brände Teile Australiens. Zu einer Katastrophe kam es am 7. Februar 2009, dem sogenannten Schwarzen Samstag. Damals starben mindestens 173 Menschen durch einen gewaltigen Feuersturm. In jüngster Zeit beobachten Forscher außerdem eine Zunahme der Waldbrände. Laut „Nature“ verbrannten im vergangenen Jahre rund fünf Prozent des Landes - möglicherweise eine Folge des Klimawandels.

 

Eine deutsche Übersetzung des „Nature“-Artikels finden Sie bei unseren Kollegen von Spektrum.de.

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