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17.02.2012

13:23 Uhr

Brugada-Symptom

Schneller laufen als der Tod

Der Tod kommt plötzlich – und er trifft Menschen, die bis dahin völlig gesund erschienen. Jahr für Jahr sterben hierzulande mehr als 15.000 Menschen an dem gefährlichen Brugada-Syndrom.

Selbst im EKG ist die Krankheit nicht immer nachweisbar. dapd

Selbst im EKG ist die Krankheit nicht immer nachweisbar.

BerlinMehr als 180 Mal hat Gritt Liebing dem Tod bereits ins Auge gesehen. Das Leben der 46-jährigen Buchautorin und Sportlerin hängt an einem kleinen Gerät, so groß wie eine Streichholzschachtel. Der Defibrillator schießt einen Elektroschock durch ihren Körper, wenn ihr Herz mal wieder einen Kurzschluss erleidet.

Liebing leidet am Brugada-Syndrom. Die Betroffenen tragen von Geburt an einen genetischen Defekt in sich und fühlen sich trotzdem kerngesund. Doch die ersten Symptome können bereits tödliche Folgen haben.

Bei einem Teil der Betroffenen kommt es immer wieder zu Herzrhythmusstörungen, die in einer Bewusstlosigkeit enden können. Ein anderer Teil erleidet ohne Vorankündigung ein bösartiges Kammerflimmern und stirbt daran.

„Ich bin auf der Flucht vor dem Tod, der mir jeden Tag seine knochige Hand auf die Schulter legt“, schreibt Liebing in ihrem 2010 erschienenen Buch „Ich übe das Sterben“. Das Brugada-Syndrom ist für jeden zweiten Todesfall bei augenscheinlich gesundem Herzen verantwortlich. Pro Jahr sterben in Deutschland mehr als 15.000 Menschen ohne spürbare Herzprobleme am plötzlichen Herzversagen, das ist ein Zehntel aller plötzlichen Herztode.

Das Tückische ist die Ahnungslosigkeit der Betroffenen

„In den meisten Fällen wird die Krankheit erst nach einem überlebten plötzlichen Herztod oder einer grundlosen Bewusstlosigkeit diagnostiziert“, sagt Dieter Horstkotte, Direktor der Kardiologischen Klinik am Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen in Bad Oeynhausen. Das Tückische am Brugada-Syndrom ist die Ahnungslosigkeit der meisten Betroffenen. Auch beim plötzlichen Kindstod wird diese gefährliche Herzerkrankung als mögliche Ursache diskutiert.

Erst seit 20 Jahren ist das Brugada-Syndrom als eigenständige Krankheit überhaupt bekannt. Benannt nach den spanischen Kardiologen-Brüdern Brugada tritt die genetisch bedingte Herzkrankheit meist erstmals im dritten und vierten Lebensjahrzehnt auf. Die Spanier stellten bei einer Gruppe von organisch völlig gesunden Patienten mit überlebten plötzlichen Herztod Auffälligkeiten im Elektrokardiogramm (EKG) fest.

Allerdings können diese Auffälligkeiten auch nur zeitweise oder gar nicht vorhanden sein. Nur etwa 30 Prozent der Patienten, bei denen das Brugada-Syndrom genetisch nachgewiesen wurde, zeigten nach Angaben des Universitätsklinikums Magdeburg den im EKG typischen Rechtsschenkelblock. „Die Diagnose ist deshalb schwierig und uneinheitlich“, sagt Horstkotte.

Kommentare (1)

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19.02.2012, 23:33 Uhr

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